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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Ann. d. Hydr. usw., XXXIV. Jahrg. (1906), Heft VIL 
+6 
Die Forschungsreise $. M. $. „Planet“. 
VI. Meteorologische Arbeiten mit Drachen und Ballons. 
(Hierzu Tafel 21.) 
Erst vor 10 Jahren, im Jahre 1896, wurde in Nordamerika der Nachweis 
geliefert, daß man mit Hilfe von Drachen brauchbare meteorologische Auf- 
zeichnungen aus mehr als 1000 m Höhe über dem Boden erhalten könne, Seit- 
dem hat sich die Sache schnell weiterentwickelt und haben zahllose meteorologische 
Drachenflüge an einer Reihe von Orten Europas stattgefunden. ‘ Im Deutschen 
Reiche bestehen zur Zeit drei Stationen mit dem Programm tunlichst täglicher 
Drachenaufstiege, deren eine, die Drachenstation der Deutschen Seewarte in 
Hamburg-Großborstel vom Reich, die zweite, das Aäronautische Observatorium 
in Lindenberg von Preußen, die dritte, erst in Entstehung begriffene, am Boden- 
see von den süddeutschen Staaten unter Beihilfe des Reiches unterhalten werden. 
Sehr bald wurde von mehreren Seiten der Plan gefaßt, die fruchtbare 
neue Methode auch auf den Ozean auszudehnen. Ausgeführt wurde er zuerst 
von Herrn A. L. Rotch im Sommer 1901. Das Projekt einer Expedition zum 
Zwecke von Drachenaufstiegen im Atlantischen Ozean, das 1902 von Rotch und 
Berson der internationalen Kommission für wissenschaftliche Luftschiffahrt auf 
ihrer Tagung in Berlin vorgelegt wurde, ist leider nicht zur Ausführung ge- 
kommen. Dagegen wurde es im Sommer 1904 Prof, Hergesell durch das Ent- 
gegenkommen des Fürsten von Monaco möglich, von Bord der Yacht »Princesse 
Alice« eine Reihe von Drachenaufstiegen in Gang zu setzen, zuerst auf dem 
Mittelmeere und dann auf dem Atlantischen Ozean. Im Jahre 1905 wurden die- 
selben wiederholt, und zwar ebenfalls im Frühling auf dem Mittelmeere und 
darauf im Sommer auf dem Atlantischen Ozean. Fast gleichzeitig mit der 
letzteren Fahrt befand sich aber auch ein anderer Dampfer mit demselben Zweck 
auf dem Ozean, nämlich die von Herrn L. Teisserenc de Bort angekayfte und 
speziell für diese Zwecke umgebaute »Ötaria«, Die Expedition war von ihm 
gemeinsam mit Herrn Rotch, dem Eigentümer und Leiter des Blue Hill- 
Observatoriums bei Boston, Mass,, ausgerüstet, und die Aufstiege wurden von den 
Herren Clayton vom letzteren Observatorium und Maurice vom Observatorium 
zu Trappes geleitet. 
Das wohlbekannte Bild der Passate hat mit diesen ersten Beobachtungs- 
reihen aus der freien Atmosphäre ganz neue, überraschende Züge erhalten, 
Sowohl auf der »Princesse Alice«, als auf der »Otaria« wurde schon in einer 
Höhe von 200 bis 1500 m über dem Meere, meist durch eine kalte Zwischen- 
schicht geschieden, eine Luftschicht gefunden, die von der untern durchaus ab- 
weichend war: unten der Passat mit nach oben schnell abnehmender Temperatur 
und zunehmender Feuchtigkeit, darüber eine warme, äußerst trockene Luft- 
strömung aus nördlicher und nordwestlicher Richtung. Diese. Schicht mit sehr 
geringer vertikaler Temperaturabnahme erstreckt sich bis gegen 3000 m über 
dem Meere; darüber stellt sich wieder starke Abnahme ein. Über die Richtung 
der Luftbewegung in dieser dritten Schicht stimmen die auf den beiden Schiffen ge- 
wonnenen Ergebnisse nicht überein, auf der »Princesse Alice« wurden bis zu 
Höhen von mehr als 10000 m überwiegend Winde mit nördlicher, auf der »Otaria« 
dagegen vorwiegend solche mit südlicher, also dem Unterwinde entgegengesetzter, 
Komponente beobachtet; die Beobachtungen auf der »Otaria« stimmen in dieser 
Hinsicht mit den bisherigen, aus der Theorie und aus vereinzelten Beobachtungen 
an Wolken, Vulkanasche und auf dem Pik von Teneriffa abgeleiteten Ansichten 
überein, während jene auf der »Princesse Alice« auch darin einen vollständigen 
Bruch mit dem bisher Angenommenen verlangen. 
‘) Mitteilungen I bis V »Ann. d. Hydr. usw.« 1906, S. 145. 226 
Ann. d. Hydr. usw... 1906. Heft VII. 
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