318 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1906.
Werten hervorgeht, nicht zu vernachlässigen; denn es zeigt sich ganz deutlich,
daß die Häufigkeit der Strömungen jahreszeitlichen Änderungen, die unabhängig
vom Winde sind, unterworfen ist,
Die Zusammenstellung der Strömungen beim Fehmarnbelt-Feuerschiff nach
Jahreszeiten und auf Prozente berechnet ergibt die folgenden Werte:
Frühling Sommer
(März, April, Mai.) | (Juni, Juli, August.) | (Sept., Okt., Nov.)
240 3800
519% 520
620 ! 569%
450% 460
140% 12%
49/.
Herbst
— Westl. Winde !) 660
Westl. Strömungen 509
Östl. Winde ?) 200%
Semstillen. 99% _
Windstillen I ] a 20%
Ein Überblick über die vorstehenden Zahlen führt unmittelbar zu den
folgenden Sätzen.
1. In den drei Jahreszeiten: Frühling, Sommer und Herbst sind westliche
Strömungen beim Fehmarnbelt - Feuerschiff durchschnittlich doppelt so häufig
als östliche,
2. Im Frühling, wenn das der Ostsee durch die Zuflüsse vom Lande her
zugeführte Schmelzwasser nach der Nordsee hin abzufließen strebt, sind westliche
Strömungen am häufigsten; sie sind dann etwa zweiundeinhalb mal so häufig
als östliche Strömungen und häufiger als im Herbst, trotzdem im Herbst östliche
Winde ebenso oft aufgetreten sind.
3. Westliche Strömungen sind im Sommer, wo allerdings auch die Häufigkeit
der westlichen Winde am größten gewesen ist, und wo im Ostseegebiet die Ver-
dunstung am höchsten, der Niederschlag aber am kleinsten ist, am wenigsten
häufig; immerhin ist aber das Verhältnis der westlichen Strömungen zu den
östlichen noch wie 5:3.
4. Stromstillen sind am häufigsten im Sommer, also in der Zeit der
schwächsten Winde.
2, Das Verhalten der Strömungen bei verschiedenen Winden.
Ehe näher auf das Verhalten der Strömungen bei verschiedenen Winden
eingegangen wird, muß bemerkt werden, daß im Jahre 1903 die Stromrichtung
entweder mit NW oder SO notiert worden ist, dagegen in den Jahren 1904 und
1905 entweder mit W oder mit O0. Andere Notierungen kommen nicht vor.
Da nun nicht angenommen werden kann, daß die Strömung im Jahre 1903, wo
das Feuerschiff schon auf derselben Stelle lag, wie in den Jahren 1904 und 1905,
anders gewesen ist, wird man alle hier besprochenen Strömungen nur als allgemein
westliche, d. h. aus der Ostsee heraussetzende, oder als allgemein östliche, d. h.
in die Ostse hineinsetzende aufzufassen haben, die im einzelnen von dem gerade
herrschenden Winde mehr oder weniger abgelenkt werden.
A. Frühling.
Im Frühling sind 225 Beobachtungen, darunter 30 oder 13%, bei nord-
östlichen, 72 oder 32°, bei südöstlichen, 67 oder 30°, bei südwestlichen, 47 oder
21%. bei nordwestlichen Winden und 9 oder 4°, bei Windstille notiert.
a) Unter den 30 Beobachtungen bei nordöstlichen Winden sind 2 oder
etwa 7°/, mit östlichen, 26 oder 87°/, mit westlichen Strömungen und 2 oder etwa
6%, mit Stromstille. Die Geschwindigkeit der östlichen Strömungen war 0.5 und
4.0 Kn., die der westlichen war zwischen 0.5 und 2.5 Kn. Das heißt, im Frühling
kann man bei nordöstlichen Winden mit ziemlich großer Gewißheit im Fehmarn-
!) Als östliche Winde sind alle Winde von mw. S bis NNO, als westliche alle Winde von mw
N his SSW gezählt.