Oberflächenströmungen im Kattegat, Sund und in der westlichen Ostsee. 317
werden, daß die Strombeobachtungen, die an bestimmten Punkten gemacht
werden, dem Seemann bei weitem nicht immer den Strom geben, der auf sein
Schiff wirkt. Wenn schon im freien Wasser, wie bekannt, ein Strom in mehr
oder weniger breiten Bändern entlang fließen kann und wenn. schon an den
Rändern solcher Strombänder in freiem Wasser Abzweigungen, Neerströmungen
usw. entstehen, so ist das in Gewässern, wo sich Küsten, Riffe, Sände, Huken
usw. den Strömungen entgegen‘ stellen, noch viel mehr der Fall. Wie oft ist
nicht z. B. der Strom bei Lappe-Grund ganz anders als auf der schwedischen
Seite der Enge, oder welcher Ostseefahrer wüßte nicht, daß zwei in Windstille
treibende Segler, obwohl sie nur wenig voneinander entfernt waren, nach einigen
Stunden weit auseinander getrieben sein können, wenn der eine, als es still wurde,
ein paar Schiffslängen weiter unter Land stand als der andere! Solche Er-
scheinungen, auf die ja auch die scheinbaren Widersprüche in den Wind-
und Strombeobachtungen einiger Feuerschiffe (Läsö Rinne, Schultz’s - Grund,
Drogden) zurückzuführen sind, erheischen beständige Beachtung, bei unsichtigem
Wetter aber große Vorsicht. Und so ist vielleicht der beste Rat, der dem See-
mann gegeben werden kann, der: die Strömungen ‘stets mit allen zu Gebote
stehenden Mitteln zu kontrollieren, sie mit dem gerade herrschenden oder
vorhergegangenen Wetter in Beziehung zu setzen und so: bei sichtigem Wetter
die Erfahrung zu sammeln, die bei unsichtigem zur richtigen Beurteilung der
Lage und damit zu richtigem Handeln führt.
V. Die Strömungen bei dem Feuerschiffe Fehmarnbelt,
“Hierzu Tabelle IV und die synoptischen Stromkarten 9 bis 18, Taf. 23 u. 24.)
1. Allgemeines,
Auf dem Feuerschiffe Fehmarnbelt, das auf 54° 35’ 45” N-Br. und 11°
9' 6” O-Lg. liegt, werden seit dem März 1903 zweimal täglich, um 8% V. und um
1b N., Strombeobachtungen angestellt. Bei den Beobachtungen aus dem Jahre 1903
hat man dem Strom zunächst den Namen der Richtung, nach der er setzt, gegeben,
wie es in Deutschland und bei den größeren seefahrenden Völkern üblich ist, man
ist dann aber im Laufe des Jahres dazu übergegangen, dem Strome seinen Namen
von der Richtung, aus der er kommt, zu geben, leider ohne bei den Aufzeichnungen
zu vermerken oder sonstwie kenntlich zu machen, daß man zu dieser Bezeichnungs-
weise übergegangen ist... Infolgedessen konnten zu einer Untersuchung der Strö-
mungen beim Feuerschiffe Fehmarnbelt aus dem Jahre 1903 nur die Beobachtungen
von einigen Monaten mitbenutzt werden, nämlich die, bei denen man die Benennungs-
weise des Stromes sicher erkennt. Vom Oktober 1903 an ist die Benennungsweise
zweifelhaft; zwar scheint man von diesem Zeitpunkte an die Benennung von der
Richtung, aus der er kommt, angewendet zu haben, aber offenbar sind in der ersten
Zeit noch gelegentliche Fehler untergelaufen; die Beobachtungen vom Oktober, No-
vember und Dezember 1908 sind deshalb ausgeschaltet. Das Feuerschiff ist um die
Mitte des Dezember der Jahre 1903 und 1904 eingezogen und dann erst jeweilig im
März des folgenden Jahres wieder ausgelegt worden... Es fehlen daher Strombeob-
achtungen von den meteorologischen Wintermonaten gänzlich, eine Tatsache, die
um so bedauerlicher ist, als gerade in dieser Zeit die stärksten Winde und mit
diesen auch die stärksten Strömungen auftreten, wenn man nämlich von den
Strömungen bei den dänischen Feuerschiffen, insonderheit bei Gjedser Riff, auf
die beim Feuerschiffe Fehmarnbelt schließen darf,
Die Strömungen hängen, wie bereits bei der Besprechung der Strömungen
bei den dänischen Feuerschiffen gezeigt worden ist von der Wetterlage, d.h. am
meisten vom Winde ab. Es sind daher auch in der vorliegenden Arbeit Wind
und Strom stets zusammen betrachtet worden, um dem Seemann, der die Strö-
mungen weniger im ganzen überschauen . als. an gegebenen. Orten und zu
bestimmten Zeiten wissen will, wie der Strom gerade läuft, Angaben und Zahlen
zu geben, nach denen er mit Rücksicht auf Wind und Wetter den gerade laufenden
Strom beurteilen kann. Mag nun aber auch das gerade herrchende Wetter den
Ausschlag geben, so ist doch der Einfluß der Jahreszeit, wie aus den folgenden