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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

236 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1906, 
umgekehrt mit den von Süden und Osten her vorrückenden Wärmewirkungen 
die Eissaison an der Außenseite des ostgrönländischen Stromes früher beendet 
sein als in den Küstengebieten, welche, abgesehen von einem schmalen Küsten- 
streifen festländischen Süßwassers, perennierende Eisverhältnisse aufweisen. 
Je weiter ein Punkt von der grönländischen Küste entfernt ist, desto kürzer 
die Dauer der Eissaison. 
Der zweite Faktor,. der neben der Temperatur einen wesentlichen Ein- 
fluß auf den Verlauf der Eistrift haben muß, ist die jährliche Periode, der 
Strömungsgeschwindigkeit. Je größer letztere ist, desto mehr Eis wird aus dem 
Nordpolargebiet herausgeführt, desto weiter kann es unter sonst gleichen Ver- 
hältnissen in die Gebiete, wo die Eisschmelze vor sich geht, vordringen. Der 
Höhepunkt der Eissaison mag erreicht werden ungefähr zu der Zeit, in der 
die Strömung ihre größte Geschwindigkeit hat, vorausgesetzt, daß die gleich- 
zeitigen Temperaturverhältnisse der Eisausbreitung nicht entgegenwirken. 
Um die Frage nach der jährlichen Periode der Geschwindigkeit des 
Polarstroms, über welche keine ausreichenden Messungen vorliegen, zu 
beantworten, bin ich von der naheliegenden Voraussetzung ausgegangen, daß 
die Stärke der in die Richtung der Strömung fallenden Komponente der 
mittleren Windrichtung, also auch die Steilheit des nahezu quer gegen die 
Strömung gemessenen Luftdruckunterschiedes einen Maßstab für die Strömungs- 
geschwindigkeit geben müssen. Ich habe daher die Größe dieser Luftdruck- 
differenzen in den verschiedenen Teilen der polaren Strömung für die einzelnen 
Monate des Jahres bestimmt, wozu die von Mohn veröffentlichten neuen 
Isobarenkarten für das Nordpolargebiet eine gute Unterlage geboten haben.) 
Außerdem konnten die von Rung veröffentlichten Luftdruckwerte für einzelne 
Schnittpunkte der Breiten- und Längengrade benutzt werden.) 
Die Luftdruckwerte wurden für passend ausgewählte Punkte des Grad- 
netzes durch Interpolation zwischen den Isobaren bestimmt, und dann die 
Luftdruckdifferenzen in der Richtung quer gegen die Strömung gebildet. Um 
die Differenzen, die sich auf verschieden lange Strecken bezogen, miteinander 
vergleichbar zu machen, wurde die Reduktion auf die Länge eines Aquator- 
grades (111.3 km) vorgenommen. Die Zahlen der Tabelle XI und die Ordinaten 
der Tafel 18 bezeichnen also Werte von Luftdruckgradienten®) in der Richtung 
der Verbindungslinie der angegebenen Punktpaare. In der Tabelle sind nur 
die ausgeglichenen Werte mitgeteilt, auf der Tafel bezeichnen die punktierten 
Linien den Verlauf der unausgeglichenen, die ausgezogenen den der aus- 
geglichenen Werte. Für die nördlichsten Punkte sind die Luftdruckangaben 
nicht sicher genug, um eine Darstellung der unausgeglichenen Werte zu recht- 
fertigen. Die Wertreihen sind so angeordnet, wie sie längs des Stromes von 
Norden nach Süden aufeinanderfolgen. 
Tabelle XL 
Luftdruckgradienten über dem ostgrönländischen Polarstrom. 
(Ausgeglichene Werte in Millimetern.) 
90- N—80+ x 50°C 
8557 N 20° W—809 N 10°C 
80? N 20° W—80? N 10°C 
809 N 20° W—75° N 10°C 
75° N 20° W—757 N 10° 0 
7590 N 20° W— 7021 5 
09N 20° WI 
70° N 20 W657 N 
L. 
; . : l 
1. HE’ IV. V. VL. YII. VIIL!IX.: X. XL XI 
0.56 0.52 0.48 0,35 0.11 -- 0.08 —0.10% 
0.70 0.50 0.42 0.27 —0.08 —0.32* — 0,23 
0.58 0.44 0.42 0.26 —0.10 —0.30* —0.16 
068 0.65 0.59 0.390 011 —007%* 0.07 
0.44 0.56 0.60 6.40 0.11 -—0.07* 0,05 
0.68 0.73 0.65 0.46 06.26 0.12* 0,21 
0.34 0.46 0.50 0.45 0.26 0.06% 0.15 
0.16 0.20 0,32 0.39 0.20 0.13* 017 
0,00 0.18 0.35 0.48; 0.55 
—0.03, 0.19° 0.42. 0.58; 0.75 
0.04 0.20° 0.40 0.60 0.70 
4.21 0.30 0.47. 0,65: 0.72 
14,19 0,25.0,39 0,51 0.47 
0,33 0.34 0.46: 0.60 0.65 
0.30 0.31 0.39 0.47, 042 
0.24 0.23 0.31' 0.39 0.29 
1) H. Mohn, Meteorology. The Norwegian North Polar-Expedition 18593—96. Kristiania 1905. 
2) G. Rung, R6partition de la pression atmospherique sur l’ocdan atlantique septentrionale ete, 
Kopenhagen 1894. Auch »Met. Ztschr.«, Bd. 12, 1895, Lit, Ber. 8, 5. 
3) Die hier der Kürze wegen als Gradienten hezeichneten Werte sind, wie aus den Be- 
merkungen über ihre Berechnung hervorgeht, keine Luftdruckgradienten, die senkrecht auf den 
Isobaren stechen, sondern annähernd senkrecht zur Meeresströmnung gemessene Komponenten 
solcher Luftdruckegradienten.
	        
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