Meinardus, W.: Periodische Schwankungen der Kistrift bei Island. 235
wird neuerdings von Nielsen bestritten.!) . Nur ganz selten treibt etwas Eis
bis zur Westküste in die Faxe-Bucht, noch. seltener in die Brede-Bucht. In
allen Fällen kommt das Eis, das sich am Südland zeigt, von Osten, nicht von
Nordwesten her, der Irminger-Strom hält in dieser Richtung das Meer eisfrei,
In der Regel ist der Verlauf der Eissaison an der Küste Islands der-
artig, daß zuerst das Nordkap, dann Teile der Nordküste und endlich auch
die Ostküste Islands von Eis besetzt werden. Es ist. ein von Westen nach
Osten fortschreitender Vorgang, wie es der Richtung der ‚rechtsdrehenden
Strömungen entspricht. Seltener sind die Fälle, in denen das Nordkap und
die Küste bis zu Langanäs, vielleicht infolge einer Verstärkung des Irminger-
Stromes, eisfrei bleibt, während dem östlichen Teil der Insel durch den Polar-
strom. Eismassen zugeführt werden.)
Das Verschwinden des Eises im Sommer findet meist in umgekehrter
Reihenfolge statt, wie es erschien, d. h. zuerst wird die Südküste, dann die
Ost- und schließlich die Nordküste eisfrei, Auch hiervon gibt es Ausnahmen,
Die örtliche Verteilung des Eises an den Küsten hängt sehr viel von dem
Verhalten ‘des Irminger-Stromes ab, wofür einige Beispiele angeführt seien.
Im April des eisarmen Jahres 1904 beherrschte, wie Nielsen nach-
gewiesen. hat,’) der Irminger-Strom nicht nur wie gewöhnlich die Westküste,
sondern auch die Nordküste bis über Langanäs hinaus und blieb in einem
schmalen Streifen längs der: Ostküste bemerkbar. In einem solchen Jahre
wird das kalte arktische Wasser von der Küste ferngehalten und diese hat
eine relativ hohe Temperatur auch während des Spätwinters.
In eisreichen Jahren wird aber der Ausläufer des Irminger-Stromes an der
Nordküste Islands durch die kalten salzärmeren eisführenden Polarwasser
überschwemmt. . Sein direkter Einfluß auf die Atmosphäre und die Witterung
Islands ist zwar beseitigt, jedoch übt er auch dann noch auf die Eisschmelze
seine Wirkung aus; denn man beobachtet auch in. eisreichen Jahren häufig
eine räumliche oder zeitliche Unterbrechung oder Lockerung der Eisbesetzung
der Nordküste. ;
Im eisarmen Jahr 1900 war im August die Temperatur der oberen
Schichten des Meerwassers nordwestlich und nördlich von Island höher als im
eisreicheren Jahr 1896 um dieselbe Jahreszeit, wie durch eine Vergleichung
der Messungen der »Michael Sars«-Expedition und der »Ingolf«-Expedition
hervorgeht. Der Irminger-Strom war 1900 stärker entwickelt als 1896.*)
-Die jährliche Periode der Eistrift bei Island, ohne Rücksicht
auf die örtliche Verteilung im ganzen hetrachtet, erreicht ihren Höhe-
punkt im April und Mai (vgl. Tab. I, S. 150). In diesen beiden Monaten pflegt am
häufigsten Eis an den Küsten Islands gesehen zu werden, Es drängt sich die
Frage auf, wodurch diese zeitliche Lage der Eisperiode bestimmt wird.
Von den verschiedenen Faktoren, welche die jährliche Periode der Eis-
führung des Polarstromes bestimmen, kommt sicherlich die jährliche. Periode
der Temperatur und die der Geschwindigkeit der Strömung in erster Linie
in Betracht.
Der Einfluß der Temperaturperiode macht sich, wie schon bemerkt, vor
allem in dem Sinne geltend, daß das.im Spätsommer im Nordpolargebiet
beginnende, nach Süden gerichtete Vordringen niedriger, unter dem Gefrier-
punkt liegender Temperaturen den Schmelzprozeß des Eises immer weiter nach
Süden hinausschiebt, Der Beginn der Eissaison erleidet nach Süden hin eine
fortschreitende Verspätung. Zugleich wird durch die vom Innern Grönlands
sich ausbreitende herbstliche Kältewelle eine Verbreiterung des Eisgürtels
nach Osten hin begünstigt, In den Küstengebieten des Polarstromes setzt die
Eissaison früher ein als auf offenem Meer. Am Schluß des Winters wird
) Nielsen, in der auf S. 229 unter 14, angeführten Abhandlung S. 28.
2) Th. Thoroddsen, Den grönlandske drifisen ved Island. Ymer 1884, S. 157—160.
— Segelhandbuch für die Insel Island, herausgegeben vom Reichs-Marine-Amt. Berlin 1899.
3,812. — C. Ryder, Isforholdene i Nordhavet. 1877—1892. 8.26. Kopenhagen 1895.
3) Nielsen in der auf S. 229 unter 14. genannten Abhandlung.
A Nansen in der auf S. 229 unter 9. angeführten Abhandlung S. 147.