310 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1906.
VIII. Aus dem Bericht des Kommandos SS, M. S. »Planet« vom 15. Februar 1906
über die Fahrt von Lissabon nach St. Vincent.
1. Allgemeines.
Bei einer Durchschnittsfahrt von fast 9 Sm, wie sie sich bei den dauernd
herrschenden starken achterlichen Winden durchhalten ließ, war es in der zur
Verfügung stehenden Zeit möglich, mit einem bedeutenden Umweg nach Westen
bis fast an die Grenze des Sargasso-Meeres zu gelangen. Für die Drachen- und
Ballon-Aufstiege ergab sich hierdurch der Vorteil, in einem vom Festlande gänzlich
unbeeinflußten Gebiet des NO-Passats zu arbeiten, für die ozeanographischen
Untersuchungen die Möglichkeit, die Grenzen des Einflusses des Mittelmeerwassers
bzw. des Canarienstromes festzustellen,
2. Ozeanographie.
Fortsetzung der regelmäßigen Beobachtungen über Temperatur, Salzgehalt
und Farbe des Meerwassers, zweimal täglich. Besonders untersucht wurde der
Einfluß des Tejo bezüglich Ansüßung des Meeres in der Umgebung der Mündung,
Untersuchungen der Tiefenschichten des Meeres fanden an 6 Stationen statt; an
4 Stationen wurde gelotet, Grundproben wurden genommen.
Die Stationen verteilen sich folgendermaßen:
1. 4.1 Station II, 35° 57’ N-Br., 7° 50’ W-Lg. Tiefe 1418 m.
2. 4.11, 5. II. Station IV und V. Entnahme von Wasserproben aus ver-
schiedenen Tiefenschichten ohne Lotung.
3. 8. II. Station VI, 29° 40’ N-Br., 20° 40’ W-Lg. Tiefe 4943 m. Es mußte
hier zweimal gelotet werden, da beim ersten Loten bei Tiefe von
1800 m der Draht riß.
4. 10. IL Station VII, 24° 20’ N-Br., 22° 37’ W-Lg. Tiefe 4853 m.
5. 12. II. Station VIII, 19° 30’ N-Br., 23° 16’ W-Lg. Tiefe 4060 m.
3. Drachen- und Ballonaufstiege.
Zur Erforschung der höheren Luftschichten wurden mit dem Material an
Bord S. M.S. »Planet« bisher folgende Aufstiege gemacht:
a, Drachenaufstiege.
A. 4. I. 1906 — internationaler Tag — im westlichen Teil der Ostsee.
2. 26. I. 1906 in der Biscaya-See,
38. 1.1I 1906 Lissabon, Aufstiegsversuche vom stilliegenden Schiff zur
Lieferung eines Beitrages zu den internationalen Aufstiegen. Der Versuch mißlang,
das Instrument war nicht über 200 m hoch zu bringen.
4. 6. II 1906. In 33° N-Br. und 14.6° W-Lg., Bei 7.5 km ausgelassenem
Draht bricht der starke 0.9 mm-Draht aus nicht erkennbarem Grunde. Das
Gespann wird mit Ausnahme eines Drachens gerettet. Die Barometerfeder hatte
zu lose aufgelegen, daher sind die Angaben nicht genau. Maximalhöhe etwa 2700 m.
Bis 2000 m Höhe starke Temperaturabnahme — über 1° auf je 100 m — bei hoher
relativer Feuchtigkeit. In etwa 1600 m Höhe werden cu-Wolken erreicht. Von
2000 bis 2700 m sehr geringe Temperaturabnahme, teilweise Isothermie. Niedrigste
Temperatur —3.0°. Die Feuchtigkeit geht in dieser Schicht sprungweise von
100%, auf 65°, zurück und dann wieder hoch. Wind unten NNO 6m, geht
oben bis NO herum. Windstärke oben nicht konstatiert.
5. 8. und 9. II. 1906. In 30°—27° N-Br. und 21°—22° W-Lg. Versuche,
kleinere Aufstiege bis zu etwa 500 m zu machen, ohne den Marsch des Schiffes
zu unterbrechen, bzw. während der Lotungen. An beiden Tagen stand verhältnis-
mäßig viel Wind, auch arbeitete die Drachenwinde bei dem stark schlingernden
Schiff schlecht. Daher Mißerfolge. Es ist indes erwiesen, daß sich derartige
kleine Aufstiege in sehr vielen Fällen werden machen lassen,
bb. Ballon-sonde-Aufstiege,
1. Ein Aufstieg in der Ostsee gelegentlich der ersten wissenschaftlichen
Probefahrt des Schiffes. Die Ballons wurden am Tage nach dem Aufstier ge-