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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1906.
der Küste. Nördlich von 37° Breite liegt die Winterlinie weit ab vom Lande,
während die des Frühlings 5° bis 6° westlicher, d.h. näher am Lande liegt.
Das kältere Küstenwasser erstreckte sich demnach hier im Winter 1902/03 viel
weiter nach See zu als im Frühjahr 1903. Ferner weist der Winter nur 9,
der Frühling dagegen 14 Linien auf, Im Winter waren also die Wärme-
verhältnisse wesentlich einfacher und übersichtlicher als im Frühling. Es
handelt sich dabei sicherlich auch um Windeinflüsse; die Winde sind im
Winter hier meist einseitiger in ihrer Richtung und westlich oder nordwestlich,
während im Frühling auch andere, besonders östliche Richtungen, zur Geltung
rommen. Schließlich ist es noch erwähnenswert, daß mehrere Paare ozeanischer
Linien im Winter und im Frühling beinahe zusammenfallen, gewisse relative
Kaltwasserstrecken also viele Monate ihre Lage beibehielten.
Isothermen des Wassers. Trägt man die beobachteten Messungen
selber ein, so liefern sie Isothermen des Wassers wie in Fig. 4. Sie gelten für
März 1903. Für diesen Monat liegen im Nordatlantischen Ozean 47 Beob-
achtungen von Sprüngen vor, also die doppelte Anzahl Temperaturbeobachtungen.
Daß eine so entstandene Darstellung der Wärmelinien Abweichungen von der
üblichen Darstellung nach Mittelwerten zeigen wird, liegt auf der Hand. Hier
dürften die Gegensätze zunächst schärfer hervortreten. Man vergleiche Taf, 18
der »Ann. d. Hydr. etc.« 1904, wo der Östliche Teil dieses Gebietes nach
Mittelwerten bearbeitet ist, aber nur Zahlenwerte eingetragen sind, ohne Hinzu-
fügung der Isothermen.
Die Temperatursprünge östlich von Südamerika, Geographische Ver-
teilung. Taf. 2, Fig. 1. Sieht man von den wenigen Sprüngen in der Nähe
von Kap Frio ab, so liegt die Hauptmasse der Beobachtungen in einem Streifen,
der gegenüber dem Kap Santa Maria anfängt und erst nach Süden, dann nach
S3SO läuft, um — nach einer Unterbrechung — nordöstlich von den Falklands-
inseln noch einmal zu erscheinen. Die Beobachtungen ergeben hier scheinbar
zwei getrennte und verschieden starke Gruppen, die Hauptgruppe zwischen
35° und 42° S-Br. und eine viel kleinere von 3 Sprüngen in 48° und 49° S-Br,
Die große Gruppe stammt von ausgehenden Dampfern und einigen Seglern
sowie heimkehrenden Dampfern her, die kleinere nur von heimkehrenden Seglern,
Durch die große Lücke zwischen den beiden Gruppen führt kein Schiffsweg.
Man kann es deshalb als wahrscheinlich ansehen, daß beide Gruppen zusammen-
gehören. Die große Achse läuft von 35° S-Br., 52° W-Lg. über 40° S-Br., 53° W-Le.
nach 49° S-Br., 50° W-Lg. Ihre Länge ist bis hierher 900 Sm, die Breite des
Streifens schwankt zwischen 250 Sm im Norden, 100 Sm im Süden.
Abhängigkeit von den Jahreszeiten. (Fig. 5 u. 6.) Fig. 5 enthält
die Beobachtungen aus zwei kalten Jahreszeiten, 1902 und 1903, Fig. 6 die aus
der dazwischenliegenden warmen Jahreszeit 1902/1903. Die Nordgrenze liegt
in Fig. 5 nördlicher als in Fig. 6, d. h. nördlicher in der kalten, südlicher in
der warmen Jahreszeit. Wir sehen eine, vielleicht die Hauptursache in den
Winden, d.h. darin, daß in der kalten Jahreszeit die Isobaren vor dem
La Plata dichter zusammenliegen, die Gradienten oder das barometrische
Gefälle und die ihnen entsprechenden westlichen Winde stärker sind als in
der warmen Jahreszeit.
Übergänge von kälterem zu wärmerem Wasser. Sieht man die
Richtung der Pfeile in Fig. 5 u, 6 an und vergleicht sie mit denen auf Fig, 2,
so fällt ein großer Unterschied auf. Die Pfeile vor dem La Plata sind alle
nach N und NO gerichtet (mit 3 Ausnahmen), und zwar das ganze Jahr hin-
durch, Wir haben hier eine so große Übereinstimmung in der Richtung aller
Pfeile, wie sie vor der Ostküste Nordamerikas unbekannt ist, und schließen
daraus, daß hier ein Durchdringen warmer und kalter Gewässer wie im Nord-
atlantischen Ozean, nicht vorkommt. Man wird nicht weit fehlgehen, wenn
man damit auch den Mangel an Eis vor dem La Plata in Verbindung bringt.
Ein Vordringen des Eises bis zu 42° und 40° Breite, wie es im Norden quer
zum Golfstrom gar nicht selten ist, kommt hier nicht vor.
Schlußbemerkungen. Die Ergebnisse der Untersuchung sind kurz
folzende: Die größten Sprünge kommen nach den hier vorliegenden Beob-