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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Oberflächenströmungen. im Kattegat, Sund und in der westlichen Ostsee, 315 
Landstationen ist der Wasserstand fast 1m unter den mittleren Stand ge- 
sunken, und dennoch strömt das Wasser immer noch mit 3 Kn, Geschwindigkeit 
bei Gjedser nach Osten, wo es unter dem Einfluße des Weststurmes in der 
südöstlichen Ecke der Ostsee bis zu etwa !/, m Höhe .über mittleren Wasser- 
stand aufgestaut ist. 
2, Östliche Winde (Karte 4 und 5). 
Ein vollkommen anderes Bild geben die Karten 4 und 5, auf denen die 
Stromverhältnisse bei östlichen Winden dargestellt sind. ; 
Zu Nr. 4. 1902, Okt. 1, SPV, Taf, 22, Diese Karte zeigt von Süden nach Norden 
hin zunehmenden Luftdruck, und im ganzen Gebiet herrschen östliche, zum Teil 
frische bis starke Winde, nur der Nordwesten, den der höchste .Luftdruck auf 
seinem Wege nach Osten bereits passiert hat, hat schon südlichen Wind, und der 
Nordosten, dem sich der höchste Druck erst von Westen her nähert, hat noch 
nordwestlichen Wind. Die Strömungen laufen überall aus der Ostsee heraus 
nach dem Kattegat, und der östliche Strom bei Skagen ist nach Norden auf- 
gebogen. Die beiden nach Süd zeigenden Strompfeile bei Aarösund und im 
Kleinen Belt dürften bei der großen Nähe des Landes wahrscheinlich auf rein 
örtliche Ursachen zurückzuführen und als. eine Art Neerstrom anzusprechen 
sein. Der Wasserstand ist auf den 3 westlichen deutschen Stationen fast 1m 
über dem mittleren. . 
Zu Nr. 5. 1902, Nov. 7., 8b V, Taf. 22. Der höchste Luftdruck liegt im Osten, und 
die Linien gleichen Luftdruckes verlaufen etwa SSO und NNW. Im ganzen 
Gebiet herrschen östliche Winde, die nach Nordwesten hin stärker werden und teil- 
weise Sturmstärke erreichen. Überall ist stark aus der Ostsee herauslaufender 
Strom, der im Kleinen Belt sogar 5 Kn. Geschwindigkeit erreicht. Der Wasser- 
stand ist an den westlichen deutschen Stationen mehr als 1 m über, an der 
Danziger Bucht etwa gleich dem mittleren. ; 
8. Verschiedene Winde (Karte 6, 7 und 8). 
Zu Nr. 6. 1902, März 80., 8b V, Taf. 22. Ein Minimum befindet sich über der 
pommerschen Küste, und die Linien gleichen Luftdruckes sind mit einer 
starken Ausbuchtung nach Nordwesten um das Minimum herum gebogen. Östlich 
vom Minimum an der preußischen Küste entlang nach Westen bis Rügenwalde 
herrschen östliche und südöstliche, mäßige bis starke Winde, westlich vom 
Minimum, an der deutschen Ost- und Nordseeküste entlang stürmt es aus nordwest- 
lichen Richtungen. Weiter im Norden, im Kattegat und Skagerrak, sind die nörd- 
lichen Winde mäßig, ebenso sind die Winde im Nordosten des Gebietes mäßig, sie 
kommen dort aber, wo man den niedrigsten Druck südwestlich von sich hat, 
aus Südosten. Die Strömungen sind nicht mehr oder noch nicht einheitlich, wie auf 
den Karten 1 bis 5, sondern im Wechsel begriffen. Im Sund hat sich der Über- 
gang von aus der Ostsee herauslaufenden Strömungen zu in die Ostsee hinein- 
Jaufenden bereits vollzogen, bei Lappe-Grund schon seit einigen Wachen, der Strom 
läuft daher dort auch schon mit ziemlicher Geschwindigkeit; bei Drogden hat 
der Strom nach SW gerade erst angefangen. Bei Gjedser, wo in der verflossenen 
Nacht mit südöstlichen und südlichen Winden sehr starker, auslaufender Strom ge- 
herrschthat, ist immer noch auslaufender Strom, dessen Geschwindigkeit aber bereits 
auf 1 Kn. abgenommen hat. Vier Stunden später herrscht bei Gjedser Strom- 
stille, dann setzt westlicher Strom ein, und 12 Stunden später als die Karte 
zeigt, hat der westliche, also einlaufende Strom bei Gjedser, wo immer noch 
Nordwest mit Stärke 8 weht, die Geschwindigkeit von 2 Kn. erreicht. 
Beim Feuerschiffe Schultz’s-Grund, wo der Strom auch noch ausläuft, 
läuft er 8 Stunden später bei NNW-Wind von Stärke 8 nicht mehr nach Nord- 
osten, sondern mit geringer Geschwindigkeit nach Norden. Zieht man hierzu 
den hohen Wasserstand bei den 3 deutschen Stationen in Betracht, so wird man 
nicht umhin können, den nördlichen Strom bei Schultz’s-Grund diesem Umstande 
sowie der schon vorhin erwähnten stromablenkenden Wirkung des Riffes von 
Seelands-Odde zuzuschreiben.
	        
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