256 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1906.
Wetter kalt, meist heiter und trocken. Mit dem Herannahen des Minimums
tritt Zunahme der Bewölkung, im Westen gegen Abend Niederschlag ein. Am
12. morgens liegt das Minimum mit einem Barometerstand unter 720 mm über
dem Skagerrak, seinem Einfluß ganz Europa unterwerfend. Hochdruck lagert
über Spanien (Typus V). An der Küste treten stürmische westliche Winde
auf, die beim weiteren Vorrücken der Depression und gleichzeitiger Aus-
breitung des Hochdruckgebietes in nordöstlicher Richtung nach Nordwesten
drehen und an der Nordseeküste von orkanartiger Heftigkeit sind, Am 12.
und 13. treten an der Nordseeküste gewaltige Sturmfluten ein, die an den
künstlichen und natürlichen Schutzwällen, den Deichen und Dünen, schweren
Schaden anrichten. — Am 14. liegt das Minimum über dem Bottnischen Meer-
busen, während ein Teilminimum über Irland nach dem Kanal vorgedrungen
ist. Das Wetter ist wolkig und ziemlich kalt. Das Teilminimum rückt süd-
Östlich weiter. In den nächsten Tagen liegt hoher Druck über Spanien,
während eine am 15, nordwestlich Schottlands erschienene Depression ostwärts
vorrückt und Ausläufer über der Ostsee aufweist, Das Wetter ist in diesen
Tagen bei westlichen Winden trübe, regnerisch und warm. — Am 18. bildet
sich Typus V in Typus I um, da an diesem Tage westlich von Irland ein
neues Hochdruckgebiet erscheint, das sich allınählich ostwärts ausbreitet und
den ganzen Westen des Kontinents unter seinen Einfluß bringt. Während das
nördliche Minimum vom 18. bis 22, seinen Ort in Nordwestrußland nur wenig
verändert, bildet sich im Süden eine neue Depression mit einem Minimum über
dem Mittelmeer aus. Das Wetter ist in diesen Tagen, dem Charakter des
Typus I entsprechend, bei meist nördlichen feuchten Winden, wolkig und kalt,
Am 28. verschwindet das nördliche Minimum, das südliche rückt erst
ostwärts, dann nordwärts vor, so daß es am 24, über Norddeutschland
(Pommern) liegt gegenüber Hochdruck über den britischen Inseln und Innen-
rußland. An der Nordsee wehen frische bis starke nördliche, an der Ostsee
östliche und nordöstliche Winde, die mit Schneefällen verbunden sind (Hamburg,
Swinemünde 6 cm Schneehöhe). Am 25. hat sich die Depression über ganz
Mitteleuropa ausgebreitet und zeigt Teilminima über Holstein, über Polen und
der Lombardei, An der Küste herrscht bei veränderlichen Winden vielfach
Schneegestöber.
Am 26. erscheint im hohen Norden ein neues Minimum, das in den
nächsten Tagen ostwärts vorrückt, Mitteleuropa steht an diesem Tage noch
unter depressionalem Einfluß, doch beginnt das Wetter etwas aufzuklaren, da
das Hochdruckgebiet sich südostwärts ausbreitet. Bis zum Schluß des Monats
steht die Witterung der westdeutschen Küste unter der Herrschaft des Hoch-
druckgebietes, das mit seinem Kern über den britischen Inseln lagert. Die
Ostseeküste dagegen tritt am 28, in den Bereich einer von Norden südostwärts
sich ausbreitenden Depression, die am 28. ein Minimum über dem Finnischen
Busen, am 30. ein neues bei den Lofoten zeigt, das am 31. über Nord-
skandinavien liegt. Dieser Luftdruckverteilung entsprechend wehen an der
westdeutschen Küste nordwestliche, an der Ostseeküste veränderliche Winde
bei niedrigen Temperaturen und Schneefällen an der Ostseeküste. Bei dem
tieferen Eingreifen der nördlichen Depression nach Deutschland tritt an der
Nordseeküste am Schluß des Monats Erwärmung ein,
Im ganzen war der Monat März an der Nordseeküste trockener als der
Durchschnitt; an der Ostseeküste dagegen war der Niederschlag zu reichlich,
Die Temperaturmittel zeigen sehr wenig Abweichung von den langjährigen
Mitteln.
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