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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

308 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1906. 
das Wischen des Drahts bei feuchtem Wetter ein Tritt nötig ist. Auf der andern 
Seite ist allerdings die hohe Lage des Abgangsrades, von dem der Draht die 
Winde verläßt, unter Umständen von wesentlichem Vorteil, um den Draht von 
niedrigen Objekten freizubekommen und die Bewegung des Personals um die 
Winde nicht zu hindern. 
Als Ergänzung zu den Drachen ist S. M. S. »Planet« mit den von Geh. R. 
Assmann zuerst eingeführten Gummiballons in verschiedener Größe ausgerüstet 
worden, die geschlossen hinaufgesandt werden und sich mit abnehmendem Luft- 
druck ausdehnen. Das nötige Wasserstoffgas ist in entgegenkommender Weise 
vom kgl. Luftschiffer-Bataillon zu billigem Preise in den bekannten Stahlflaschen 
komprimiert geliefert worden. In der Methode des Auflassens der Ballons wurde 
genau nach den Ratschlägen von Prof, Dr. Hergesell verfahren, die von diesem, 
teils schriftlich, teils mündlich, zuletzt auf einer Ubungsfahrt des »Planet« in 
der Ostsee erteilt wurden, an der derselbe auf Aufforderung des Reichs-Marine- 
Amts teilnahm, Das Programm besteht in einer Anzahl von Aufstiegen einer- 
seits von paarweise gekuppelten, etwas größeren Ballons, die genug Tragkraft 
haben, um einen Meteorographen in große Höhen emporzutragen, wobei der eine 
platzen und der zweite den Fall des Ballons mildern und diesen über dem 
Wasser erhalten soll; anderseits in einer größeren Zahl von Aufstiegen kleinerer 
»Pilotballons«, die einzeln ohne Instrument aufgelassen werden und nur zur 
Bestimmung der Luftströmungen durch Verfolgung mit Windmeß-Instrumenten 
dienen. Dieselbe Verfolgung hat natürlich auch bei den Registrierballons zu 
geschehen, tunlichst bis zur Erreichung der größten Höhe und zum Platzen des 
einen Ballons. Verliert man ihn dann auch während des Niederfallens aus Sicht, 
so läßt sich doch der Ort, wo er zu suchen ist, ziemlich genau bestimmen, Die 
Höhe wird bei den Registrierballons nach den Aufzeichnungen des Meteoro- 
graphen, bei den Pilotballons nach der Zeit berechnet, auf Grund früher an- 
gestellter Versuche über die Aufstieggeschwindigkeit bei bekanntem Durchmesser 
und Auftrieb des Ballons. 
Die auf der Übungsfahrt des »Planet« in der westlichen Ostsee auf- 
genommenen Fig. 3 und 4 der Tafel 21 geben ein Bild von der Größe und der 
Behandlung der Gummiballons der größeren, zum Tragen eines Registrier- 
Instruments bestimmten Sorte. 
Auf dieser Fahrt, die am 28. bis 30. November 1905 stattfand, wurden 
zwei Drachenaufstiege und ein Ballonaufstieg gemacht. Bei dem letzteren befand 
sich ein Meteorograph 90 m unterhalb der beiden Ballons und noch 10 m tiefer 
ein Blechkasten als Schwimmer, Da das Wetter bis dahin bewölkt war, konnten 
die Ballons erst um 3!/, Uhr nachmittags am 29, aufgelassen werden. Es gelang, 
sie bis 5 Uhr, wo sie etwa 15000 m hoch waren, im Auge zu behalten und mit 
dem Schiff zu folgen. Dann aber trat Dunkelheit ein, das Schiff mußte vor 
Anker gehen, um die Nachforschungen fortzusetzen, Am andern Morgen er- 
blickte man in der Tat nach zweistündigem Suchen einen Ballon noch schwebend, 
aber — da der Wind in der Nacht nach Ost umgesprungen war — hinter dem 
Gjedser-Riff, so daß zu seiner Erreichung ein großer Umweg gemacht werden 
mußte. Schließlich sah man ihn auf Laaland von Menschen eingezogen werden 
und erreichte nach einer Landung die Finder erst, als sie Zeit gehabt hatten, 
die Rußfläche mit der Aufzeichnung blank zu putzen — ein Mißgeschick, dessen 
Wiederholung auf der Ozeanreise wohl kaum zu fürchten ist. 
Die technischen Einrichtungen haben sich indessen auf dieser Probefahrt 
und namentlich bei einem hohen Drachenaufstieg bis zu 4700 m Höhe am 
4. Januar auf der Kieler Föhrde befriedigend bewährt. Die Ergebnisse dieses 
Aufstiegs werden noch zusammen mit denjenigen eines gleichzeitigen noch 
höheren Aufstiegs auf der Drachenstation der Deutschen Seewarte (5500 m) 
Besprechung finden. 
Außer für diese Untersuchungen in den höheren Luftschichten ist S. M. S. 
»Planet« auch mit Instrumenten für die Beobachtung der Vorgänge in der 
untersten Luftschicht ausgerüstet durch Barograph, Thermograph, Hygrograph, 
Aspirationspsychrometer usw. und sind ihm auch einige neue Apparate zur Er-
	        
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