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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Forschungsreise S. M. S. »Planet«. VI. Köppen: Meteorologische Arbeiten mit Drachen u. Ballons. 307 
‚Princesse Alice« angewandt hat: ein offener Spiralring wird um den Draht 
gelegt und mittels Rolle und Tau zur Mastspitze gezogen, wobei der Drache: an 
diese herangeholt wird. Nur bei besonders günstigem Winde wird der Drache, 
wie auf Fig. 2 der Taf. 21 zu sehen ist, auch in unmittelbarer Nähe der Takelung 
fliegend erhalten. 
Als Form der Drachen wurde, wie man aus derselben Figur erkennt, der 
auf der Station eingeführte Diamant-Drache, teils mit Flügeln, teils ohne solche, 
gewählt, und zwar in. zwei verschiedenen Größen. Die Beschreibung dieser 
Drachen findet man im Februarheft dieses Jahrganges der Annalen. . ; 
Aus derselben Figur ist, wenn auch undeutlich, die Aufstellung der Drachen- 
winde auf dem Deck des Zeichensaales zu ‚ersehen. Die Winde selbst ist in 
Fig. 1 dargestellt. Da auf dem »Planet« elektrische Kraft zur Verfügung stand, 
so ist statt eines Explosionsmotors, wie auf der Drachenstation, der viel bequemere 
Elektromotor zur Verwendung gekommen, und zwar in unmittelbarer Verbindung 
mit der Winde, Anfangs schien es‘ zweckmäßig, auch die ganze Winde völlig 
anders als diejenige der Station zu bauen: mit räumlicher Trennung der 
Abgangsrolle und des Dynamometers von der Drahttrommel. selbst, eventuell 
auch noch unter Anwendung der Motorkraft nicht auf die Trommel selbst, sondern 
auf ein Vorgelege, das die Spannung im Draht aufnimmt. Weitere Überlegung 
ließ aber doch die auf der Station angewandte Form der Winde auch für Bord- 
gebrauch vorteilhafter erscheinen, und die zur Zeit für das zweite Vermessungs- 
schiff in Bau befindliche Drachenwinde ‘wird sich ihr noch: mehr anschließen, 
als die auf Fig. 1 dargestellte von S. M. S. »Planet«, . 
_ Das System der beweglichen Kuppelung von Motor und Winde durch zwei 
Friktionsräder, das sich auf der Drachenstation zu Großborstel sehr gut bewährt, 
wurde beibehalten. Das größere dieser Friktionsräder ist auf Fig, 1 zu sehen 
(vgl. auch Fig. 14 von Taf. 4 dieses Jahrgangs). Während aber auf der Drachen- 
station die Achse der Trommel festliegt, dagegen das kleine Friktionsrad und 
die Bremse beweglich gemacht sind, liegen bei der Winde auf dem »Planet« die 
beiden letzteren fest und wird die Trommel durch Heben gegen die Kuppelung 
gedrückt und vom Motor mitgenommen, durch Senken an den Bremsklotz an- 
gepreßt; in der Mittelstellung läuft sie frei. Es ist das die bei Friktionswinden 
gebräuchliche Anordnung, die den Vorteil hat, mit einem einzigen Hebel die 
Bewegung der Trommel zu bestimmen, Die tiefe Lage der Trommel bei dieser 
Anordnung bedingt aber, daß die Kurbeln für deren gelegentliche Bewegung mit 
der Hand nicht an die Trommelachse, sondern an die des kleinen Friktionsrades 
aufgesteckt werden müssen und diese Bewegung daher zwar mühelos, aber 
langsam geschieht — was freilich bei dem stets zum Gebrauch bereiten Elektro- 
motor weniger ins Gewicht fällt, als bei einem Explosionsmotor, Und zweitens 
kommt bei dieser Anordnung der Elektromotor, der viel schwerer ist, als die 
Trommel, hoch zu liegen, was auf dem schlingernden Schiff .ein sehr festes 
Gerüst für die Winde nötig macht. . . 
Auch für das Dynamometer und den Drahtverteiler wurden versuchsweise 
bei dieser Winde andere Konstruktionen gewählt, als bei derjenigen der Drachen- 
station. Der in Fig. 1 oberhalb des Elektromotors sichtbare Rahmen mit drei 
Rädern ist oben drehbar aufgehängt und läßt sich in einer zur Trommel 
tangentialen Ebene pendelnd hin- und herbewegen, um die Verteilung des Drahtes 
auf der Trommel zu bewirken. Von den drei Rädern im Rahmen aber wird das 
mittelste durch eine starke Feder aus der Reihe herausgepreßt, während beim 
Aufstieg die Spannung des Drahtes dieses Rad zwischen die beiden andern zu 
drücken strebt. Die Stellung des Rades wird an einer, in der Fig. 1 rechts sichtbaren 
Skala abgelesen, die empirisch in Kilogramme geteilt ist. Die Einrichtung hat 
zwei Übelstände: einerseits ist der Verteiler nicht, wie bei der Winde der See- 
warte, in jeder Lage im Gleichgewicht, sondern sein Griff muß dauernd in der 
Hand behalten werden, damit der Rahmen nicht durch sein eigenes Gewicht in 
die Mittellage zurückkehre; anderseits bedingt die Einschaltung des Rahmens 
zwischen die Trommel und das Abgangsrad eine sehr hohe Lage des letzteren, 
so daß es nicht beauem mit der Hand nachgestellt werden kann und auch für
	        
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