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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1906. 
Zu Nr. 7. 1902, Sept, 23., 8b V, Taf. 22. Ein vollkommen anderes Bild bietet uns 
die Karte Nr. 7, Taf. 22. Hier handelt es sich um ein Gebiet hohen Druckes, das sich 
von der pommerschen Küste zungenförmig nach Schweden hin über den mittleren 
Teil der südlichen Ostsee erstreckt. Die Winde sind im östlichen Ostseegebiet 
leicht und aus westlichen Richtungen, im westlichen leicht bis mäßig und aus 
östlichen Richtungen. Dieser Wetterlage ist eine vom 183, bis 21. Sept. anhaltende 
Periode westlicher Winde vorhergegangen, mit denen das Wasser in der Ostsee 
aufgestaut worden ist. Bei den nun schon 2 Tage wehenden östlichen Winden 
hat der Strom überall die Richtung nach der Nordsee hin angenommen und 
hat, trotzdem die östlichen Winde ganz leicht sind, schon recht beträchtliche 
Geschwindigkeiten erreicht. Auffallend ist die nicht ohne weiteres erklärliche 
Erscheinung ostsüdöstlichen Stromes von 1.4 Kn. Geschwindigkeit bei Anholt- 
Knob, Und bemerkenswert ist die, wie sich zeigte, auch schon länger andauernde 
Stromstille bei Skagen. Diese Stromstille dürfte sich daraus erklären, daß seit 
dem 19. Sept. im Skagerrak und in der nördlichen Nordsee äußerst ruhiges 
Wetter, wie es in dieser Gegend recht selten vorkommt, geherrscht hat. 
Zu Nr. 8. 1902, Okt. 14., 8b V, Taf, 22. Diese Karte gibt uns eine Wetterlage, 
bei der die Linien gleichen Luftdruckes in unregelmäßigen Krümmungen ver- 
laufen und Winde aus verschiedenen Richtungen wehen, wenigstens im nördlichen 
Teile des Gebietes. Im südlichen Teile überwiegen westliche Winde. Denen ent- 
sprechend läuft der Strom fast überall nach der Ostsee hin (immer mit dem Vor- 
behalt für Schultz’s-Grund, vgl. »zu Karte Nr. 1 und 2«). Nur gerade da, wo der 
südwestliche Wind am kräftigsten ist, bei Gjedser, finden wir Stromstille anstatt 
des entsprechend in die Ostsee einlaufenden Stromes. Diese Erscheinung wird 
aus der Wetterlage am Tage vorher, am 13, Okt., erklärlich, Es herrschten da 
im ganzen Östseegebiet von Haparanda über Helsingfors, Wisby und an den 
preußischen und pommerschen Küsten nördliche Winde, welche das Wasser an 
der Küste zwischen Rügen und Brüsterort aufgestaut hatten, umsomehr, als der 
allerdings nur nur noch mäßige Südwestwind bei Gjedser das Wasser verhinderte, 
dort nach Westen abzufließen. Erst als die südlichen und südwestlichen Winde, 
die unsere Karte darstellt, in die östliche Ostsee vorgedrungen waren, dort eine 
Zeit lang geweht hatten und so das Wasser von der deutschen Küste ab nach 
Norden drängten, konnten sich die Wassermassen bei Gjedser allmählich nach 
Osten hin in Bewegung setzen. Das ist zunächst langsam gegangen; denn noch 
um 81 N am 14. Okt. hatte Gjedser Stromstille, trotzdem der Südwestwind mit 
Stärke 6 wehte, um 12% nachts lief aber bereits östlicher Strom mit 1 Kn. 
Geschwindigkeit und 4 Stunden später, um 4% V am 15, Okt, wurde östlicher 
Strom von 2 Kn. Geschwindigkeit beobachtet. 
Die vorliegenden 8 synoptischen Wetter- und Stromkarten dürften genügen, 
die Aufmerksamkeit des Seemanns auf die engen Beziehungen zwischen der 
Wetterlage und den Strömungen zu lenken und zu zeigen, daß die täglichen 
synoptischen Wetterkarten für den Seemann mehr Bedeutung haben, als ihnen 
mancher zugesteht. Freilich kommen die täglichen synoptischen Wetterkarten 
selbst in unseren deutschen Häfen den Seeleuten im allgemeinen erst dann zu 
Gesicht, wenn die Wetterlage, die sie darstellen, schon vorüber ist, und 
darum kann der Seemann, der im Begriff ist auszugehen, in bezug auf das 
Wetter draußen aus den synoptischen Wetterkarten nicht mehr so viel entnehmen, 
wie wünschenswert wäre, Betrachtet man aber den innigen Zusammenhang 
zwischen Wetterlage und Strömungen, so erhellt, daß die Strömungen durch die 
vorhergegangenen und die gerade stattfindenden Wetterverhältnisse erzeugt 
werden. Um aber vom Wetter auf den Strom richtig schließen zu können, 
sollten, soweit es möglich ist, nicht nur Wind und Wetter am Schiffsort, sondern 
über dem ganzen Nord- und Ostseegebiet in Betracht gezogen werden, wie es 
in den täglichen synoptischen Wetterkarten zur Darstellung kommt. 
Wenn das Studium der synoptischen Wetterkarten den Seeleuten auch wegen 
der Schlüsse, die sich daraus auf die Strömungen ziehen lassen, angelegentlich 
empfohlen wird, so muß doch andrerseits gerade für die vielfach gegliederten 
Fahrwasser in der westlichen Ostsee, in den Belten und im Kattegat betont
	        
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