Oberflächenströmungen im Kattegat, Sund und in der westlichen Ostsee. 269
und ähnlich würde es mit den Strömungen bei nordwestlichen Winden. sein.
Der Seemann wird nicht umhin können, für seine Zwecke daraus die
Lehre zu ziehen, daß er bei Läsö Trindel mit westlichen Winden nicht
unbedingt auf östliche Versetzungen rechnen darf. Die in den Wind
aufsetzenden Strömungen sind ja im allgemeinen. nicht stark, solchen
Strömungen entgegen wirken auch Abtrift und: Seegang auf ein
Schiff, immerhin sind aber Fälle nicht so selten, in denen Schiffe
durch »übermäßiges Kneifen« bei westlichen‘ Winden in dickem
Wetter in Gefahr und geradezu an den Grund gelaufen sind. Daßsich
hier übrigens diese Gefahr bei fleißigem Loten vermeiden läßt, zeigt
gin Blick auf die Tiefenlinien der Seekarten. Bo
C. Läsö-Rinne.
Wieder viel einfacher als bei Läsö Trindel sind, wenn man vornehmlich
die mit stürmischen Winden bei Skagen auftretenden Stromrichtungen in Betracht
zieht, die Strömungen beim Feuerschiffe Läsö Rinne, Der Strom hat hier, wenn
es bei Skagen stürmisch weht, eigentlich nur 2 Richtungen, NNO oder SSW;
sehr selten sind völlige Stromstillen und fast gar nicht kommen quer über die
Rinne setzende Strömungen vor, wenn es bei Skagen stürmisch weht. Unter
solchen Umständen sind im Jahre 1903 auf dem Feuerschiff »Läsö Rinne« die
folgenden Strömungen beobachtet, - -
. 1. Wenn es bei Skagen stürmisch aus Nordosten wehte, waren
unter 29 Beobachtungen bei Läsö-Rinne 22 mit nordnordöstlichem, 5 mit süd-
südwestlichem und 2 mit gar keinem Strom, oder in Prozenten ausgedrückt
waren 77 °%, nordnordöstlicher, 17 °/, südsüdwestlicher Strom und 6 °/, Stromstille,
Der Strom setzte also bei nordöstlichen Winden in den meisten Fällen gegen
den Wind durch die Läsö-Rinne, was ja mit nordöstlichen Winden bei Skagens-
Riff und bei Läsö Trindel ebenfalls stattfindet. Die natürliche Ursache davon
wird sein, daß nordöstliche Winde-das Wasser in den südwestlichen Teilen des
Kattegats. aufstauen und daß das so aufgestaute Wasser nun wieder bestrebt ist;
sich in das Gleichgewichtsniveau einzustellen, Das wiederum kann, solange die
Ursache des Aufstaus, der Wind, anhält, nur dort geschehen, wo dem Winde eine
verhältnismäßig kleine Angriffsfläche dem Ausgleichsmoment entgegenzuwirken,
geboten ist, d, h. der Strom wird sich enge Rinnen suchen, und er wird dort oft
energisch gegen den Wind laufen,
2. Wenn es bei Skagen stürmisch aus Südosten wehte, waren unter
50 Beobachtungen bei Läsö-Rinne 49 mit nordnordöstlichem und nur 1 mit südsüd-
westlichem: Strom, oder es waren 98 %, nordnordöstlicher und 2 % südsüdwest-
licher Strom. Der nordnordöstliche Strom erreichte bei südöstlichen Winden im
allgemeinen große Geschwindigkeiten, nicht selten bis zu 3 Sm in der Stunde.
Dieses energische Herrschen des nordnordöstlichen Stromes in der Läsö-Rinne
bei südöstlichen Winden erklärt sich leicht damit, daß südöstliche Winde in dem
südlichen trichterförmigen Zugange zur Läsö-Rinne. das Wasser aufstauen und
diesem somit kein anderer Ausweg bleibt, als durch die Rinne nach Norden zu
fließen, und zwar stark, weil der südöstliche Wind das Wasser von der Nord-
westseite der Insel Läsö hinwegtreibt.
3. Wenn es bei Skagen stürmisch aus Südwesten wehte, waren
unter 69. Beobachtungen des Feuerschiffes Läsö Rinne 23 mit nordnordöst-
lichem, 42 mit südsüdwestlichem und 4 mit keinem Strom, oder in Prozenten
waren 834 %, nordnordöstlicher, 61 °/, südsüdwestlicher und 5 °%, ohne Strom.
Hier ist wieder ein hoher Prozentsatz gerade oder schräg in den Wind auf
setzender Strömungen, Sieht man sich die einzelnen Beobachtungen an, so stellt
sich heraus, daß in den meisten Fällen, in denen mit stürmischen südwestlichen
Windem bei Skagen der Strom in der Läsö-Rinne nach SSW setzte, der Wind
bei Skagen mit WSW und auf dem Feuerschiffe Läsö Rinne mit West ver-
zeichnet ist. Daraus ergäbe sich für den Seemann, der von der Nordsee um
Skagen herumkommt,. daß er. den. Strom in der Läsö-Rinne wahrscheinlich nord-
nordöstlich finden wird. wenn der stürmische Südwest bei Skagen noch aus einer