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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1906.
drehen. Anderseits darf es nicht überraschen, daß mit südwestlichen Winden
im Frühling so hohe Geschwindigkeiten der östlichen Strömungen wie 4 Kn. vor-
kommen. Das tritt am häufigsten ein, wenn in der Ostsee eine Zeitlang kräftige
Ostwinde geherrscht und den Wasserspiegel im Osten erniedrigt, im Westen
erhöht haben, Setzen dann westliche Winde ein, so verzögern sie zunächst die
Bewegung des Wassers nach Westen, so daß nach einigen Wachen oder schon
Stunden Stromstille eintritt. Bald darauf fängt das Wasser an, sich nach Osten
zu bewegen, und die höchsten Geschwindigkeiten treten ein, ohne daß not-
wendigerweise der westliche Wind sehr hohe Stärken anzunehmen braucht. Als
Beispiel, aus dem sich das Verhalten des Stromes recht gut sehen läßt, seien die
folgenden Beobachtungsreihen des Feuerschiffes Fehmarnbelt angeführt.
1904
[IX 23, Sb V.
Du
Wind ! Strom
080. O0 10
ONO W 10
0: W 15
Ö- W 23
080 2 W155
080 2 w 20
So 2 W 3.0
SW 1 W 2.0
SW ı W LO
O0 2 W 05
SW 3 W 15
82 W LO
SW 2 kein Strom
äWw 2 0.25
SW 4 | 035 A
SW 4 040 |
1904
SS. Sh V.
IV. %
5
28.
Wind
; Strom
WNW 4 J 10
SSW * ) 30
WSW 5 ) 3.0
WSW 8 ) 3.5
WNW 4 ) 3.0
O0So 2 ) 1.0
NW 1 wr 2.0
SO 6 W 3.5
Stille W 2.0
WNW 2 W 0,5
Stille kein Strom
O0S0 2 kein Strom
O0so 2 WL5
0x0 2 |] W 2.0
SSo 1 W 1.5
NO 1 | W LO
d) Unter den 47 Beobachtungen bei nordwestlichen Winden waren 29
oder 62 °%, mit östlichen, 12 oder 25 °/, mit westlichen Strömungen und 6 oder
13 °% mit keinem Strom, Die Geschwindigkeit der östlichen Strömungen schwankte
zwischen 0.5 und 3.0 Kn., die der westlichen ebenfalls zwischen 0.5 u. 3.0 Kn.
Die östlichen Strömungen überwiegen also mit nordwestlichen Winden schon
recht bedeutend. Daß der Strom gegen den Wind läuft, tritt aus ähnlichen
Ursachen wie bei südwestlichen Winden und fast nur bei Windstärken 1 oder 2
auf, Einmal ist allerdings westlicher Strom von 3 Kn. bei Wind NW 3 notiert
worden; es handelt sich dabei, ähnlich wie bei der Ausnahme, die bei nordöst-
lichen Winden hervorgehoben worden ist, um die unmittelbare Nähe eines
Minimums, das wie auf den Wind, so auch auf das Wasser eine saugende
Wirkung ausübt und mit dessen Vorübergange schnelle Windänderungen ein-
treten, denen der Strom nicht so schnell folgen kann. Vgl. synopt. Stromkarte
Nr. 11 vom 14. April 19038, Taf. 23.
e) Unter den 9 Beobachtungen bei Windstille waren 7 oder 78 %, mit
westlichen Strömungen von bis zu 2 Kn. Geschwindigkeit und 2 oder 22 %, mit
Stromstille. Die Anzahl der Beobachtungen ist zu gering, als daß sich sichere
Schlüsse daraus ziehen lassen; immerhin bestätigen die wenigen Beobachtungen,
daß im Frühling der Strom vorwiegend nach Westen strebt.
B. Sommer,
Im Sommer sind 276 Beobachtungen, darunter 19 oder 7 %, bei nordöst-
lichen, 61 oder 22 %, bei südöstlichen, 82 oder 30 °/, bei südwestlichen, 98 oder
36 % bei nordwestlichen Winden und 16 oder 5 °% bei Stromstille, notiert.
a) Unter den 19 Beobachtungen bei nordöstlichen Winden waren 5
oder 26 °/, mit östlichen, 8 oder 42 °, mit westlichen Strömungen und 6 oder
32 %, mit Stromstille. Die Strömungen erreichten als Höchstbetrag 2 Kn. Ge-
schwindigkeit; die Geschwindigkeit ist also beträchtlich geringer als im Frühling,
was zweifelsohne auf die geringeren Luftdruckschwankungen oder -Unter-
schiede, also auch auf die geringeren Windstärken zurückzuführen sein wird,