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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Knipping, E.: Sprünge in der Temperatur des Meerwassers. 
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also die Isothermen der Oberfläche des Meeres am dichtesten. aneinander- 
rücken, wie in dem Gebiet des Golfstromes und seiner Umgebung und vor 
dem La Plata, findet man häufige und große Sprünge. Diese beiden Haupt- 
gebiete unterscheiden sich aber auch noch dadurch wesentlich von allen 
anderen Gebieten mit Sprüngen, daß in ihnen auch die Isothermen in der 
Tiefe von 400 m am dichtesten aneinanderrücken, Es liegt deshalb die Ver- 
mutung nahe, daß auch bei manchen, vielleicht vielen ozeanischen Sprüngen 
ein Austausch zwischen oben und unten stattfindet, ähnlich wie beim Auftrieb 
in der Nähe der Küsten, wenn er auch im Ozean schwerer nachzuweisen 
sein dürfte. 
Das vorläufige Ergebnis ist: »Weitaus die meisten und vor allem auch 
die großen Sprünge von 8°C. und darüber sind ozeanisch und kommen in 
den außertropischen westlichen Teilen der Weltmeere vor.« Sehr wahr- 
scheinlich gilt auch allgemein der Satz: »Die ozeanischen Sprünge sind nach 
Häufigkeit und Größe abhängig von den Temperaturgradienten an der ÖOber- 
fläche und in einiger Tiefe, so daß sich auf entsprechenden Karten!) die 
Gebiete von vornherein bezeichnen lassen, wo Sprünge einer bestimmten Größe 
erwartet werden dürfen.« 
Die Temperatursprünge ösflich von Nordamerika. Ihre geographische 
Verteilung. Hier sind zwei, vielleicht auch drei Gebiete zu unterscheiden, 
ein küstennahes unmittelbar bei Kap Hatteras und südsüdwestlich davon, 
ferner ein großes ozeanisches, dessen Mittelachse durch folgende Punkte be- 
stimmt wird: 37° N-Br., 72° W-Lg.; 40° N-Br., 66° W-Lg.; 42° N-Br., 54° W-Lg.; 
42° N-Br., 50° W-Lg. und 43° N-Br., 43° W-Lg. Die Länge der großen Achse 
beträgt 1400 Sm; die Breite des Gebietes wechselt von 100 bis zu 250 Sm. 
Die sehr großen Sprünge von 11°C, und darüber treten innerhalb dieses 
ausgedehnten Gebietes in drei Gruppen auf, die sich um so weiter auseinander- 
ziehen, je östlicher sie ‚liegen, Die erste Gruppe großer Sprünge liegt in 
71° W-Lg., dicht bei der Achse, die zweite Gruppe um 64° W-Lg., auch nahe 
bei der Achse, die dritte um 49° W-Lg., aber südlich von: der Achse, Das 
dritte, sehr kleine Gebiet liegt östlich von Kap Race und St. Johns und er- 
streckt sich von 46° N-Br., 47° W-Lg. bis 48° N-Br., 40° W-Lg.; seine Länge 
beträgt 300 Sm. Das größte Gebiet ist anscheinend durch sprungfreies 
Wasser vom Küstensaum und ebenso von dem Gebiet mit Sprüngen bei 
Hatteras und südlich davon getrennt, 
Übergänge von kälterem zu wärmerem Wasser. Verbindet man, 
wie in Tafel 2, Fig. 2, gültig für März 1903, die beiden Schiffsorte, wo ein 
Sprung beobachtet wurde, durch einen Strich und bezeichnet den Ort mit dem 
wärmeren Wasser durch eine Pfeilspitze, so erhält man eine Übersicht über 
die Lage von »Kalt« und »Warm«. In Fig. 2 zeigen meistens ganze Gruppen 
von Pfeilen dieselbe Richtung. Eine Trennung der Gruppen durch Doppel- 
linien erleichtert die Übersicht. So finden wir z. B. südlich von Neufundland 
und der Bank zwischen 56° und 50° Länge drei kurze, nordsüdlich verlaufende 
Trennungs- oder Kaltwasserlinien, die staffelförmig angeordnet sind, nach der 
Regel: je kleiner die geographische Länge, um so kleiner die geographische 
Breite. Eine längere Übergangslinie zieht sich von Kap Hatteras in einem 
Doppelbogen nach Nordosten hin. Sie trennt das kältere Küstenwasser von 
dem wärmeren Golfstromwasser. Fig. 2 zeigt sieben solcher Linien. 
In Tafel 2, Fig. 3, sind die Pfeile weggelassen und nur einfache Scheide- 
linien angegeben. Mitten im Ozean nimmt also die Wasserwärme von diesen Linien 
aus, und zwar senkrecht dazu nach beiden Seiten hin bis zu einem gewissen 
Abstand zu. Nur in der Nähe der Küsten bedeuten die beiden langen Linien 
einzig und allein eine Wärmezunahme beim Überschreiten der Linien seewärts. 
Die ausgezogenen Linien gelten für die drei Wintermonate 1902/03, die 
punktierten für die drei darauf folgenden Frühlingsmonate 1903, Die auf- 
fallendste Tatsache in Fig. 3 ist die Verlagerung der langen Linie in der Nähe 
1) Vgl. die entsprechenden Karten der Atlanten der drei großen Ozeane, herausgegeben von 
ler Deutschen Seewarte,. E. K.
	        
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