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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

van Bebber, W. J.: Bemerkenswerte Stürme. 
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Am 14. März morgens zeigte die Wetterlage wenig Änderung, nur hatte 
sich das Hochdruckgebiet im Südwesten weiter südwärts verlegt, während über 
der Kanalgegend eine Teildepression erschienen war, welche, ostwärts fortschreitend, 
namentlich in den südlichen Gebietsteilen zu Schneefällen Veranlassung gab, 
Nach kurzer Zeit ruhigen Wetters frischten am 15. März morgens unter 
dem Einfluß eines neuen Minimums, welches sich auf dem Ozean westlich von 
Schottland zeigte, die Winde an der westdeutschen Küste wieder stark auf. 
Unter dem Einfluß einer Teildepression, welche sich an der Südostseite des 
Hauptminimums bildete, pflanzten sie sich‘ rasch ostwärts auch nach der: ost- 
deutschen Küste hin fort. 
Kaum war das oben erwähnte Minimum verschwunden, als am 17. eine 
neue. Depression im Nordwesten erschien, welche rasch cstwärts über Süd- 
Skandinavien hinaus nach der Ostsee wanderte, Fortdauer der unruhigen Witterung 
an unserer Küste bedingend. Ein Hochdruckgebiet zeigte sich am 18. über dem 
Ozean westlich von Irland, und so wurde eine Wetterlage eingeleitet, welche für 
unser Frühjahr sehr charakteristisch ist und bis zum Monatsschluß andauerte, 
Einige Zeitungsnotizen über diese bemerkenswerten Stürme mögen hier 
eine Stelle finden. 
Hamburg, 14. März. In den letzten 12 Stunden hatten wir wiederum zwei Sturmfluten in 
Hamburg, die jedoch infolge Abflauens des Sturmes und Umlaufens von Nordwest nach Südwest die gestern 
befürchtete Höhe nicht erreichten. Die Sturmflut von gestern abend um 7 Uhr 10 Minuten erreichte 
eine Höhe von 13 Fuß 9 Zoll (3.93 m) über Null, infolgedessen das Wasser an den niedrig gelegenen 
Stadtteilen wiederum über die Ufer trat, während die Sturmflut von heute früh um 7 Uhr 15 Minuten 
nur eine Höhe von 12 Fuß 6 Zoll (3.57 m) über Null erreichte. 
Über Unfälle durch Sturm und Hochwasser sei folgendes bemerkt: Die Anlegepontons am 
Amerikahöft und Krahnhöft konnten wegen Überflutung etwa 4 Stunden lang nicht benutzt werden. 
Der gestern abend. um 8 Uhr von London hier eingetroffene englische Dampfer »Virgo« wies schwere 
Deckschäden auf. — Das zu derselben Zeit hier angekommene englische Viermastsegelschiff »Olivebank«, 
welches bei Krautsand auf den Strand getrieben war, aber bald wieder abgeschleppt werden konnte, hat 
sämtliche Anker und Ketten verloren. — Vertrieben ist die Heultonne südlich von Gjedser. — Das 
einkommende deutsche Vollschiff »Frieda« wurde bei Altenbruch von der Ankerung gerissen und auf 
den Strand getrieben, Anker und etwa 90 Faden Kette sind verloren gegangen. — Der am 10. März 
von Hamburg nach Cardiff abgegangene englische Dampfer »Kingsland« ist wegen Kohlenmangels mit 
Verlust von Anker und Ketten und Deckschäden gestern wieder aus See zurückgekehrt. — Der auf 
Langerog gestrandete Leichter ist in vorletzter Nacht durchgebrochen und höher auf den Strand hinauf- 
getricben worden. . 
Cuxhaven, 13. März. Gestern morgen setzte hier ein schwerer Nordwest ein, hielt den ganzen 
Tag über an und steigerte sich in der Nacht zu orkanartiger Stärke. Das Wasser, das schon mit der 
Nachmittagstide hoch gestiegen war, erreichte. um 3 Uhr nachts seinen höchsten Stand mit 8.05 m. Um 
die Zeit war die Lage äußerst kritisch, denn das Wasser reichte bis ganz dicht unter den oberen Rand 
des Seedeiches, Schon um 2'/, Uhr war die Garnison durch viertelstündlich fallende Schüsse der Salut- 
batterie Grimmerhörn alarmiert worden. Abteilungen von 30 bis 40 Mann wurden an die besonders 
bedrängten Stellen geschickt. Bald nach 3 Uhr hörte das Steigen des Wassers auf, die Ebbe setzte 
wieder ein, und als der Wind dann auch langsam nach Südwest drehte, war die Gefahr beseitigt. Die 
Schäden, die der Sturm angerichtet hat, sind sehr schwer. Der Seedeich wies heute morgen ın Döse 
an verschiedenen Stellen große tiefe Löcher auf. Sie mußten sofort zugeschüttet und mit Buschwerk 
belegt werden, weil sonst im Falle des Wiedereintritts einer gleich hohen Flut ein Deichbruch ernstlich 
zu befürchten war. Besonders arg hat die Sturmflut auch in der Nähe des Leuchtturms gehaust, 
Auch hier sind viele, meist kleinere Löcher in den Deich gerissen, das Steinpflaster auf dem kleinen 
Hafendeich ist ausgehoben, die Steine sind weit umher zerstreut. Auf der »Alten Liebe« sind die 
Treppenbalken aufgebrochen und ein Schutzdach abgelöst worden. Der Seepavillon und Hotel Continental 
sind mehr oder minder schwer beschädigt. Beim Minendepot auf der Ostseite sind tiefe Unter- 
spülungen erfolgt. Ein mächtiger Pfeiler am Eingang zum Minenbassin und ein Teil der Umfassungs- 
mauer haben sich infolgedessen völlig vornüber geneigt. Im alten Hafenbahnhofsgebäude sind Türen 
und Fenster eingedrückt, Treppen und Podeste losgerissen und weggeschwemmt. An der Ostseite und 
an der Zollkaje sind fast alle Keller voll Wasser gelaufen. 
Unter Wasser gesetzt sind auch die Forts an der Außenseite des Scedeiches zwischen Kugel- 
baake und Duhnen. In Duhnen waren die Straßen unter Wasser, Die Flut drang von der West- 
seite in den Ort und floß landeinwärts wieder hinaus. Beträchtlicher Schaden ist dadurch nicht ver- 
ursacht worden. Hinter Duhnen ist das Wasser an einigen Stellen ins Land eingebrochen, ohne aber 
auch Schaden anzurichten. Der Deich von Neuwerk hat mehrere Risse bekommen. An einigen 
Stellen ist aber Wasser über ihn hinweggelaufen und bedeckt nun kleine Teile des Binnenlandes,. — 
Der Sturm hat den ganzen Tag über noch angehalten und fortwährend schwere Schnee- und Hagel- 
böen gebracht. Das Wasser ist in der Nachmittagstide wieder recht hoch geworden, doch besteht keine 
Gefahr mehr, weil der Wind aus Südwest weht und deshalb die Wellen nicht so steil auf die Küste 
zutreiben kann, wie wenn er aus Nordwest weht. 
Wewelsfleth, 13. März. Infolge des starken Nordweststurmes erreichte das Wasser in der Stör 
bis auf 1 Fuß die. gleiche Höhe wie im Herbst 1881. In viele Gebäude drang das Wasser, so daß 
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