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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1906. 
Am 11. März, von Mitternacht bis 4% V. ist der Wind etwas flauer und 
hält sich zwischen N und NNW. Bei Tagesanbruch steht im NW eine starke 
Bewölkung, das Barometer ist um 8% V, auf 755 mm zurückgegangen, und 
heftige Böen setzen ein. Um 4% N, ist das Barometer um 1 mm gefallen und 
der Wind in seiner Stärke sehr veränderlich geworden. Die ganze Nacht 
wehen schwere Böen aus NW, 
Am 12. März, 8% V., Barometer 753 mm. Bis Mittag orkanartige Böen 
aus NW; 122 mittags, Barometer 753 mm, der Orkan erreicht seinen Höhe- 
punkt. Auf dem äußeren Riffe erreicht die Brandung eine solche Höhe, daß 
die Kämme der einzelnen Brecher über den Kronen der Kokospalmen sichtbar 
werden, von denen viele entwurzelt werden. Charakteristisch ist das stoßweise 
Wehen des Sturmes in Böen von ganz unerhörter Gewalt. Am Himmel beob- 
achtet man, wie die Böen rasend schnell herankommen, wobei man eine 
rotierende Bewegung derselben deutlich wahrnehmen kann. Das Einsetzen der 
Bö erfolgt, sobald dieselbe etwa 40° über dem Horizonte steht, und das Ende 
einer jeden ist dabei stärker als das Zentrum selbst. Zwischen den einzelnen 
Windstößen klart es auf, und obgleich dann noch ein schwerer Sturm weht, 
erscheint es im Vergleich zu den Böen verhältnismäßig ruhig. 
Dieser Zustand dauerte ohne Unterbrechung bis Montag den 13, um 
Mitternacht, zu welcher Zeit das Barometer allmählich auf 754.5 mm stieg und 
es stetig aus West zu wehen anfing unter langsamem Abnehmen der Windstärke. 
Am 14, um Mitternacht holte der Wind nach SW, das Barometer stieg 
von 4b V. bis Mittag von 755 mm auf 758 mm. Am 15. war wieder ruhiges 
Wetter, Barometerstand 759 mm. 
Das Abreiten eines Sturmes vor Anker ist im ganzen Paumotu-Archipel 
sehr gefährlich, jedenfalls muß man bei der Wahl des Ankerplatzes den 
Grundverhältnissen die größte Aufmerksamkeit schenken. Man findet entweder 
glatten, mit einer Sandschicht bedeckten Korallengrund, in dem kein Anker 
hält oder Korallengrund mit Erhöhungen (Korallenhügel). Faßt der Anker 
hinter einer solchen, so hält er gut. Hat man dann, wie üblich, dreimal so 
viel Kette gesteckt, als Wassertiefe ist, so schwait das Schiff, die Kette wird 
über den Grund gezogen, kommt von neuem hinter einer Erhöhung unklar, 
und man ist gezwungen immer mehr Kette zu stecken. Der Erfolg wird aber 
immer derselbe sein, die Kette wird haken, steifkommen und bei dem geringsten 
Drucke brechen. Deshalb ist es vorzuziehen, mit Stahltrossen an den Korallen- 
klippen zu vertäuen, — ich hatte während des Sturmes fünf derselben in 
Gebrauch —; dieselben sind beim Umspringen des Windes leicht zu lösen 
und wieder zu befestigen. . 
In Katiu und Fakarava sank das Barometer am 12, auf 751 mm; beide 
Inseln, ebenso wie Niau, wurden teilweise arg verwüstet und an den Kokos- 
pflanzungen und Häusern großer Schaden angerichtet. v. d. B. 
2. Taifun in der südlichen Formosa-Straße am 1. und 2, Juli 1905. 
Mitgeteilt von Herrn B. Franßen, IV. Offizier an Bord des D. »Rhein«, 
Auf einer Reise von Nagasaki nach Colombo am 30. Juni nachmittags, 
etwa 36 Stunden vor Auftreten des Taifuns, als wir uns auf 29° N-Br. und 
124.7° O-Lg. etwa 600 Sm nordöstlich von der Formosa-Straße befanden, 
wurden am Himmel die ersten Anzeichen einer atmosphärischen Störung in 
Gestalt langgestreckter Cirri beobachtet, die sich außergewöhnlich schnell am 
Himmel bewegten. Der Barometerstand war vorläufig noch normal oder für 
diese Jahreszeit im Südwest-Monsun verhältnismäßig hoch (757 bis 758 mm) und 
ließ noch keinerlei Anzeichen einer atmosphärischen Depression erkennen. 
Auffällig an der Witterung war schon der überaus große Feuchtigkeitsgehalt 
der Luft, der auch noch späterhin, nachdem am Abend einzelne leichte Regen- 
schauer niedergegangen waren, bemerkbar war. Die Kimm war leicht diesig. 
Bis Mitternacht hielt diese Witterung an, weitere Anzeichen eines kommenden 
Taifuns konnten bis zu diesem Zeitpunkt nicht festgestellt werden. 
Nach Mitternacht, als wir uns auf 27° N-Br. und 122° O-Lg. befanden, 
klarte der Himmel, der während der vorhergehenden Abendwache schaurig 
bewölkt gewesen war, wieder vollständig ab. Obwohl der Himmel abklarte — 
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