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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Oberflächenströmungen im Kattegat, Sund und in der westlichen Ostsee. 321 
Auffallend ist der immerhin hohe Prozentsatz von gerade oder schräg in den 
Wind auf laufenden Strömungen, Betrachten wir diese jedoch näher, so findet 
sich, daß sie nur zweimal nennenswerte Stärke hatten, nämlich am 23. und 
24. Juni 1905. Am 23. Juni ist bei NNO-Wind von Stärke 6 östlicher Strom 
von 2 Kn. Geschwindigkeit notiert. Dieser Strom erklärt sich unschwer — ähnlich 
wie bei dem Beispiel für den Frühling, synopt. Stromkarte Nr. 9, Taf. 23 — aus 
dem unmittelbaren Vorübergange des Minimums einer barometrischen Depression, 
wobei kurz vor der Beobachtungszeit starke westliche Winde geherrscht haben. 
Auffallender ist, daß auch am folgenden Tage, am 24, Juni, noch östlicher Strom 
von 1 Kn. Geschwindigkeit bei leichtem östlichen Winde lief. Es wird das wohl 
darauf zurückzuführen sein, daß der östliche Wind in der südlichen Ostsee flau, 
in den Belten aber nördlicher Wind war. Nun hatten in der Ostsee seit dem 
6. Juni fast nur östliche Winde geweht, unter deren Einfluß der Wasserspiegel 
der Ostsee soviel gefallen sein wird (Fehmarnbelt-Feuerschiff hat 3 Wochen 
hintereinander nur westlichen Strom notiert), daß ein Ausgleich durch östlichen 
Strom, nachdem das Wasser einmal nach Osten hin in Bewegung gesetzt worden 
war, auch noch gegen den Wind stattfinden mußte. 
b) Unter den 61 Beobachtungen bei südöstlichem Winde waren 5 oder 
8 % mit östlichen, 48 oder 79 %%, mit westlichen Strömungen und 8 oder 13 %, 
mit Stromstille, Die Geschwindigkeit der östlichen Strömungen betrug 0.5 bis 
1.5 Kn., die der westlichen 0.3 bis 4 Kn. Die Höchstgeschwindigkeit von 2 Kn. 
des östlichen, also in den Wind laufenden Stromes, ist nur einmal bei SSO, Wind- 
stärke 2 vorgekommen, nämlich am 5. Juni 1905, zu einer Zeit, während der 
gleichzeitig an den östlicher liegenden Stationen westliche Winde notiert worden sind. 
Die anderen in den Wind auf laufenden östlichen Strömungen hatten keine nennens- 
werte Stärke. Die stärkste westliche Strömung ist am 10. Juni 1904 vorge- 
kommen, zu einer Zeit, während der in der östlichen Ostsee nördliche Winde 
schon seit einigen Tagen, und an der deutschen Ostseeküste leichte östliche 
Winde herrschten. Vgl. synopt. Stromkarte Nr. 12 vom 10. Juni 1904, Taf, 23. 
c) Unter den 82 Beobachtungen bei südwestlichen Winden waren 23 
oder 28 °%, mit östlichen, 45 oder 55 °, mit westlichen Strömungen und 14 oder 
17 °% mit Stromstille, Die Geschwindigkeiten der östlichen Strömungen haben 
0.5 bis 4.5 Kn., die der westlichen 0.5 bis 2.5 Kn. ‚betragen. 
Die stärksten östlichen Strömungen sind mit starken westlichen Winden in 
der südlichen und südöstlichen Ostsee (vgl. synopt. Stromkarte Nr. 13 vom 23, Juni 
1904, Taf. 23) vorgekommen. Die westlichen Strömungen von nennenswerter 
Stärke sind fast nur bei ganz leichten westlichen Winden notiert worden. Einmal 
findet sich westlicher Strom von 1 Kn. Geschwindigkeit bei Westwind, Stärke 3; 
an demselben und besonders am vorhergehenden Tage haben in der östlichen 
Ostsee hinter einer Depression stürmische nördliche Winde geherrscht, Die 
Höchstgeschwindigkeit des in den Wind auf setzenden westlichen Stromes, nämlich 
2.5 Kn., ist nur einmal notiert, und zwar bei Westwind von Stärke 1, der auf 
östliche Winde gefolgt und natürlich nicht kräftig genug gewesen ist, das einmal 
nach Westen hinströmende Wasser aufzuhalten. Ist sonach bei südwestlichen 
Winden im Sommer die Richtung des Stromes der Häufigkeit nach mehr gegen 
den Wind als mit dem Winde, so wird man doch zu brauchbaren Resultaten 
kommen, wenn man die Windstärken und den vorhergegangenen Wind in 
Betracht zieht. . 
d) Unter den 98 Beobachtungen bei nordwestlichen Winden waren 
50 oder 51 °% mit östlichen, 28 oder 29 %, mit westlichen Strömungen und 20 
oder 20 °% mit Stromstille. Die Geschwindigkeiten der östlichen Strömungen 
haben 0.3 bis 3,5 Kn., die der westlichen ebenfalls 0.3 bis 3.5 Kn. betragen. Wir 
sehen also, daß, anders als bei südwestlichen Winden, bei nordwestlichen Winden 
die östlichen Strömungen sehr bedeutend überwiegen: offenbar, weil der Wind 
häufiger über Süden nach Südwesten und weiter dreht als über Norden nach 
Nordwesten, so daß bei nordwestlichen Winden meistens schon längere Zeit 
vorher westliche Winde geherrscht und dem Wasser die Bewegung nach Osten 
mitgeteilt haben. Die größten Stärken des östlichen Stromes sind im Juli und 
Ann. d. Hydr. usw. 1906, Heft VII.
	        
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