Forschungsreise S. M, S, »Planet«. III. Schott, G.: Ozeanographische Aufgaben u. Ausrüstung. 259.
Die Forschungsreise S. M, S. „Planet“.
III. Ozeanographische Aufgaben und Ausrüstung.
Die dem Vermessungsschiffe »Planet« auf dem Gebiete der wissenschaft-
lichen Meereskunde oder der Ozeanographie zugewiesenen Aufgaben können in
drei Gruppen geteilt werden, erstens in die Lotungen, einerlei, ob es sich dabei
um Vermessungen in der Flachsee oder der Tiefsee handelt, zweitens in die
physikalisch-chemischen Arbeiten (Bestimmungen von Temperatur, Salzgehalt,
Gasgehalt, Farbe, Strömung usf.), endlich drittens in die biologischen Arbeiten,
Was die letzgenannten betrifft, so ist für das Arbeitsprogramm S. M. S. »Planet«
charakteristisch, daß besonders die neuerdings sehr wichtig gewordenen Grenz-
gebiete zwischen Chemie und Biologie des Meeres gepflegt werden sollen, also
z. B. die Bakteriologie, die Planktologie, die Untersuchung über die Nährstoffe
des Meeres u. a. m. Über diesen Teil der Ausrüstung gibt Herr Prof. Dr. Brandt
in Kiel authentische Auskunft (s. Bericht V, S. 264 ff.). Diejenigen Tiefseeforschungen,
welche auf die Gewinnung makroskopischer Meeresorganismen in den ver-
schiedenen Niveaus abzielen und für welche ein viele Stunden beanspruchendes
Stoppen an Ort und Stelle sowie das Arbeiten mit Grundschleppnetzen, großen
Vertikalnetzen und Schließnetzen erforderlich ist, sollen wegbleiben; in dieser
Beziehung ähnelt also die Expedition des »Planet« nicht der Tiefsee-Expedition
auf der »Valdivia«, wohl aber der in den siebziger Jahren von der Kaiserlichen
Marine ausgesandten großen Expedition auf S. M. S. »Gazelle«, bei welcher die
Biologie des Meeres auch eine beschränkte Berücksichtigung gefunden hat. Im
Hinblick auf die Aufgaben, die S. M. S. »Planet« in seinem eigentlichen Arbeits-
gebiet, nämlich in der Vermessungszone im Bismarck-Archipel, erwarten, und die
von vornherein bei der Ausstattung des Schiffes weitgehendste Vorsorge er-
heischten, war eine weise Beschränkung in der Summe der dem Personal des
„Planet« zuzuweisenden wissenschaftlichen Arbeiten durchaus am Platze. Ander-
seits sind aber die Lotungen und. die..physikalisch-chemischen ‚Probleme von
solch erheblichem praktischen Interesse, direkt oder indirekt, daß von jeher die
Kriegsmarinen nahezu aller seefahrenden . Nationen hierin mitzuarbeiten für
unerläßlich erachtet haben,
Um in jeder Hinsicht und in jedem Umfang Lotungen. ausführen zu
können, ist S. M. S. »Planet«, abgesehen von dem in navigatorischer Hinsicht
notwendigen pneumatischen Lot, mit drei Lotmaschinen ausgerüstet, nämlich
zwei Lotmaschinen nach dem System Lucas und einer nach Sigsbee. Die zwei
Lucas-Maschinen sind neu und von der Telegraph Construction and Maintenance
Company in London 38 Old Broad Street beschafft; die Zählwerke sind so ein-
gerichtet, daß sie die Tiefen direkt in Meter, nicht in Faden, angeben. Die kleine
für Handbetrieb berechnete Lucas-Maschine reicht für Tiefen bis etwa 800 m
aus, ist ungemein leicht und handlich und nicht fest aufgestellt; sie kann ge-
legentlich auf der Kommandobrücke Platz finden oder auch. von einem Boote
aus benutzt werden. Die Niederländische »Siboga«-Expedition hat wiederholt
diese Maschine im malaiischen Archipel als eine Art unterseeischer Schildwache
mit Erfolg benutzt, wenn das Schiff während der Nacht vor einer Küste zu
treiben gezwungen war, Ankergrund aber nicht vorhanden war: dann wurde von
der Kommandobrücke aus eine bestimmte Drahtlänge mit Gewicht ausgegeben,
so daß eine etwaige Grundberührung durch Abnahme der Federspannung be-
merkbar werden mußte. Die große auf dem Hauptdeck des »Planet« direkt
hinter der Kommandobrücke an Steuerbord aufgestellte Lucas-Maschine. kann
10000 m Lotdraht bequem aufnehmen, reicht also für alle Tiefen aus; das Ein-
hieven des Drahtes findet auf »Planet« durch einen an der Achterkante des
Decks des Brückenhauses aufgestellten Kapselmotor statt, Die große Lucas-
Maschine kostete ohne Motor 1080 Mk., die kleine 540 Mk. — Auf der ent-
sprechenden Stelle an Backbord ist die Sigsbeesche Lotmaschine fest aufgestellt:
1) Mitteilung I u. IT »Ann. d. Hydr. usw.« 1906. S. 145 u. 220.