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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

an 
279 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1906. 
Bemerkenswerte Stürme. 
Weitere Folge. 
Von Professor Dr. W. S. van Behbhber. 
(Hierzu Tafel 20.) 
VI. Stürme vom 8. bis 16. März 1906. 
Die Stürme vom 8, bis zum 16. März sind bemerkenswert durch ihre lange 
Dauer, durch ihre Heftigkeit und durch die verheerenden Sturmfluten, welche 
sie an den Nordseeküsten verursachten. Hauptsächlich heimgesucht wurde das 
westdeutsche Küstengebiet, während im ostdeutschen nur vereinzelte Stürme von 
nicht langer Dauer vorkamen. N 
Die beiliegende Tafel gibt einen übersichtlichen Überblick über den Verlauf 
dieser Stürme. 
Am 7. März war in der Gegend der Färöer eine Depression erschienen, 
welche ziemlich rasch ostwärts fortschritt; am 8. März morgens lag sie mit der 
ungewöhnlichen Tiefe von etwa 720 mm bei den Lofoten, auf ihrer Nord- und 
Südseite starke bis stürmische Luftbewegung erzeugend; Christiansund hatte 
vollen Südweststurm, an der westdeutschen Küste wehten mäßige bis starke 
südwestliche Winde, während an der ostdeutschen Küste unter dem Einfluß einer 
über Finnland gelegenen Teildepression starke westliche Winde herrschten. 
Schon am 6. war am Morgen die ganze Küste bei dem Vorübergange eines 
tiefen Minimums über Nordeuropa gewarnt worden, am 7, und 8, war das Sturm- 
signal in Anbetracht der drohenden Gefahr verlängert worden, Während am 8. 
das Minimum mit unveränderter Tiefe Skandinavien ostwärts durchquerte, frischten 
auf der Südseite die Winde stark auf und nahmen vielfach einen stürmischen 
Charakter an. Am 9. März morgens herrschten zu Christiansund stürmische 
Nordwinde, zu Skudesnäs Nordweststurm, auf Borkum Westnordweststurm, während 
von Nordirland Sturm aus Nordnordwest gemeldet wurde (vgl. unsere Figur in 
Tafel 20). 
Bis zum Morgen des 10. März war das Minimum bis zur Gegend von 
Petersburg fortgeschritten, wobei die westlichen Winde an der ostdeutschen Küste 
stark aufgefrischt waren; an der pommerschen Küste wehte voller Weststurm, 
während an der ostpreußischen Küste die Winde einen stürmischen Charakter 
annahmen. Auch im westdeutschen Binnenlande traten starke Böen aus west- 
licher Richtung auf. Bemerkenswert sind die zahlreichen Gewitter, welche sich 
am 10. über Norddeutschland entluden; vielfach waren diese von Schnee- und 
Graupelschauern begleitet. 
In der Nacht vom 10. auf den 11. März trat an der ganzen deutschen Küste 
wieder ruhigeres Wetter ein, wobei das nordöstliche Minimum nach dem Inneren 
Rußlands wanderte; indessen erschien eine tiefe Depression auf dem Ozean westlich 
von Schottland, bei deren Annäherung das Barometer auf den britischen Inseln 
außerordentlich stark herabging. Nach den Aufzeichnungen der unten genannten 
Kriegsschiffe setzten am 11. März um die Mittagszeit über der südöstlichen Nord- 
see Böen von mäßiger Stärke ein, die im Laufe des Tages an Stärke und Häufigkeit 
rasch zunahmen und am Abend einen stürmischen Charakter annahmen. 
Am 12. morgens passierte das Minimum das Skagerrak, stürmische süd- 
westliche Winde oder Südweststürme an der westdeutschen Küste erzeugend, die 
sich bis zum Abend bis nach Neufahrwasser fortpflanzten (vgl. Böen in Tafel 20). 
Am 18. März morgens war das Minimum nordostwärts nach dem Eingange 
des Bottnischen Busens fortgeschritten und verursachte Fortdauer der stürmischen 
Witterung an der deutschen Küste, wobei ein Hochdruckgebiet vom Südwesten 
her sich über Frankreich ausgebreitet hatte. 
In Hamburg waren am 12, bis 34 N heftige Winde aus WSW aufgetreten, 
welche bis zum 18. bis 34 N fortdauerten, wobei der Wind nach NW und W drehte, 
Von den Kriegsschiffen in der südöstlichen Nordsee wurden am 12. orkan- 
artige Sturmböen gemeldet, welche meistens von Schnee- und Graupelfällen begleitet 
waren und bis zum 14. März morgens anhielten, wobei der Wind nach NNW drehte.
	        
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