288 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1906,
anderer Stelle in dieser Zeitschrift wiedergegeben ist.!) Unter 2° 57’ S-Br. und
67° 58’ O-Lg. war bei einem Dredschzuge in fast 3000 m Tiefe der Stahldraht
festgekommen und beschädigt. Beim Heraufholen fand sich in dem Netz ein
unversehrtes Bruchstück einer Oberflächenkoralle, Hieraus läßt sich mit Be-
stimmtheit folgern, daß während des Dredschens der Rand eines aus großer Tiefe
steil aufragenden unterseeischen Korallenriffes gestreift wurde. Das kann
nicht überraschen, da ja die Atolle dieser Regionen alle sehr steil in die Tiefsee
abfallen. Jedenfalls wäre es wünschenswert gewesen, die ganze Gegend sorgfältig
abzuloten, da vor allem festgestellt werden muß, ob das Riff so weit an die
Oberfläche reicht, daß es eventuell der Schiffahrt gefährlich werden kann. Wahr-
scheinlich wird deshalb auch S. M. Vermessungsschiff »Planet« im Laufe dieses
Jahres die Frage zu lösen suchen.
In der Zeit bis Anfang September arbeitete die Expedition dann im
Gebiete des Maskarenen-Rückens zwischen Mauritius und den Seychellen. Mauritius
hat ein großes Barriereriff, das bei Grand Port etwa 4 Seemeilen vor der Insel
liegt. Einige kleinere Inseln ragen bis zu 15 m über den Meeresspiegel empor.
Wahrscheinlich — Basaltuntergrund deutet darauf hin — sind sie Reste einer
beträchtlich größeren Insel, die sich an Stelle des Barriereriffes dort früher erhob.
Auch Mauritius erhebt sich natürlich sehr steil aus der Tiefe. Schon in 5 See-
meilen Abstand wurden 2000 m gelotet. Die Lotungen zwischen Mauritius und
der von Guanolagern bedeckten Albatroß-Insel auf dem südlichen Teile der
Nazareth-Bank ergaben für die Gestaltung des Meeresgrundes nichts Neues. Etwa
3500 m Tiefe ist auch bisher auf den Karten verzeichnet. Auch über die
Nazareth-Bank, die über große Flächen eine sehr gleichmäßige Tiefe von 50 bis
60 m besitzt, ist wenig zu sagen. Zwischen der Nazareth-Bank im Süden und
der Saya de Malha-Bank im Norden findet sich ein Rücken, dessen Tiefe Gardiner
auf etwa 400 m angibt, und der im Osten und Westen sehr schnell auf 1500 m
sinkt. Die Saya de Malha-Bank unterscheidet sich von der einförmigen Nazareth-
Bank durch ihre reiche Gliederung. Die ‚Lotungen ließen deutlich drei Teile
trennen: eine Nordbank, eine große Zentralbank und eine kleine im Südosten,
Die Nordbank ist vom Hauptteil durch einen Kanal von 1150 m Tiefe geschieden,
während ein Einschnitt von nur 250 m die Selbständigkeit der Südostbank zeigt.
Alle diese Bänke scheinen atollähnliche Gebilde zu sein, deren durchschnittliche
Tiefe 100 m ist. Nur der südliche Teil der Hauptbank liegt etwas tiefer. Hier
ist auch der Boden mit feinen weißen Bivalvenresten und Seeigelschalen bedeckt,
die die Strömungen von den flacheren Teilen in die tieferen Partien gefegt haben.
Von der Saya de Malha-Bank ging es dann gen Nordwesten nach den
Seychellen. Eine enge Lotungsreihe zeigte das Vorhandensein eines über 1000 See-
meilen langen sichelförmigen Rückens von unter 1800 m Tiefe, der sich
aus über 4000 m steil erhebt. Die Existenz dieses Rückens war bisher unbekannt;
auf den früheren Karten finden wir hier ein Gebiet von 3000 bis 4000 m Tiefe,
Die hier liegende kleine Coetivy-Insel unterscheidet sich durch ihre Höhe von den
vorher besuchten Riffen, da sie aufgesetzte Sanddünen von über 25 m absoluter
Höhe besitzt, ,
Die Coetivy-Insel verließ die »Sealark« am 25. September, um nun den
letzten Teil der Aufgabe, die Untersuchung des Gebietes zwischen Seychellen und
Madagaskar sowie der Seychellen zu erledigen. Nordöstlich von Madagaskar, auf
halbem Wege zum Farquhar-Atoll, wurde mit dem Senkblei nicht ganz 3400 m
Tiefe erreicht. Mit dieser Lotung und einer weiteren von annähernd 4000 m
zwischen Providence und den südlichen Seychellen muß auch die Vermutung
einer Verbindung Madagaskars mit der letzteren Inselgruppe völlig aufgegeben
werden. Weitere bemerkenswerte Lotungen waren zwischen Farquhar und dem
32 Seemeilen entfernten Providence 1620 m und zwischen Providence und Pierre
Island bei nur 17 Seemeilen Abstand 1900 m Tiefe. Diese Zahlen geben ein
treffendes Bild des steilen Aufbaues der drei Atolle. So beträgt der Neigungs-
winkel der Böschungen des Kanals zwischen den beiden letzten Inseln im Durch-
) »Ann. d. Hydr. usw.«, 1905, 8. 379.