Oberflächenströmungen im Kattegat, Sund und in der westlichen Ostsee. ‘8319
belt auf westliche Strömungen rechnen, deren Geschwindigkeit je nach den Um-
ständen verschieden ist, aber 2!/„, Kn, gewöhnlich‘ nicht übersteigt. |
Ausnahmen, die mit in unmittelbarer Nachbarschaft vorüberziehenden
Depressionen zusammenzuhängen scheinen, kommen aber vor, wie die synoptische
Stromkarte Nr. 9 vom 3. April 1905, Taf. 23 zeigt. Ein ziemlich tiefes Minimum ist
auf seiner südostlich gerichteten Bahn soeben vorübergezogen, und über. der
westlichen Ostsee wehen starke nordöstliche Winde. Trotzdem notiert Fehmarn-
belt-Feuerschiff 4.0 Kn. östlichen Strom... Hierbei fällt besonders auf, daß Gjedser-
Riff-Feuerschiff gleichzeitig 3.0 Kn. südwestlichen Strom gehabt hat. Und
während sich, wie die folgenden Reihen zeigen, der Strom bei Gjedser-Riff dem
Wechseln des Windes gut anpaßt, hat Fehmarnbelt-Feuerschiff tagelang unaus-
gesetzt östlichen. Strom. Es haben nämlich gleichzeitig notiert:
1905
. April 84 V.
3.
>
3
Fehmarnbelt-Feuerschiff | Gjedser Riff-Feuerschiff
Wind | Strom ‘: Wind | Strom
NW
SSW
0ONO
TTV
O0 2,5 Kn.
04.0 >»
040 »
020 »
.020 »
005
WNW
SSW .
NN.
O 1.5 Kn.
SW 0.55 »
SW 3.0 >
O0 15
O0 05
SW 05
w
NNW ı
%
Pu
*T
=
X
Die Widersprüche in den Aufzeichnungen von Fehmarnbelt sind so stark,
daß man fast gezwungen wird, an irrtümliche Aufzeichnungen zu glauben. Hält
man aber aufrecht, daß die Stromrichtungen richtig angegeben sind, so wird man
derartige, mit dem Vorüberziehen einer Depression verbundene Vorgänge zu denen
rechnen müssen, bei denen im Fehmarnbelt östlicher Strom gegen den Wind
laufen kann. Solche Vorgänge dürften an den Schwankungen des Barometers in
Verbindung mit der Richtungsänderung des Windes auf See zu erkennen sein.
Auch die anderen Ausnahmen sind bei ähnlichen meteorologischen Vorgängen
vorgekommen, nur waren sie, wenn die obigen Stromstärkeangaben annähernd
richtig sind, bei weitem nicht so stark ausgeprägt, daher denn auch der östliche
Strom bei Fehmarnbelt-Feuerschiff nur 0.5 Kn. Geschwindigkeit erreicht hat oder
nur Stromstille eingetreten ist,
b) Unter den 72 Beobachtungen bei südöstlichen Winden sind 7 oder
10 % mit östlichen, 59 oder 82 °/ mit westlichen Strömungen und 6 oder 8 %
mit Stromstille. Die Geschwindigkeit der östlichen Strömungen schwankte zwischen
0.5 und 1.5 Kn., die der westlichen zwischen 0.3 und 3,5 Kn. Also auch bei
südöstlichen Winden kann man im Frühling beim Fehmarnbelt-Feuerschiff ge-
wöhnlich auf westlichen Strom rechnen, der im allgemeinen 3'/, Kn. Geschwindig-
keit nicht überschreitet, und diese meistens annähernd erreicht, wenn der höchste
Luftdruck, der sich im Norden langsam östlich bewegt, über der nördlichen
Ostsee lagert, Vgl. synopt. Stromkarte Nr. 10 vom 15. April 1904, Taf. 23. Die Aus-
nahmen, bei denen mit südöstlichen Winden östlicher oder gar kein Strom
herrschte, fanden nur bei hoch südlichen und ganz schwachen Winden bis
Stärke 2, statt.
ec) Unter den 67 Beobachtungen bei südwestlichen Winden sind 28
oder 42 %, mit östlichen, 24 oder 36 °/, mit westlichen Strömungen und 15 oder
22 %, mit Stromstille. Die Geschwindigkeit der östlichen Strömungen schwankte
zwischen 0.3 und 4.0 Kn., die der westlichen zwischen 0.5 und 2.5 Kn.
Die Strömungen sind also bei südwestlichen Winden im Frühling ziemlich
unsicher, Man muß sich, um das zu verstehen, vergegenwärtigen, daß im
Frühling, wie vorher gezeigt worden ist, der Überschuß des der Ostsee zu-
Mießenden Schmelzwassers über die Verdunstung nach Westen hin abgeführt
werden muß, und daß folglich das nach Westen hindrängende Wasser diese
Richtung auch bei leichten westlichen Winden solange beibehalten wird, bis diese
Winde stark genug sind, die Bewegung nach Westen aufzuhalten oder sie umzu