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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Meinardus, W.: Periodische Schwankungen der Eistrift bei Island. 239 
Eine weitere Bestätigung für die enge Beziehung zwischen der Eistrift- 
periode bei Island und der Periode der Luftdruckgradienten über den nörd- 
licheren Teilen des Polarstroms möchte ich darin sehen, daß nach W. Brennecke‘) 
lie Größe der Luftdruckdifferenz zwischen 70° N-Br., 20° W-Lg. und 70° N-Br., 
20° O-Lg. in dem Quartal März bis Mai von ausschlaggebender Bedeutung 
für die Lage der Eisgrenze im ostgrönländischen Meere ist. 
Nach unseren obigen Ausführungen hat im Mittel der Luftdruck- 
yradient über dem Polarstrom in 70° Br. seinen größten Wert im März— April. 
Um diese Zeit würde also auch, wenn unsere Schlußfolgerungen richtig waren, 
die Höhe der Eissaison in dieser Breite eintreten, oder anders ausgedrückt, 
die Lage der Eisgrenze im Mittel ihre größte östliche Elongation haben, was 
übrigens auch durch die Untersuchungen Ryders direkt nachgewiesen ist.?) 
In voller Übereinstimmung damit steht Brenneckes Satz, daß bei über- 
normalen Luftdruckgradienten die Eisgrenze östlicher, bei unternormalen da- 
vegen westlicher als gewöhnlich verläuft. 
So wird auf einem ganz unabhängigen Wege dargetan, daß mit der 
Größe der Luftdruckgradienten sowohl im Mittel wie auch in den einzelnen 
Jahren der Verlauf der Eistrift im ostgrönländischen Meere aufs engste 
zusammenhängt. 
Daß noch eine Reihe anderer Faktoren, in erster Linie die jährliche 
Temperaturperiode, für die Gestaltung des jährlichen Ganges der Eistrift von 
Bedeutung sind, dürfte aus den obigen Betrachtungen zur Genüge hervor- 
gehen. Insbesondere werden diese Faktoren in der zweiten Hälfte des Jahres 
wirksam und überwuchern die Besonderheiten, die sich in der jährlichen 
Periode der Luftdruckgradienten um diese Zeit des Jahres geltend machen. 
Die Kurve der Eishäufigkeit bei Island zeigt dann keine Beziehung mehr zu 
jen Luftdruckgradienten über dem Polarstrom. (Schluß folgt.) 
Die Witterung zu Tsingtau im September, Oktober und November 1905, 
nebst einer Zusammenstellung für die vier Jahreszeiten und das Jahr 
Dezember 1904 bis November 1905. 
Bericht der Kaiserlichen Meteorologisch-astronomischen Station zu Tsingtau. 
Die folgende Tabelle enthält die meteorologischen Beobachtungen aus 
Tsingtau sowohl für die Monatsdrittel als auch für die ganzen Monate 
September, Oktober und November 1905, nebst einer Zusammenstellung für 
die vier Jahreszeiten und das Jahr Dezember 1904 bis November 1905, (Die 
Berechnung der »Allgemeinen Luftbewegung« für die einzelnen Zeitabschnitte 
ist unter Zugrundelegung der Windbeobachtungen an den drei Terminen eines 
jeden Tages — vgl. »Ann. d. Hydr. usw.« 1900, S. 63 — auf der Deutschen 
Seewarte eingefügt worden, dsgl. der Bericht über das Jahr.) 
September 1905. Der Monat September zeigte sich mit Ausnahme 
weniger Tage von einer sehr unfreundlichen Seite. 
Die Temperatur der Luft fiel infolge heftiger nördlicher Winde einige 
Male plötzlich um mehrere Grade; beispielsweise vom 14. zum 15, um 8.5°, 
Jann wieder vom 26. zum 27. um 4.3°. Vorher oder nachher trat noch als 
Begleiterscheinung regnerisches Wetter auf. 
{m Durchschnitt betrug die Tagestemperatur 21.0°%, das ist das bisher 
in diesem Monat beobachtete niedrigste Mittel. Große Abweichungen zeigten 
auch die Extremthermometer. Während das Maximumthermometer mit 31.0° 
am 14, um etwa 2° höher stand als in früheren Jahren, zeigte das Minimum- 
thermometer mit 11.0° am 28. etwa 2.,5° weniger als das entsprechende Mittel 
im selben Monat der Vorjahre. , 
‘) W, Brennecke, Beziehungen zwischen der Luftdruckverteilung und den Eisverhältnissen 
des ostgrönländischen Meeres. »Ann, d. Hydr. usw.« Bd. 32, 1904, S. 49—62. 
2) C. Ryder, Isforholdene i Nordhavet. 1877—1892. Kopenhagen 1896.
	        
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