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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Lütgens, R.: Zur Bodengestaltung des nordwestlichen Indischen Ozeans. 987 
wie auch in Formen auffiel, anstellten, unternahm die »Sealark« Vermessungs- 
und Lotungsfahrten.. Bei der Vermessung ergaben sich häufig große Ungenauig- 
keiten. Viele Atolle wurden überhaupt zuerst korrekt. aufgenommen. So: sagt 
Gardiner, daß z. B. das Salomons-Atoll so sorglos aufgenommen war, daß ein 
Vergleich der alten und neuen Karte zwecklos erschien, ‚Überhaupt ist im ganzen 
nordwestlichen Indischen Ozean in dieser Hinsicht noch viel Arbeit zu leisten. 
Es sei- erwähnt, daß auch Voeltzkow bei seinen Riffstudien im Indischen Ozean 
über manche Fehler klagt; z. B. ist selbst die im lebhaft befahrenen Mozambique- 
Kanal zwischen Madagaskar und dem Festlande gelegene Europa-Insel auf den 
Britischen Admiralitätskarten beträchtlich zu groß ausgefallen, da die Lagune 
auch auf den neuesten Karten viel zu klein ist.!) 
Die Untersuchungen der »Sealark« waren in dieser Zeit durch das gegen 
alle Erwartung herrschende schlechte Wetter sehr gehemmt. Der Wind kam 
meistens aus dem Südostquadranten, während der Strom gegen den Wind nach, 
Osten lief und so schwere Kreuzseen zur Folge hatte. Die Lotungen zeigten, 
daß sich der Chagos-Archipel von allen Seiten steil und isoliert aus der Tiefe 
erhebt, da die 3600 mi-Linie die Gruppe eng umschließt. Die durchschnittliche 
Tiefe des Chagos-Plateaus unter dem Meeresspiegel ist 1500 m, während der um- 
gebende Ozean im Mittel 4500 m tief ist. Die einzelnen Bänke, zwischen denen 
über 100 Lotungen ausgeführt wurden, sind durch Tiefen von 700 bis 1500 m 
getrennt. Der Boden dieser trennenden Tiefen ist felsig und kahl, mit nur 
stellenweise etwas schlammigem Sand, so daß die Netze häufig zerrissen und fast 
immer leer heraufkamen. Gardiner deutet an, daß er dieses Abfegen des Bodens 
auf starke Tiefenströmungen, für die er allerdings eingehende Beweise erst 
geben müßte, zurückführt. Bisher nahm man:-— und auch das nur in Ausnahme- 
fällen — 1000 m als äußerste Grenze an, bis zu der Meeresströmungen feinste 
Ablagerungen verhindern können.) Voeltzkow, der dieselbe Erscheinung auf 
den Perlbänken bei Ceylon studierte, ist der Meinung, daß ein Auflösen‘ der 
Kalkreste und zwar in stärkerem «Maße als die Neubildung erfolgt. Der in 
Lösung gegangene Kalk wird dann davongetragen und geht so. der Bank ver- 
loren.?) Diese Erklärung durch Auflösung in stärker kohlensäurehaltigem 
Wasser deckt sich mit‘ der Philippi’s über das Fehlen kalkhaltiger. Boden- 
ablagerungen im antarktischen Meere.*) Jedenfalls ist es wichtig, daß zwischen den 
einzelnen Bänken kein Aufwärtswachsen stattfindet. Da die Lotungen und Dredsch- 
züge schon unterhalb der 100 m-Linie keine Korallen oder Riffablagerungen mehr 
ergaben, haben sich die Riffe im gegenwärtigen Stadium über ihre eigentlichen 
Böschungen ausgebreitet. Dagegen sind in den Untiefen der Lagunen in einzelnen 
Riffen ungeheure Massen abgestorbener Organismen abgelagert. Die Atolle selbst 
sind verschieden ausgebildet. Meistens erreichen sie nur an einigen Stellen die 
Oberfläche, so daß eine Anzahl Einfahrten vom offenen Wasser in die Lagunen 
führen. Eine Ausnahme macht die Hauptinsel Diego Garcia, deren Lagune fast 
ganz von Land umgeben ist. Diego Garcia, das durch Vereinigung mehrerer 
kleiner, auf einem ausgedehnten Riff entstandener. Inseln gebildet‘ ist, zeigt 
übrigens Spuren einer frischen Hebung von etwa 1m, der auch die flachen Seen 
der Insel ihre Entstehung verdanken. Die übrigen Inseln der Gruppe haben sich 
jedoch in neuerer Zeit nur wenig verändert. 
Während. bis hierher »Valdivia«- und »Sealark«-Kurs sich völlig deckten, 
steuert die »Sealark« nunmehr nach Süden. Es ist zu bedauern — jedoch wird 
die entsprechende Veröffentlichung Chuns®) Gardiner noch nicht bekannt gewesen 
sein —, daß die »Sealark« nicht auch Station 227 der »Valdivia« untersuchte, 
Über diese Station, wo am 28, Februar 1899 2743 m gelotet wurden, machte 
Chun der Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig eine Mitteilung, die an 
!) Zeitschr. d. G. f. Erdk. z. Berlin, 1904, S. 428. 
2) Richthofen, Führer f. Forschr., S. 369, sowie Rühl, Morphologische Wirksamkeit der Meeres- 
strömungen, S. 19. Diss, Berlin 1905. 
3) Zeitschr. d. G. f. Erdk. z. Berlin 1906, S. 186. 
1) Veröffentl. d. Inst. f. M. Heft V, S. 138, u. »Ann, d. Hydr. usw.« 1905 S. 154, 
5) Berichte der math.-phys. Klasse der Ges. f. Wissensch. zu Leipzig, 1905. 
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