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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

314 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1906. 
und 10° 54’ O-Lg.) und aus dem Fehmarn-Belt (54° 48’ N-Br. und 10° 50’ O-Lg.) 
mit benutzt werden konnten. Vervollständigt wurden diese Angaben durch Strom- 
und Pegelbeobachtungen von Aarösund, Sonderburg und Schleimünde in der west- 
lichen, und durch Pegelbeobachtungen von Neufahrwasser in der östlichen Ostsee, 
Sehr bald ließen sich beim Zeichnen einer größeren Anzahl von synoptischen 
Wetter- und Stromkarten drei Arten unterscheiden. A) solche, die das Herrschen 
westlicher Winde auf dem ganzen Gebiet von der westlichen Nordsee bis zur östlichen 
Ostsee oder Vorgänge beim Vorüberziehen einer nördlich vom Gebiet befindlichen 
Depression. darstellen, B) solche, die das Herrschen östlicher Winde oder ein 
Gebiet hohen Druckes im Norden darstellen und C) solche, die Wetterlagen dar- 
stellen, bei denen auf den verschiedenen Teilen des Gebietes ganz verschiedene 
Winde wehen. Nachdem diese Einteilung gemacht worden war, zeigte sich 
innerhalb der einzelnen Klassen auf den zur Klasse A gehörigen und auf den 
zur Klasse B gehörigen Karten eine viel größere Übereinstimmung der Strömungen 
als auf den Karten in der Klasse C, wo die Strömungen sehr verschiedener 
Art sind, je nachdem die westlichen Winde oder die östlichen überwiegen. So 
wünschenswert es bei den verschiedenartigen Wetterlagen aber auch sein mochte, 
recht viele synoptische Wetter- und Stromkarten zu geben, so konnten hier des 
beschränkten Raumes wegen doch nur 8 solcher Karten für den Druck aus- 
gewählt werden. Die der Klassen A und B sind als die Grundlagen anzusehen, 
von denen man ausgehen sollte, wenn man zu einem Verständnis der Strömungen 
in der westlichen Ostsee auch bei anderen Winden und Wetterlagen gelangen will. 
1. Westliche Winde (Karte 1, 2 und 3). 
Zu Nr.1. 1902, Nov.1., 84V, Taf. 22. Von Süden nach Norden stark abnehmender 
Luftdruck, fast überall starke westliche Winde, in der nördlichen Nordsee West- 
sturm, Dabei ist überall nach der Ostsee hin laufender Strom, der bei Skagen 
2.4, bei Gjedser 2.0 Kn. Geschwindigkeit erreicht. Eine Ausnahme von diesen 
allgemein nach der Ostsee hin strebenden Stromrichtungen macht der Strom- 
pfeil bei Fünen. Auch der Strompfeil bei Schultz’s-Grund, der westlichen, also 
gegen den Wind laufenden Strom zeigt, macht scheinbar eine Ausnahme; man 
wird aber auch diesen Strompfeil als mit dem allgemeinen Streben des Wassers, 
in die Ostsee zu fließen, im Einklang stehend bezeichnen müssen, wenn man sich 
die Karte ansieht und sich vergegenwärtigt, daß die eigentümliche Lage von 
Seelands -Odde und des davon noch weit auslaufenden Riffes die Wassermassen, 
die auf ihrem Wege nach der Ostsee den westlichen Teil der Nordküste Seelands 
treffen, zwingt, nach Westen oder gar Nordwesten umzubiegen, ehe sie westlich 
vom Riffe ihren Weg in die Ostsee hinein wieder aufnehmen können. Die Pegel- 
angaben der drei deutschen Landstationen entsprechen noch ungefähr dem 
mittleren Wasserstande. 
Zu Nr.2. 1902, Aug.11., 8WV, Taf,22, Auch hier nimmt der Luftdruck von Süden 
nach Norden ab, die Linien gleichen Druckes biegen sich um ein Depressions- 
gebiet in der Gegend des Christiania-Fjordes herum, und es sind dementsprechend 
über Schweden und der mittleren Ostsee südliche, an der deutschen Küste 
westliche und in der nördlichen Nordsee nördliche Winde, die nur vereinzelt 
stark, im ganzen mäßig oder gar schwach sind. Im großen ganzen wiederholt 
sich hier das Strombild der Karte 1 Taf. 22, doch sind die Strömungen wie die Winde 
beträchtlich schwächer als dort. 
Zu Nr. 3, 1902, Dez, 26., 8b V, Taf, 22, Der Luftdruck nimmt in der Richtung 
nach Nordosten schnell ab, so daß die Linien gleichen Luftdruckes Südost und 
Nordwest streichen, bis sie sich über der mittleren Ostsee um ein über der 
kurischen Küste befindliches, sehr tiefes Minimum herum biegen. Fast im ganzen 
Gebiete herrschen westliche Stürme und überall strömt das Wasser nach der 
Ostsee hin, wobei es vielfach 3.5 Kn. Geschwindigkeit erreicht. Für Schultz’s- 
Grund muß wieder der bei Nr. 1 Taf, 22 besprochene Vorbehalt gemacht werden, daß 
die sich nach der Ostsee hin bewegenden Wassermassen, die nicht bei Lappe 
Grund vorbeikommen können und nach dem Belt strömen, gezwungen werden, 
um Seelands-Odde und das Riff herum zu fließen. Bei den westlichen deutschen
	        
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