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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

262 — Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1906. 
die Litze nicht senkrecht zur Meeresoberfläche, sondern infolge der Abtrift des 
Schiffes vor Wind und Strom unter mehr oder weniger spitzem Winkel aus, und 
es ist, wenn man eine Reihe kostbarer Apparate an der Litze bereits weggefiert 
hat, ein erhebliches Manövrieren mit dem Schiffe nicht mehr gut tunlich; die 
am Zähler angegebene Drahtlänge ist dann größer als die von den Instrumenten 
erreichte Tiefe, Ob das von Baron v. Wrangell empfohlene Verfahren!) brauchbar 
ist, muß erst ausprobiert werden. Der »Planet« hat, obschon die vom »Gauße« 
übermittelten Ergebnisse der Manometerversuche auch nicht günstig lauteten, 
doch ein von Schäffer & Budenberg geliefertes sogenanntes »Taucher-Mano- 
meter«, und zwar mit graphischer Aufzeichnung der Zeigerbewegung bis 1200 m 
Tiefe, mitgenommen, weil eben das Bedürfnis, die Korrektion der bewegten Draht- 
längen zu kennen, so überaus groß ist; leider lauten die bereits vorliegenden 
ersten Berichte auch für den neuen Versuch nicht verheißungsvoll: das Mano- 
meter hat sich als undicht erwiesen, doch sollen weitere Erprobungen stattfinden. 
Daß das Schiff außerdem mit allen sonst notwendigen oder wünschens- 
werten Ausrüstungsgegenständen, wie Aräometern, Forelscher Farbenskala, 
Schlingertischen, Thermometern usf. versehen worden ist, bedarf kaum der 
Erwähnung; hervorzuheben ist aber die reiche Versorgung mit einschlägiger 
Fachliteratur, welche, um Anregung und Belehrung zu geben, über die unmittel- 
baren Erfordernisse der Arbeit auf See ein wenig hinausgehend beschafft werden 
konnte. 
Zur Erprobung der ozeanographischen Ausrüstung in allen ihren ein- 
zelnen Teilen sowie gleichzeitig zur Feststellung der See-Eigenschaften des Schiffes 
in schlechtem Wetter fand eine Probefahrt des »Planet« vom 12. bis 16. De- 
zember 1905 statt, welche von Kiel aus durch das Kattegat zum Skagerrak und 
von da zur Elbemündung zurückführte. Es war damals bereits der gesamte Stab 
an Bord mit Ausnahme des Marineoberstabsarztes Prof, Dr. Kraemer, der die 
Reise nach der Südsee gleichfalls mitmacht, und zwar behufs ethnographischer 
und sonstiger naturwissenschaftlicher Studien, Der »Planet« untersteht dem 
Kommando des Kapitänleutnants Lebahn. Als erster Offizier fungiert Kapitän- 
Jeutnant Mündel, der die Tieflotungen übernimmt. Dazu kommen die Ober- 
leutnants z, S. Kellermann (Navigationsoffizier und für die Küstenvermessung) 
und Schweppe, welch letzterem hauptsächlich die Leitung der Drachen- 
aufstiege auf See zufallen soll. An Bord kommandiert ist außerdem, wie schon 
erwähnt wurde, Dr. Brennecke, Hilfsarbeiter bei der Deutschen Seewarte in 
Hamburg, für die ozeanographischen Arbeiten, während für die chemisch- 
biologischen und bakteriologischen Untersuchungen Marineoberassistenzarzt 
Dr. Gräf ausgebildet ist. Dr. G. Sehott. 
IV. Reiseweg., 
S. M, S. »Planet« hat am 21. Januar 1906 die Reise nach dem Bismarck- 
Archipel angetreten, und zwar auf dem Wege um das Kap der Guten Hoffnung. 
(Das ihm 1907 folgende zweite Vermessungsschiff soll ebendahin, aber rund Kap 
Horn, gehen und zum Teil, wenn nötig, segeln.) »Planet« ist lediglich auf seine 
Dampfkraft angewiesen; sein Aktionsradius ist daher Beschränkungen unter- 
worfen, die im Hinblick auf rein wissenschaftliche sowohl meteorologische als 
auch ozeanographische Wünsche in nicht unerheblichem Grade bei der Fest- 
legung des Reiseweges wirksam gewesen sind: man wolle diesen Umstand bei 
der Beurteilung der dem Schiff gestellten Aufgaben und der von ihm zu er- 
wartenden Leistungen nie vergessen! Das Schiff kann z. B. die Strecke vom 
Kapland oder von Mauritius nach Australien, ohne Zwischenstationen für Kohlen- 
einnahmen zu machen, nicht zurücklegen. Der von Seiner Majestät dem Kaiser 
genehmigte Reiseplan ist unter Berücksichtigung einer neuerdings verfügten 
kleinen Abänderung folgender: 
‘) Vgl. hierzu »Verhandlungen des internationalen Geographentages in Berlin«, Bd. 1I, 8. 367, 
Berlin 1901; sowie »Valdivia«-Werk, Bd. I, Ozeanographie, S. 71, Jena 1902,
	        
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