304 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1906.
reichen, wenn auch gegen Mittag bei der immerhin ziemlich schwachen Luft-
bewegung die Temperaturen schon sehr stark in die Höhe gingen.
Die Wetterlage vom 6. bis 8. bildete gewissermaßen einen Übergang zur
zweiten Strahlungsperiode, Da nämlich im Westen ein neues Hochdruckgebiet
erschienen war und das ältere den Osten Europas einnahm, hatte sich über
Deutschland eine anfangs furchenartig, später mehr muldenförmig gestaltete,
aber nur ganz flache Depression ausgebreitet, welche zwar eine teilweise und
vorübergehende Trübung erzeugte, aber die Temperaturen ziemlich unverändert
ließ und nur dem ‚Süden etwas Regen brachte,
Danach gelangten wir in den Bereich der zweiten Witterungsperiode, welche
bis zum 11. des Monats andauerte, während welcher Zeit das neue, außer-
ordentlich hohe Maximum dem ersteren parallel, aber mehr südlich gen Osten
wanderte und bewirkte, daß in Deutschland fast überall heiteres, trockenes und
ziemlich warmes Wetter herrschte,
Am 14, April erschien dann zum dritten Male ein Gebiet hohen Druckes
im Westen mit der Tendenz, ostwärts zu schreiten. Bis zu diesem Tage befand
sich die Wetterlage Deutschlands wieder im ÜUÜbergangsstadium, indem das
zwischen den beiden Maxima liegende Gebiet tieferen Druckes allmählich west-
ostwärts gedrängt wurde. Die Witterung aber blieb trotzdem und im Gegensatz
zu der ersteren Übergangsepoche im allgemeinen warm, heiter und trocken,
Nur im westlichen Küstengebiet herrschte während dieser Zeit wolkiges Wetter,
Da zu der starken Einstrahlung milderer Südostwind hinzukam, stieg die
Temperatur zu einer Höhe an, wie sie (nach den Berliner Beobachtungen) seit
50 Jahren zu dieser Zeit nicht vorgekommen ist.
Darauf setzte am 15. April die dritte Periode der Witterung ein, indem
das Maximum sich wiederum ostwärts über Deutschland ausbreitete, zunächst mit
der Wirkung, daß die an seiner Vorderseite herrschenden kalten Nordwinde der
übermäßigen Wärme rasch ein Ende bereiteten. Unter seiner weiteren Ein-
wirkung stiegen aber die Temperaturen bald wieder an und hielten sich von
nun ab über der Normalen,
In den folgenden Tagen stand Deutschland unter dem Einfluß einer De-
pression, welche sich von der Biscaya-See her ausbreitete; Teilminima drangen
in östlicher und nördlicher Richtung nach Mitteleuropa vor. Hiermit trat eine
wesentliche Änderung in der Witterung ein; bis zum 20. April fielen fast überall
in Deutschland, während vielfach Gewitter auftraten, reichlich Niederschläge.
Ein an diesem Tage von der Biscaya-See vorrückendes Hochdruckgebiet
drängte die Depression nordostwärts, während ein neues Minimum im Nord-
westen heranschritt. Das Maximum machte, indem es sich ostwärts ausbreitete,
an den folgenden Tagen seinen Einfluß im südlichen Deutschland geltend; im
nördlichen aber fielen bei dem Vorübergang des nordwestlichen Minimums und
lebhaften südwestlichen Winden vielfach Niederschläge. Diese Wetterlage erhielt
sich im wesentlichen bis zum 24. April,
Von diesem Tage ab wurde die Witterung in Deutschland bis zum Schluß
des Monats von Depressionen beherrscht, welche andauernde Trübung, all-
mähliche Abkühlung und häufige, wenn auch im allgemeinen nur wenig er-
giebige Niederschläge und am 28, an der Ostsee Gewitter herbeiführten.
Für die deutsche Küste waren nur die Tage vom 283. bis zum 25. April
von besonderer Bedeutung, da im westlichen und mittleren Küstengebiet zahl-
reiche Hagelschauer und leichte Schneefälle niedergingen. Die Winde waren
längs der ganzen Küste und während des ganzen Monats außerordentlich
schwach, indem sie fast allgemein im Durchschnitt kaum die Stärke 3 nach der
12teiligen Beaufort-Skala erreichten.
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