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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1906,
Zufuhr von wärmerem Wasser zu den unteren Schichten während des Sommers
and Herbstes immer tiefere Niveaus erreicht, wie Fig. 11 schematisch zeigt, was
dem Phänomen Ähnlichkeit mit einer vertikal hinabsteigenden Wärmewelle gibt,
Dort, wo die Bodenkonfiguration
dieser Zirkulationhemmendentgegen-
tritt oder der Abstand von der Nord-
kapströmung sehr groß ist, behält
das Tiefenwasser das ganze Jahr
hindurch eine nahezu konstante, sehr
niedrige Temperatur, wie z, B, in
der tiefen Mulde des Weißen Meeres
(Knipowitsch, a. a. O0. S. 49) und im
Kolafjord, Wenn die Sommerer-
wärmung der oberen Schichten durch
konvektive Prozesse oder durch Wasserbewegungen lokaler Natur bis zu
250 m im Herbst dringen könnte, so müßte man erwarten, das Wasser
des Weißen Meeres ebenso hoch erwärmt zu finden als das Wasser der
Murmanschen Randfurche, Die Temperatur wurde aber dort im August 1900
unter 65° 52’N-Br. und 36° 16’0-Lg. in 50m = — 0.8°C, in 250 m = — 1.60°C.
yefunden.
Die Periode der jährlichen Schwankungen von Salzgehalt, Temperatur
und Stromgeschwindigkeit des Tiefenwassers scheint dieselbe zu sein für alle
Randgebiete des Atlantischen Stromes von dem Barentsmeer bis zu dem
Skagerrak, dem Kattegat und der Ostsee. Dort, wo man mittels Strommessern
direkte Bestimmungen der Bewegung des Wassers in den unteren Schichten
dieser Randgewässer gemacht hat, wie im Skagerrak und in der Ostsee, hat
man überraschend große Geschwindigkeiten konstatiert. Geschwindigkeiten
von 40 bis 70 cm per Sek, in dem Randwasser vom Skagerrak sind sehr ge-
wöhnlich auch in 60 bis 70 m Tiefe. Die merkwürdige Korrespondenz der
Schwankungen in so verschiedenen Gebieten läßt uns ahnen, daß die Be-
wegungen der Wassermassen des Weltmeeres im großen und ganzen
nicht passiver Art sind, sondern daß der Ozean selbst Kraftfelder
und Energiequellen einschließt, welche ihre Wirkung bis in die
entferntesten Randgebiete desselben fühlbar machen. Über die Ur-
sachen der hier besprochenen Schwankungen soll aber in diesem Aufsatz nichts
zeäußert werden; meine Ideen darüber sind dargelegt in der jüngst erschienenen
Abhandlung: »On the influence of icemelting upon oceanic eirculation«!) und
Ȇber die Wahrscheinlichkeit von periodischen und unperiodischen, Schwan-
kungen in dem Atlantischen Strome usw.« Iu. II. Die Beweiskraft der hier
gemachten Zusammenstellung der periodischen Schwankungen bleibt unberührt
davon, ob man die eine oder die andere Ursache als vis movendi der
ozeanischen Zirkulation annimmt.
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Die Begleiterscheinungen.
Es gibt eine große Gruppe von Phänomenen meteorologischer und
biologischer Natur, welche mit den hydrographischen korrespondierende
Variationen zeigen. In den erwähnten Abhandlungen habe ich die
Aufmerksamkeit darauf gelenkt:
1. daß jährliche Schwankungen in dem Wasserstand gleichzeitig ein-
treffen sowohl in der ganzen Ostsee wie in dem Kattegat, der Nordsee und
dem Norwegischen Meer, wo das Maximum in den Herbst (gewöhnlich im
November) und das Minimum in den Frühling (März/Mai) fällt (siehe Fig. 8 u. 9);
2. daß die eigentliche Golfstromzirkulation einer jährlichen Schwankung
unterliegt, so daß die wärmste Oberflächenschicht im März auf das Meer
westlich von den Azoren beschränkt ist, aber später allmählich sich mehr und
mehr nach Osten ausbreitet und im November/Dezember die südöstlichste
Küste von Europa erreicht (siehe Fig. 10);
ı Siehe auch »Ann. d. Hrvdr. usw.« 1905, S. 150 ff.