329 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1906.
August bei länger anhaltenden starken WNW-Winden vorgekommen, Die west-
lichen, also gegen den Wind laufenden Strömungen sind fast nur bei ganz leichten
nordwestlichen Winden vorgekommen, sie sind auch durchgehends von kaum
nennenswerter Stärke. Eine Ausnahme hiervon machen allerdings drei Beob-
achtungen vom 29., 30. und 31. August 1903, darunter ist am 30. August soyar
nordwestlicher Strom 3.5 Kn. notiert bei NW-Wind Stärke 6; aber eine Durch-
sicht der übrigen Beobachtungen sowie eine Vergleichung der gleichzeitigen
Strömungen bei den dänischen Feuerschiffen, siehe synopt. Stromkarte Nr, 14
vom 30, August 1903, Taf. 23, läßt mit Sicherheit schließen, daß die Richtung jener
Strömungen versehentlich gerade entgegengesetzt notiert worden ist, daß also
bei diesem Wetter tatsächlich südöstlicher Strom geherrscht hat. Nimmt man
das an, so wird der Prozentsatz der bei nordwestlichen Winden mit dem Winde
setzenden Strömungen um 3 °% erhöht und der der gegen den Wind setzenden
um ebensoviel vermindert.
e) Unter den 16 Beobachtungen bei Windstille waren 7 oder 44 °/ mit
Ööstlichem, 7 oder 44 °/, mit westlichem und 2 oder 12 °/, mit keinem Strom. Die
Geschwindigkeit der Strömungen bei Windstille hat zwischen 0.5 und 3.0 Kn,
geschwankt, Die größten Stromgeschwindigkeiten bei Windstille sind vorge-
kommen, wenn nach längerem Westwinde, der das Wasser in der östlichen Ostsee
aufgestaut haben muß, Ostwind eingesetzt und eine Zeitlang geweht hatte, so
daß sich die Wassermengen dabei nach Westen hin in Bewegung gesetzt hatten,
und wenn der Ostwind nun schnell zur Windstille abflaute.
C. Herbst.
Im Herbst sind 212 Beobachtungen, darunter 38 oder 18 °/, bei nordöst-
lichen Winden, 59 oder 28 %, bei südöstlichen Winden, 61 oder 29 °%, bei süd-
westlichen Winden, 48 oder 23 %, bei nordwestlichen Winden und 6 oder 2 */,
bei Windstille, notiert.
a) Unter den 38 Beobachtungen bei nordöstlichen Winden waren
6 oder 16 °%, mit östlichen, 27 oder 71 °/, mit westlichen Strömungen und 5 oder
13 %, mit Stromstille. Die östlichen Strömungen haben ihre Höchstgeschwindig-
keit von 1 Kn. nur zweimal erreicht, nämlich am 16. und 17. November 1905.
Nach lange anhaltenden, zum Teil harten Ostwinden, die den Wasserspiegel in
der östlichen Ostsee sehr herabgedrückt haben müssen, wird der Wasserstands-
unterschied zwischen der östlichen und der westlichen Ostsee, den Belten
und dem Kattegat so groß geworden sein, daß, sobald der östliche Wind etwas
nachließ, bei Fehmarnbelt-Feuerschiff östlicher Strom einsetzte. Vgl. synopt.
Stromkarte Nr. 15 vom 16. November 1905, Taf. 24. Jedenfalls sehen wir auch hier
wieder, daß gegen den Wind laufender östlicher Strom von nennenswerter Stärke,
wie bei den weiter oben angeführten Beispielen, in Verbindung mit einer
barometrischen Depression über der südlichen oder südöstlichen Ostsee vorge-
kommen ist, d. h. bei einer Wetterlage, die auch an Bord erkannt werden kann.
Dagegen sind in den Wind auf laufende östliche Strömungen von nennenswerter
Geschwindigkeit bei hohem Barometerstande über der südöstlichen Ostsee unter
den Beobachtungen nicht gefunden.
Die westlichen Strömungen haben ihre größte Geschwindigkeit von 3.5 Kn.
bei länger anhaltenden Ostwinden erreicht; dazu mag aber bemerkt werden,
daß die größte Stromgeschwindigkeit nicht mit der größten Stärke des Ostwindes,
sondern vielmehr mit der Lage des höchsten Luftdruckes über der östlichen
Ostsee zusammenfällt.
b) Unter den 59 Beobachtungen bei südöstlichen Winden waren 10
oder 17 °%/, mit östlichen, 46 oder 78 °/, mit westlichen Strömungen und 3 oder
5 %, mit Stromstille. Die Geschwindigkeit der östlichen Strömungen erreichte
1.0 Kn,, die der westlichen 3.5 Kn. Der stärkste östliche Strom von 2 Kn. ist
nur einmal vorgekommen, zu einer Zeit, als der kräftige SW-Wind im Fehmarn-
belt nach Süd zurückgedreht war und nun mit unter die südöstlichen Winde gezählt
worden ist. Der stärkste westliche Strom ist wie bei nordöstlichen Winden —