276 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1906.
Lappe-Grund mit südwestlichen Winden aber doppelt so oft nach Südsüdost als
nach Nordnordwest; und ferner zeigt sich das Folgende, Mit südöstlichen
Winden, die den südwestlichen vorhergehen, läuft der Strom bei Lappe-Grund
nach NNW; holt nun der Wind südwestlich, so dauert es noch eine Zeitlang,
meistens weniger als 2 Wachen, bis der Strom kentert und nun fast ausnahmslos
nach SSO setzt, solange der Wind südwestlich (oder nordwestlich) bleibt.
H. Drogden.
Außerordentlich ähnlich den Strömungen bei Lappe-Grund sind die
Strömungen beim Feuerschiffe Drogden, nur muß man sich vergegenwärtigen,
daß das Drogden-Feuerschiff gerade vor der Flint-Rinne liegt und in der Haupt-
strömung, die durch die breitere und tiefere Flint-Rinne setzt, beobachtet. Die
Richtung der Rinne bedingt, daß der Strom dort nicht wie bei Lappe Grund
NNW und SSO, sondern daß er, dem Fahrwasser folgend, NO oder SW setzt.
Schiffe, die nicht durch die Flint-Rinne fahren, sondern durch die Drogden
laufen, werden den Strom dort nördlich oder südlich finden, wenn er in der
Flint-Rinne nordöstlich oder südwestlich ist,
Von den 200 Beobachtungen des Feuerschiffes Drogden entfallen 13 oder
6 °/, auf nordöstliche, 59 oder 30 %, auf südöstliche, 96 oder 48 °%% auf südwest-
liche und 32 oder 16 %, auf nordwestliche Winde, d
1. Unter den 13 Beobachtungen mit nordöstlichem Winde waren bei
Drogden-Feuerschiff 13 oder 100 °%, mit nordöstlichem Strom.
2. Unter den 59 Beobachtungen mit südöstlichem Winde waren bei
Drogden-Feuerschiff 59 oder 100 %, mit nordöstlichem Strom.
Also bei allen Winden, in deren Namen Ost vorkommt, war nordöstlicher
Strom, entsprechend nordnordwestlichem Strom bei Lappe-Grund mit östlichen
Winden (und nördlichem Strom in den Drogden und den Fahrwassern an der
dänischen Seite),
83, Unter den 96 Beobachtungen mit südwestlichen Winden waren beim
Feuerschiffe Drogden 19 oder 20 %, mit nordöstlichem und 70 oder 73 %,
mit südwestlichem Strom sowie 7 oder 7 °, mit Stromstille, .
4. Unter den 32 Beobachtungen mit nordwestlichen Winden waren
beim Feuerschiffe Drogden 31 oder 97 °%, mit südwestlichem Strom und
1 Beobachtung oder 3 °/, mit Stromstille. Also auch bei westlichen Winden, sind
die Stromverhältnisse bei Drogden- Feuerschiff denen bei Lappe - Grund
ähnlich. Bei Drogden-Feuerschiff setzt mit nordwestlichen Winden der Strom
fast ausschließlich nach Südwesten, und ebenso mit südwestlichen Winden, wenn
sie schon eine oder ein paar Wachen geweht haben. Hat der südwestliche Wind,
der auf südöstlichen folgt, eben erst angefangen, so herrscht oft noch nordöst-
licher Strom. Der Strom im Sunde kentert etwas später, als sich der Wind
dreht. Der Stromwechsel geht nicht oder nicht häufig plötzlich, sondern meistens
allmählich vor sich, und zwar am langsamsten beim Drogden-Feuerschiffe, wo
in dem breiteren Fahrwasser die Strömung überhaupt nicht so stark ist als bei
Lappe-Grund. Beim Übergang vom südwestlichen zum nordöstlichen Strom oder
umgekehrt finden sich beim Feuerschiffe Drogden nicht selten zwei oder mehr
Beobachtungen hintereinander mit Stromstille; bei Lappe-Grund, wo sich alles
Wasser in das schmale Fahrwasser zusammendrängt und wo die Strömungen
infolgedessen überhaupt stark sind, finden wir beim Übergange vom nordnord-
westlichen zum südsüdöstlichen Strome (oder umgekehrt) selten mehr als eine
Beobachtung mit Stromstille,
I. Gjedser-Riff.
In dem Vorhergehenden wurde von der Erwägung ausgegangen, daß, bei
dem offenbaren Zusammenhange von Wind und Strömung, die Strömungen am
leichtesten bei .starken Winden kennen zu lernen sind. In der Tat sind die
Strömungen bei starken Winden auch im allgemeinen am stärksten. Demgemäß
wurde von Beobachtungen mit stürmischen Winden bei Skagen ausgegangen und
angenommen, daß im allgemeinen auch bei den Feuerschiffen im Kattegat und
im Sunde zur selben Zeit stürmische oder starke Winde sein würden. Für diese