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Annalen der Hydrographie und Maritinen Meteorologie, Januar 1906,
Osten ein, indem dieselben zunächst in dem südlichen Teile, also dem südlichen
Strommaximum, d. h. im Grenzgebiete der Nordkapströmung, sich aufhalten.
Hier kann man die Fische zu dieser Jahreszeit in großen Massen finden.
Sich nach Osten bewegend, beginnen die Fischscharen sich nach und nach
den Küsten zu nähern, und die gewöhnliche Murmansche Fischerei wird anfangs
in größerer Entfernung, nachher immer näher an den Küsten betrieben bis
zum Ende des Sommers,
Spät im Herbst beginnt das Zurückgehen der Fische von den Küsten,
das offene Meer wird wieder reicher an Fischen, bedeutende Massen von
Fischen können aber auch bis zur Mitte des Winters an der Murman-
küste bleiben.«
Ich meine, daß man in dieser von Dr. Knipowitsch beschriebenen
jährlichen Periodizität der Fischwanderungen die vollkommenste Analogie
finden kann zu der von mir besprochenen hydrographischen Periodizität des
Atlantischen Stromes und seiner Randgewässer,. Wenn man hier von Ursache
und Wirkung reden darf, so erscheint es wahrscheinlich, daß die Fisch-
wanderungen wie alle übrigen biologischen Phänomene des Ozeans
im großen und ganzen Begleiterscheinungen sind von den hydro-
yraphischen Änderungen. Wenn dem so ist, so erscheint das Studium
dieser Veränderungen als die wichtigste Aufgabe von allen .denen, die der
internationalen Meeresforschung auferlegt sind und wurde mit Recht an der
ersten Stelle des Programmes aufgeführt.
Zwar kann man auf dem gegenwärtigen Standpunkt der Untersuchung
nicht weiter als zur Erkenntnis des wahrscheinlichen Zusammenhanges der
verschiedenen Phänomenen kommen, aber diese Wahrscheinlichkeit ist wichtig,
weil sie uns den Leitfaden gibt, nach dem wir unsere Forschungsarbeit ein-
richten können. Eine internationale Untersuchung, welche nicht zielbewußt
auf die Lösung der Hauptaufgaben arbeitete, würde als Endresultat nur eine
ungeheure Anhäufung von »totem« Material aufzuweisen haben.
Stockholm, im November 1905.
Sprünge in der Temperatur des Meerwassers.
Nach den Tabellarischen Reiseberichten der Deutschen Seewarte, Band 1.
Von E. Knipping.
(Hierzu Tafel 2.)
In den Erklärungen zu dem 1. Band der Tabellarischen Reiseberichte
der Deutschen Seewarte, Eingänge des Jahres 1903, enthaltend Beobachtungen
aus den Jahren 1901 bis 1903, heißt es am Schluß: »Sprünge in der Wasser-
wärme sind angeführt, wenn sie in der Wache (4 Stunden) 5° C. erreichen
oder überschreiten.« Für die Leser, denen diese Reiseberichte nicht bekannt
sind, sei bemerkt, daß sie eine bestimmte Auswahl von Beobachtungen aus
sämtlichen bei der Deutschen Seewarte im Jahre 1903 eingelaufenen meteoro-
logischen Schiffstagebüchern enthalten. Die Zahl dieser Tagebücher betrug
760, darunter 109 von Kriegsschiffen, 175 von Seglern und 476 von Dampfern
der Handelsmarine.
Da die Literatur über Sprünge in der Wärme des Oberflächenwassers
der Ozeane sehr dürftig ist, untersuchen wir sie hier an der Hand des
} Bandes dieser Peiseberichte.