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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1906.
Sieben Jahre hat er dort gewirkt als Leiter des erst privaten, dann kolonialen
Observatoriums, als Magnetiker, Nautiker und Geograph. Dann verließ er die
errungene schöne Stellung, da er die Zeit für gekommen hielt, im Vaterlande
selbst seinen vorgezeichneten Zielen nachzustreben. Am 26. Oktober 1864 betrat
er wieder deutschen Boden, im Juli 1865 trug er dem Ersten deutschen Geographen-
tage seine Pläne für die Gründung einer deutschen Seewarte und die Ausführung
einer Südpolarexpedition vor, 1866 bis 1868 arbeitete er in der Heimat die Er-
gebnisse der australischen Beobachtungen aus, und 1871 verfaßte er gemeinsam mit
W. v. Freeden, der 1868 die »Norddeutsche Seewarte« ins Leben gerufen hatte,
den Plan für die Errichtung einer Reichs-Seewarte. Wie in den Träumen von 1848,
so bildeten nun in der machtvoll erblühten Wirklichkeit Seeverkehr und Seegewalt
naturgemäß eine Aufgabe und ein Symbol des Reiches, der nationalen Einheit; und
gebend und empfangend sollte mit ihnen die Wissenschaft vom Meere, von den
Seewegen, von Sturm und Wetter vorwärts schreiten.
Durch das lebhafte Interesse, das der erste Chef der Kaiserl. Admiralität,
A. v. Stosch, an Neumayers Plänen nahm, wurden diese schnell gefördert. Eine
der ersten Früchte der Berufung Neumayers in das Hydrographische Bureau,
die im Juni 1872 erfolgte, war 1873 die Gründung dieser Zeitschrift, zuerst
unter dem Titel »Hydrographische Mitteilungen«, der im April 1875 in den jetzigen
verwandelt wurde, Eine zweite Frucht war die wissenschaftliche Weltreise
S. M. S. »Gazelle«, 1874 bis 1875. Die dritte die Gründung der Deutschen See-
warte 1875 durch Übernahme und völlige Umgestaltung des Freeden’schen
Institutes,
Die weitere Entwickelung ist in zu frischer Erinnerung, als daß deren
Beschreibung und eine Aufzählung der Tatsachen hier not täte. In den letzten
Jahren hat der greise Gelehrte mit bewundernswerter Frische durch größere
Publikationen auf mehreren Gebieten, wo ihm bis dahin die Muße dazu gefehlt
hatte, das Fazit seiner Lebensarbeit gezogen. So hat er schon im Jahre 1901,
als seine mehr als vierzigjährige Werbearbeit für die Südpolarforschung durch
die gleichzeitige Entsendung der deutschen und verschiedener anderen Südpol-
expeditionen von Erfolg gekrönt wurde, seine Vorträge und Denkschriften über
diesen Gegenstand in einem Buche »Auf zum Südpol« zusammengefaßt, Besonders
aber hat er seit seinem Rücktritt von der Leitung der Deutschen Seewarte im
Jahre 1902 in seiner Heimat, der schönen Rheinpfalz, die endlich erlangte Muße
zum Abschluß älterer Untersuchungen verwendet: so sind die Ergebnisse seiner
Pendelbeobachtungen von Melbourne im Jahre 1902 in den Abhandlungen der
K, bayerischen Akademie der Wissenschaften und diejenigen seiner erdmagnetischen
Vermessung der bayerischen Rheinpfalz aus den Jahren 1855/56 in den Mit-
teilungen der Pollichia 1905 erschienen.
Auch können wir den Jubilar zur vor kurzem erfolgten Vollendung der
dritten Auflage seines berühmten Sammelwerkes » Anleitung zu wissenschaftlichen
Beobachtungen auf Reisen« beglückwünschen, dessen Zustandebringen die Über-
windung großer, besonders durch den Tod einer Reihe von Mitarbeitern erwachsener
Schwierigkeiten erforderte. Wir hoffen, daß der Jubilar uns auch noch mit
einer Niederschrift der Erinnerungen aus seinem so überaus reichen Leben,
in dem er mit so vielen bedeutenden Menschen in Beziehungen getreten ist,
beschenken werde,
Möge Exzellenz v, Neumayer noch manches Jahr in der bisherigen
Rüstigkeit sich an dem Wachstum der Keime, die er gelegt, und an der Erfüllung
dessen, was er als Jüngling herbeigesehnt, erfreuen!
Die Deutsche Seewarte.