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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

264 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1906. 
wenn behufs Besatzungswechsel S. M. S. »Planet« vom Bismarck-Archipel nach 
Hongkong oder Tsingtau gehen wird, die an die Ostküste der Philippinen an- 
grenzenden Gewässer möglichst sorgfältig abgelotet werden, da hier höchst- 
wahrscheinlich ein ebenso steiler und tiefer Bruchrand vorhanden ist wie an 
der Ostküste Japans und an der Ostseite der Liu-Kiu-Inseln. Ungemein über- 
raschende Ergebnisse der im Auftrage der Deutsch-Niederländischen Telegraphen- 
gesellschaft an Bord des Kabeldampfers »von Stephan« und des Vermessungs- 
fahrzeuges »Edi« angestellten Tiefenmessungen zwischen Shanghai und Yap— 
Guam sowie zwischen Yap und Menado auf Celebes lassen uns von weiteren 
Forschungen in diesem ganzen großen westlichen Becken des nördlichen Stillen 
Ozeans fernere Beweise für eine weitreichende »geographische Homologie« 
im Bau der gesamten Umrandung des westlichen Pacific erwarten. Ubrigens 
wird die Deutsche Seewarte in der Lage sein, demnächst die Tieflotungen der 
ebengenannten im Kabeldienst beschäftigten Fahrzeuge zu veröffentlichen. 
Eine Veranschlagung der für die ozeanographischen Arbeiten während 
der Ausreise des »Planet« erforderlichen Zeit, soweit sie das Stoppen des 
Schiffes bedingt, ergibt etwa 600 Arbeitsstunden oder rund 25 Tage; eine ent- 
sprechende Abschätzung der für die atmosphärische Höhenforschung notwendigen 
Zeit- schließt mit rund 300 Stunden oder 13 Tagen ab, so daß im ganzen die 
Reisedauer als solche voraussichtlich um etwa 40 Tage gegenüber einer direkten 
Reise um das Kap verlängert wird, x Dr. G. Schott. 
V. Chemisch-biologische Aufgaben.!) 
Die seltene Gelegenheit, daß ein Vermessungsschiff der Kaiserlichen Marine 
während eines längeren Zeitraumes in einem Tropengebiete verweilt, wird in 
biologischer Hinsicht am besten dazu ausgenutzt, um über die Produktion und 
die Produktionsbedingungen in warmen Meeren zuverlässige Anhaltspunkte zu 
gewinnen. Das erschien in dem vorliegenden Falle um so mehr geboten, als die 
Anwendung größerer Schleppgeräte und damit die Gewinnung von umfang- 
reichen Materialien über die Organismen des Meeresbodens von vornherein aus- 
geschlossen war. 
1. Um Herrn Oberassistenzarzt Dr. Graef in den Stand zu setzen, zu- 
nächst über die Produktion in Tropenmeeren im Vergleich zu den näher 
untersuchten heimischen Meeren Studien zu machen, habe ich ihm Gelegenheit 
geboten, sich unter Anleitung eines Assistenten des Meereslaboratoriums mit dem 
Plankton im allgemeinen und mit den quantitativen Methoden der Plankton- 
untersuchung näher bekannt zu machen. Für die Ausführung von quantitativen 
Fängen hat er zwei sogenannte »mittlere Planktonnetze« (mit Reservezeug), die 
mit Schließeinrichtung versehen sind, nebst 300 m Flaggenleine mitgenommen, 
Mittels dieser Schließnetze können die hydrographisch verschiedenen, über- 
einanderliegenden Wassersäulen auch gesondert abfiltriert werden. Die Fänge 
werden zur späteren gründlichen Bearbeitung konserviert. Um auch das von 
Prof, Lohmann in Kiel entwickelte Untersuchungsverfahren zur Feststellung der 
kleinsten Planktonorganismen im Meere anwenden zu können, hat Herr Dr. Graef 
ferner je zwölf Beutel von Seidengaze und von Taffetseide mitgenommen. Die 
gewonnenen Fänge werden am besten lebend untersucht. Außerdem ist Dr. Graef 
mit Handkätschern und dem sogenannten Brutnetz von Käseleinen (mit Mittel- 
ring) zum Fange größerer Auftrieborganismen versehen. 
Im übrigen besteht die Ausrüstung zum Fange von Tieren noch aus ver- 
schiedenen Angelgeräten, zwei kleineren Dreikant-Dredgen, die vom Boot aus zu 
benutzen sind, einem Kratzer, einer langzinkigen Harke usw. 
2, Die Produktionsbedingungen werden zum Teil durch die hydro- 
graphischen Untersuchungen ermittelt; doch sind, wie ich in zwei Abhandlungen 
1) Herr Prof. Dr. K. Brandt, Direktor der biologischen Abteilung des Meereslaboratoriums und 
des Zoologischen Instituts zu-.Kiel, hat in Rücksicht darauf, daß Herr Dr. Graef bereits auf der 
Forschungsreise unterwegs ist, in dankenswerter Weise die Güte gehabt, diesen Bericht der Deutschen 
Seewarte zur Verfügung zu stellen. D. Red... .
	        
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