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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1906. 
Sowohl dieser Widerspruch, als die Neuheit der übrigen von beiden 
Expeditionen gewonnenen Ergebnisse und die grundlegende Wichtigkeit, die 
diese Tatsachen für unsere ganze Auffassung von dem allgemeinen Kreislauf der 
Atmosphäre haben, machen es außerordentlich wünschenswert, recht bald das 
bisher noch räumlich und zeitlich sehr beschränkte Beobachtungsmaterial derart 
zu erweitern, daß die großen Züge daraus mit Sicherheit erkannt werden können; 
am besten über beide Halbkugeln und mehrere Ozeane. 
Bereits am 30. März 1905 erteilte deshalb das Reichs-Marine-Amt der 
Deutschen Seewarte den Auftrag, einen Kostenanschlag über eine Drachen- 
ausrüstung für das neue Vermessungsschiff einzureichen. Die Ausrüstung sollte 
für 100 Aufstiege bemessen sein. Die Beschaffung dieser Ausrüstung und die 
Ausbildung der dafür bestimmten Personen wurde der Drachenstation der 
Deutschen Seewarte übertragen. 
Nachdem der Seewarte im Mai und im August 1905 die ersten Nachrichten 
darüber zugegangen waren, daß von der »Princesse Alice« mit gutem Erfolg auf 
dem Mittelmeere und auf dem Ozean außer den Drachen auch Registrirballons 
emporgesandt worden waren — die oben erwähnten Angaben aus Schichten 
oberhalb 5000 m über See stammen nur von solchen — wurden vom Reichs- 
Marine-Amt auf Antrag der Deutschen Seewarte auch solche Aufstiege in den 
Reiseplan des Vermessungsschiffes aufgenommen und die dazu nötige Ausrüstung 
bestellt. 
Bei der Wahl der Ausrüstung und des Betriebes für die Drachenaufstiege 
wurde zunächst von den Einrichtungen der Drachenstation der Seewarte aus- 
gegangen, umsomehr als auch die Ausbildung des Personals auf dieser geschah. 
Zu letzterem Zwecke hielt sich der Oberleutnant Schweppe im ganzen 8 Wochen 
und der Vermessungsmaat Plagens 2'/, Wochen auf der Drachenstation in Groß- 
borstel auf, Die Verschiedenheit der Umstände bedingte jedoch für den Betrieb 
auf dem Schiff eine Reihe von Abweichungen, die Erwähnung verdienen, weil 
sie von allgemeinerem Interesse sind. 
Da das Risiko des Verlustes des Meteorographen auf See viel größer ist, 
als bei Hamburg, wo mit einer einzigen Ausnahme das Instrument stets gefunden 
und gegen Belohnung zurückgeliefert worden ist, so wurden ’statt der auf der 
Station verwendeten Marvin-Apparate die viel billigeren Meteorographen von 
J. und A. Bosch in Straßburg i. E. genommen. Als Gehäuse wurde, um die 
Schwimmfähigkeit zu erhöhen, ein Korkkasten der Blechhülse vorgezogen. 
Auch für die Leine bedingen die Verhältnisse auf dem Meere Abweichungen. 
Während in gut bevölkerter Landschaft das Ablösen eines einzelnen Drachens, 
und sei es selbst desjenigen, in dem sich das Instrument befindet, einen verhältnis- 
mäßig geringen, das Abreißen eines ganzen Drachengespanns dagegen einen 
großen Schaden bedeutet, ist es auf See umgekehrt: Der einzelne Drache ist 
gewöhnlich verloren, das Gespann aber wird durch das Inswasserfallen der 
1 oder 2 untersten Drachen, die nun als Treibanker dienen, so gehemmt, daß 
der obere Teil in der Luft bleibt und durch das nachfahrende Schiff in der 
Regel geborgen werden kann, ohne daß der fortgeflogene Draht, wie auf dem 
Lande, von unberufenen Helfern verdorben oder verschleppt wird. Die auf der 
Drachenstation zweckmäßigen Abreißvorrichtungen für die Nebendrachen sind 
also auf See nicht angebracht, und die Steigerung der Drahtstärke im untern 
Teil der Leine ist in mäßigeren Grenzen zu halten; der mitgegebene Draht hat 
die Stärken 0,7, 0,8 und 0,9, doch braucht die letztere Stärke nicht notwendig in 
Gebrauch genommen zu werden, Auch ist es eine noch offene Frage, ob die 
auf dem Lande entschieden zu empfehlende Anbringung des Meteorographen im 
Innern des Drachens auf See nicht zweckmäßiger durch dessen Anhängen an 
den Draht zu ersetzen ist. Allerdings geht dort, wo schon in mäßigen Höhen 
eine windschwache Schicht angetroffen wird — und das scheint im Passat all- 
gemein der Fall zu sein — durch die letztere Methode zu viel an Höhe verloren, 
um sie zweckmäßig erscheinen zu lassen. 
Für das Auflassen und Landen der Drachen scheint sich auch auf 
S_M. S. »Planet« die Methode bewährt zu haben, die Prof. Hergesell auf
	        
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