Kleinere Mitteilungen.
249
6. Ansteuerung und Lotsenwesen für Cienfuegos.-: Von dem Kom-
mandanten S. M.S, »Bremen«, Herrn K.-Kapt. Richard Koch, geht der Deutschen
Seewarte folgende Berichtigung zu dem Artikel über Cienfuegos in »Ann.,
d. Hydr., usw.« 1902, S, 106 zu. Der letzte Satz des Absatzes Ansteuerung
muß lauten: Nur an der Westkante der Bank liegt eine 3.6 m-Stelle, die
durch eine Glockentonne bezeichnet wird. Unter Lotsenwesen muß es
heißen; Sie (die Lotsen) kommen den Schiffen mit einem kleinen Ruderboote
mit blauer Flagge, in die ein weißes P eingezeichnet ist, entgegen, Hr.
7. Schiffsfender aus Rohrgeflecht. Als Ersatz für den allbekannten
Korkfender ist von der Firma J, M. W, Heitmann, Hamburg, ein Fender
aus spanischem Rohr (Rotang oder Rattans) in den Handel gebracht worden,
der sich bereits vielfach gut eingeführt hat. Der Rohrfender, in Deutschland
und England patentiert, ist als Handfender um eine galvanisierte kleine Eisen-
scheibe, in deren Mitte eine kurze Kette befestigt wird, lagenweise geflochten.
In eine Kausch am Ende des Kettenstückes splißt man den einen Tamp des
Haltetaues ein, Die großen an zwei Tauen über die Seite zu hängenden Fender
sind ebenfalls schichtweise übereinander geflochten, durch die Mitte geht eine
starke Eisenstange, in deren als Augbolzen geformte Enden um eine darin
fassende Kausch die Tampen der beiden Haltetaue gesplißt sind. Diese stabile
Anordnung allein schon, die den Haltepunkt in das Innere des Fenders ver-
legt, bedingt für ihn eine bedeutend längere Lebensdauer als die Korkfender,
deren ‘Halt allein in der äußeren, den Korkballen umgebenden und zusammen-
haltenden Matte beruht. Wenn die Matte zerdrückt oder stark beschädigt
ist, reißt auch das Auge mit der Kausch gewöhnlich aus, und der Korkfender
ist unbrauchbar geworden, Selbst wenn der Rohrfender stark zerdrückt und
die obere Schicht oder mehrere Schichten beschädigt sind, ist er doch immer
noch brauchbar und kann leicht repariert werden, indem das äußere Flecht-
werk erneuert wird. Die Hauptvorteile des Rohrfenders gegenüber seinem
älteren Nebenbuhler bestehen in der bedeutend größeren Leichtigkeit, auch
saugt er sich, bei ausgezeichneter Schwimmfähigkeit, nicht voll Wasser, wird
infolgedessen nicht schwerer, wenn er naß geworden ist, trocknet ‚außer-
ordentlich schnell, verrottet deshalb auch nicht und hält sich länger. Seine
Elastizität ist eine ganz außerordentliche, und der Schutz, namentlich bei
kleineren Fahrzeugen, für die Schiffswände ist deshalb auch recht beträchtlich.
Auch wenn er vollkommen platt gedrückt würde, hört seine schützende
Eigenschaft nicht wie bei dem alten Korkfender auf. Der einzige Nachteil,
der ihm nachgesagt werden kann, besteht in der Eigenschaft, daß er wegen
seiner ungemein großen Elastizität und äußeren Glätte leicht abgleitet, »er
faßt schwer« zwischen den sich nähernden zusammenstoßenden Schiffsteilen.
Dem ist durch eine äußere umhüllende Kajarmatte abgeholfen, so daß er,
damit ausgerüstet, ebenso gut »greift« wie ein gewöhnlicher Korkfender. Die
großen Fender mit doppelten Tragtauen bilden einen ausgezeichneten Schutz
für die Bordwand längsseits einer Pier oder einem Wellenbrecher in bewegter
See, wobei trotzdem gelöscht oder geladen werden muß (La Guayra). Auch
für Schiffe auf See und auf Reeden, die Bord an Bord eine Zeitlang liegen
müssen, hat er sich bereits bewährt, z. B. bei der Kohlenübernahme von Kriegs-
schiffen. Holzfender sind bekanntlich ein sehr zweifelhafter Schutz und wegen
ihrer bedeutenden Schwere für die meist aus nur einem oder zwei Mann be-
stehende Wache gar nicht immer zu verfahren, was doch mitunter notwendig
ist. Der größte Rohrfender wiegt dagegen nur 50 kg. ; |
Alten Ostindienfahrern ist der Rohrfender bereits seit ihrer Jugend
bekannt, er wird von den Malaien geflochten; seine Haltbarkeit war‘ aber
deshalb eine beschränkte, weil das Auge, das in das Haltetau faßte, auch nur
in der äußeren Umflechtung befestigt war und deshalb leicht schadhaft wurde.
Der Preis ist etwas höher wie der des gewöhnlichen Korkfenders, trotzdem dürfte
er sich wegen seiner längeren Lebensdauer und sonstigen Vorteile im Betriebe
auf die Dauer billiger gestalten und sich einbürgern,
Frhr. v. Schrötter.