Oberflächenströmungen im Kattegat, Sund und in der westlichen Ostsee, „9278
daß unter südöstlichem Strom hier jede Stromrichtung zwischen mißw, OSO. und
mißw, Süd (beide eingeschlossen) gerechnet ist. Ein Schiff, das mit westlichem
Winde von Skagen kommt, und das, wie wir gesehen haben, bei Läsö Trindel
wie bei Kobber-Grund nicht nur südöstlichen, sondern geradezu südwestlichen
Strom gehabt haben kann, wird durch einen Strom, der noch gar nicht einmal
mißweisend Süd: zu sein braucht, nach dem Ostriff von Anholt gesetzt, und wenn
es sich nicht vorsieht, kann es in mißliche Lage geraten. Ebenso kann ein vom
Sunde kommendes Schiff, das bei südwestlichem Winde gut Luv halten will, den
südöstlichen, nach dem Sunde setzenden Strom auf den Steuerbordbug bekommen
und damit nach dem Ostriff von Anholt hinübergedrängt werden.
F. Schultz’s-Grund.
Bei diesem Feuerschiffe scheint der Satz, daß die Strömungen vorwiegend
nach Lee setzen, gar keine Gültigkeit mehr zu haben. Auch die Verteilung der
Winde weicht hier von der Verteilung der Winde bei Skagen etwas mehr ab als
bei den vorher besprochenen Stellen. Von den 200 Beobachtungen entfielen
nämlich nur 10 oder 5%, auf nordöstliche, 62 oder 31°, auf südöstliche, 89 oder
45%, auf südwestliche und 38 oder 19°% auf nordwestliche Winde. Bei einer
Beobachtung oder !/,°%/, war Windstille, Die entsprechenden Zahlen bei Skagen
waren 14%, 25%, 35%, und 26%, und bei der Vergleichung mit der Verteilung
der Winde bei Kobber-Grund und Anholt Knob ergibt sich, daß die Häufigkeit
der nordöstlichen Winde bei Skagen am größten, bei Schultz’s-Grund am kleinsten,
von Norden nach Süden abnimmt, während umgekehrt die Häufigkeit der süd-
östlichen Winde von Norden nach Süden zunimmt, Ferner nimmt zu die Häufigkeit
der südwestlichen Winde von Norden nach Süden, aber die Häufigkeit der nord-
westlichen Winde von Norden nach Süden wieder ab, d. h. im südlichen Teile
des Kattegats haben, wenn es im Jahre 1903 bei Skagen stürmisch geweht hat,
die Winde südlichere Richtungen gehabt als im nördlichen Kattegat und um-
gekehrt, im nördlichen Kattegat haben mehr nördliche Winde geweht als
im südlichen, oder mit anderen Worten, es haben mehr Winde in das Kattegat
hinein als aus ihm heraus geweht. Die Ursache davon dürfte sein, daß, wie
bereits erwähnt wurde, Skagen den Zugstraßen der meisten Minima viel näher
liegt als Schultz’s-Grund, und daß Gebiete niedrigsten Druckes zwischen Skagen
und Schultz’s-Grund ostwärts gezogen sind.
In bezug auf die Strömung‘ bei Schultz’s-Grund ergab sich das Folgende:
1. Unter 10 Beobachtungen mit nordöstlichem Winde bei Schultz’s-
Grund waren ausschließlich, also 100°, nordöstliche Strömungen.
2, Unter 62 Beobachtungen mit südöstlichem Winde bei Schultz’s-
Grund waren 54 oder 87%, mit nordöstlichem, 2 oder 3°% mit südöstlichem,
5 oder 8%, mit südwestlichem und 1 oder 2°% mit nordwestlichem Strom, Wir
haben also die auffallende Tatsache, daß beim Feuerschiffe Schultz’s-Grund
der Strom mit östlichen Winden fast ausschließlich nach Nordosten gelaufen ist,
Dieser nordöstliche Strom hat bei nordöstlichen Winden 2*/,, bei südöstlichen
fast 3 Kn. Geschwindigkeit erreicht, während die wenigen Ausnahme-Strömungen,
das sind hier die mehr oder weniger mit dem Winde laufenden, nicht über %/, Kn.
gekommen sind. ; .
3. Unter den 89 Beobachtungen mit südwestlichen Winden bei
Schultz’s-Grund waren 10 oder 11%, mit nordöstlichem, 1 oder 1°% mit süd-
östlichem, 74 oder 84°, mit südwestlichem und 4 oder 4°, mit nordwestlichem
Strom. Die nordöstlichen und die nordwestlichen Strömungen erreichten 1°/, Kn,,
die südwestlichen, also die in den Wind aufsetzenden sogar 3'/, Kn. Geschwindigkeit.
4. Unter den 38 Beobachtungen mit nordwestlichen Winden bei
Schultz’s-Grund waren 21 oder 55°, mit südwestlichem und 17 oder 45°, mit
nordwestliehem Strom, davon hat der nordwestliche Strom 2 Kn,, der südwestliche
3 Kn. Geschwindigkeit erreicht. .
Sehen wir uns nun aber die Beobachtungen bei südwestlichen und bei
nordwestlichen Winden genauer an, so finden wir: Unter den nach Kompaß-
vierteln geordneten Beobachtungen sind 78, bei denen mit südwestlichem Winde
Ann. a. Hydr. usw. 1906. Heft VI.