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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

326 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1906. 
mittags mit der Flut das erste Eis zeigte. Die hiermit einsetzende Frostperiode, 
nach Dauer und Intensität die bedeutendste des Winters, hat gleichwohl nur 
einen Hafen der Nordseeküste, nämlich Husum, auf einen Tag völlig gesperrt, 
während die Eisbildung bei Tönning im Maximum nur den relativen Stärkegrad 2 
erreichte, d. h. nur zu einer Erschwerung der Segelschiffahrt führte. Es sei hier 
hervorgehoben, daß die von der Deutschen Seewarte in ihren Monatsberichten über 
die Eisverhältnisse gegebenen Stärkegrade der Eisbildung (1 = Eis ohne Be- 
hinderung der Schiffahrt, 2 = Erschwerung der Segelschiffahrt, 3 —= Schluß der 
Segelschiffahrt, 4 — Schluß der Dampferfahrt) nur Relativzahlen darstellen, 
insofern, als z, B. eine Eismenge, die einen kleinen, nur von kleineren Schiffen 
befahrenen Hafen schon zu sperren vermag, d. h, für diesen den Stärkegrad 4 
erreicht, für eine vielbefahrene Schiffahrtsstraße, in der womöglich noch Eis- 
brecher in Tätigkeit sind, nur etwa eine Erschwerung der Segelschiffahrt zur 
Folge hat, d. h. den Stärkegrad 2 erreicht. Die ungünstige Stellung der kleinen 
Häfen und Meeresteile fällt noch mehr ins Auge, wenn man beachtet, daß eine 
bedeutend geringere Frostmenge nötig ist, um dort Eisbildung zu veranlassen, 
als an großen, tiefen Häfen und Meeresbuchten oder gar an den freigelegenen 
Küsten- und Inselstationen, 
Im Monat Februar wurde noch einmal, am 13., von Tönning Eis gemeldet, 
und zwar — auch das ist charakteristisch für die kleineren Häfen — gleich 
wieder Stärkegrad 2; der 12. und 14, Februar sind beide völlig eisfrei. 
J]I. Das Elbegebiet. 
In dem Berichte der »Annalen usw.« über die Eisverhältnisse des Winters 
1904/05 wurde betont, daß der Tidenwechsel, der große Verschiedenheiten der 
Eisverhältnisse im Laufe eines Tages bedinge, es wünschenswert erscheinen lasse, 
außer der Beobachtung um 8 Uhr morgens solche noch im Laufe des Tages vor- 
zunehmen, wenn der Zustand wesentlich von dem früh beobachteten abweiche. 
Demgemäß sind die von den Eisbeobachtern auszufüllenden Bogen erweitert worden, 
doch ermöglicht die verhältnismäßige Geringfügigkeit der Eisbildung im Be- 
reiche der Nordseeküste im letzten Winter noch keine eindeutigen Schlußfolgerungen 
auf Grund der wenigen diesbezüglichen Notizen, Dagegen geht der Einfluß der 
Tiden klar hervor aus dem Bericht einer Hamburger Zeitung über die Eisver- 
hältnisse auf der Elbe am 6. Januar: »Durch das massenhaft von der oberen 
Elbe abtreibende Eis hat der Eisgang hier im Hafen und auf der Unterelbe bis 
in die Nähe von Glückstadt so starke Dimensionen angenommen, daß der Verkehr 
zeitweilig ins Stocken gerät. Besonders ist dies der Fall während der Fluttide. 
Dann stauen sich die Eismassen hier in den Häfen sowohl als im Fahrwasser so 
stark, daß Fährdampfer und Schleppzüge wie eingekeilt sitzen bleiben und ihnen 
erst durch die unausgesetzt als Eisbrecher tätigen Staatsdampfer Luft gemacht 
werden muß. — Erst mit der Ebbe treten wieder etwas günstigere Verhältnisse ein.« 
III. Weser-, Ems- und Jadegebiet. 
Es zeigt sich, wie im Winter 1904/05, daß dieses Gebiet günstigere Eis- 
verhältnisse aufweist wie die Elbe: die Stationen 70 bis 75, 77 bis 81, 92 und 93 
(s. Tabelle) haben, soweit sie nicht überhaupt eisfrei sind, im Durchschnitt an 
5.1 Tagen Eis — ohne das verhältnismäßig besonders ungünstige Gebiet 93 
(Nesserland, Hafeneinfahrten) sogar nur an 4.4 Tagen — während der ent- 
sprechende Wert für die Elbe-Siationen 59 bis 68 etwa 6.4 beträgt. Dies ist 
aber nicht allein damit zu erklären, daß »der Nachschub aus den oberen Ge- 
bieten nicht so groß ist wie bei der Elbe«, vielmehr ist im allgemeinen in jenen 
westlichen Gebieten die während des Winters zugeführte »Kältesumme« bedeutend 
geringer als an den unter I und IX genannten Gebieten. Das lassen schon die 
Temperaturkurven erkennen, doch kommt diese Tatsache noch mehr zum Aus- 
druck in folgender Übersicht über die Frostperioden des letzten Winters in den 
Monaten November—Januar (im Februar und März kam es an der Nordseeküste 
überhaupt nicht mehr zu Frostperioden).
	        
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