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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Lütgens, R:: Zur Bodengestaltung Jes nordwestlichen Indischen Ozeans, 289 
schnitt 7°, während die Maximalwerte. noch beträchtlich höher sind. Eine 
Lotung nur 3 Seemeilen West von Providence ergab 1360 m, was einem Winkel 
von 15° entspricht, Interessant ist das Ergebnis einiger Grundschleppzüge 
in diesem Gebiete, durch die größere Steine bis zu einem halben Meter Durch- 
messer an die Oberfläche befördert wurden. Teils waren es Manganknollen, teils 
aber auch vulkanische Bomben, .deren Vorhandensein der Vermutung Raum läßt, 
daß das Bodenbild und die Bodenbeschaffenheit dieses Teiles des Indischen Ozeans 
noch viel verwickelter ist, als es selbst nach den nunmehrigen Lotungen den 
Anschein hat. 
Die Amiranten-Gruppe war die letzte Gruppe vor den Seychellen, Die 
Amiranten sind atollförmige Sandbänke, die sich bei Flutzeit nur wenige Meter 
über‘ den Wasserspiegel erheben. Die auf den großen Karten einzelner dieser 
Inseln, wie D’Arros, St. Joseph, Desroches, angegebenen Hügel existieren nicht. 
Sie verdanken ihre Eintragung nur der Phantasie früherer Zeichner. Mit Aus- 
nahme von Eagle, D’Arros und Bertant liegen alle Riffe am Rande der Bank, 
die 15 bis 18 m unter Wasser bleibt. Auch hier ist die Inselgruppe isoliert, 
Von den Seychellen trennt sie ein 2000 m tiefer Kanal. 
Auf den Seychellen selbst weilten Gardines und Cooper sieben Wochen, 
in denen sie trotz der Ungunst des Wetters fast alle Inseln des Archipels besuchten 
und erforschten. Die Seychellen-Gruppe umfaßt eine Anzahl Inseln, die sich auf 
einer Ost—West gerichteten, etwa 190 Seemeilen langen und 100 Seemeilen breiten 
unterseeischen Bank erheben. Einen Ausläufer entsendet diese Bank nach Süd- 
osten, südlich von dem, durch tieferes Wasser getrennt, noch wieder drei kleine 
Bänke aufragen. , Von diesen Bänken ragt aber nur eine, die den: Sockel der 
Coetivy-Insel abgibt, ‚über die Oberfläche empor. Die große Seychellen-Bank hat 
eine mittlere Tiefe von 50 m und zeigt, wie typische Korallenriffe, eine aus- 
gesprochene Erhöhung am Rande. Der Rand prägt sich am deutlichsten im 
Nordwesten durch eine Anzahl flacherer Stellen aus. Im Norden, wo sich die 
beiden Inseln Bird und Denis erheben, ist die Randaufwölbung von etwa 12 m 
Wasser bedeckt, während sie im Süden nicht so hervortritt. Der Boden ist in 
der Nähe der Nordinseln ähnlich dem der Saya de Malha und Nazareth-Bank 
und zeigt ein Aufwärtswachsen der Randerhebung. Innerhalb dieser besteht der 
Boden aus Sand oder auch Schlick, der durch Algenwurzeln festgehalten wird. 
Korallen wachsen hier nur an einzelnen begünstigten Stellen, da starke Strömungen 
über die'Bank setzen, und das Wasser auch bei ganz ruhigem Wetter stets trübe 
ist. Die größeren Seychellen bilden zwei ungefähr parallele Inselreihen: Mahe, 
Silhouette und North mit einer Reihe kleinerer Inseln und. Riffe vor der ersteren 
im Westen, Praslin, die gleichfalls vorgelagerte Riffe besitzt, La Digue, Frigate 
im Osten. Bemerkenswert ist die Höhe einzelner Inseln, So erreicht Mah6 fast 
1000 m, Silhouette 770 m und auch La Digue erhebt sich über 300 m, Das 
Gestein, in das sich die Bergströme vielfach tief eingegraben haben, ist ein grob- 
körniger Granit mit Zwischenlagen einer feineren Varietät. Auf Silhouette fand 
Cooper verschiedentlich Korallenfelsen auf Granit in Höhen von 5 bis 10 m über 
dem Meeresspiegel, und auch an der Küste von Mah6 sind Anzeichen einer ähn- 
lichen Hebung vorhanden, die teilweise sogar 60 m zu betragen scheint. Aller- 
dings darf man nicht ohne weiteres auf ein beträchtliches Alter des Landes 
schließen, wie Gardiner es tut. Die starke Verwitterung des Gesteins, die er als 
Grund anführt, ist charakteristisch für die Tropen, und ebenso vermögen in 
diesen regenreichen Gegenden die Bergströme in dem verwitterten Boden eine 
beträchtliche Arbeitsleistung zu vollbringen und tiefe Cafions zu schaffen. 
Über meteorologische und weitere ozeanographische Beobachtungen ist 
sonst bisher nichts bekannt gegeben, da besonders die vielen Wasserproben erst 
in der Heimat untersucht werden. Es ist aber zu erwarten, daß auch in dieser 
Beziehung die späteren Veröffentlichungen schätzenswerte Beiträge zur Ozeano- 
graphie des Indischen Ozeans liefern werden, 
März 1906. 
Ann. d. Hydr, usw., 1906, Heft VI.
	        
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