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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

234 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1906. 
behauptet, von den norwegischen Hydrographen Hjort und Helland-Hansen 
bestritten. !) 
Daß in den Oberflächenschichten des Meeres Wasserversetzungen aus 
dem Bereich des ostgrönländischen und ostisländischen Stromes besonders 
regen die nördlich von Bodö (68° N-Br.) gelegenen Teile der norwegischen 
Küste häufig sind, beweisen die Triften zahlreicher Flaschenposten des »Ingolf« 
und der »Antaretiec«, die Ryder näher diskutiert hat,”) 
b. Die jährliche Eisperiode Islands und ihre Beziehungen zu den Strömungen. 
Die jährliche Eisperiode Islands und die örtliche Verteilung des Eises 
bei der Insel wird wesentlich bedingt durch die Eisverhältnisse des Ost- 
grönland-Stromes und durch die Strömungen in der Umgebung der Insel. 
Im Herbst führt der Ostgrönland-Strom in der Dänemark-Straße am 
wenigsten Eis; der Eisgürtel ist dann am schmalsten und die Küste am 
leichtesten zugänglich. Im Laufe des Sommers wird durch die vereinigte 
Wirkung der Sonnenstrahlung und der stark erwärmten Oberflächenwasser 
des Golfstromes und seiner Ausläufer sowie auch durch die Verminderung 
der Eiszufuhr aus dem Polarbecken die Eisgrenze auf der ganzen Linie immer 
weiter gegen Westen zurückgeschoben. Die mit dem Strom treibenden Eis- 
massen vermögen sich nur in der Nähe der Küste ‘zu halten, wo sie in 
kompaktere Massen zusammengedrängt der Schmelzwirkung der Sonne und 
der von Osten kommenden wärmeren Wasser besser widerstehen. Der Eis- 
yürtel bei Grönland ist um diese Jahreszeit so schmal, daß die Küsten Islands 
dann fast stets frei von Eis sind (vgl. Tabelle I). Bis zu diesem Monat ver- 
spätet sich die Summe der sommerlichen Wärmewirkungen und ihre Fort- 
pflanzung aus höheren Breiten bis in diese Gegenden, 
Der Prozeß der Verbreiterung des Eisgürtels im Herbst wird von Norden 
nach Süden hin fortschreiten mit dem in gleicher Richtung vordringenden 
herbstlichen Gefrierprozeß und mit der Zunahme der Triftgeschwindigkeit 
(s. unten). Die aus dem Nordpolargebiet herausgedrängten Eismassen werden 
sich schon Ende des Sommers wieder im nördlichen Teil des Nordmeeres aus- 
zubreiten beginnen, während gleichzeitig im Süden die Eisgrenze noch im 
Rückzuge begriffen ist. Aus diesem Gegensatz muß sich eine Art Eisfront 
entwickeln, die sich am Ende des Sommers, an Breite zunehmend, mit dem 
Polarstrom nach Süden hin vorschiebt. Der Beginn der Eissaison hängt davon 
ab, wann die vermehrte Eistrift Island erreicht. 
Welche Mächtigkeit und Ausdehnung die Eismassen annehmen, wird 
von den meteorologischen und hydrographischen Verhältnissen im hohen Norden 
und von der Eiszufuhr abhängen, 
In vielen Jahren, wenn Island eisfrei bleibt, ist offenbar die Eiszufuhr 
von Norden her so beschränkt, daß der Eisgürtel, der die ostgrönländische 
Küste begleitet, im Winter nicht breit genug wird, um die Dänemark-Straße 
auszufüllen, zumal hier sich auch der Einfluß des Irminger-Stromes geltend 
macht und das Eis von der westisländischen Küste fern zu halten sucht. In 
anderen Jahren wird nur das Nordwestkap der Insel und ihre Nordküste von 
Eis besucht. In schweren Eisjahren wird die Ostküste Islands von Eis besetzt, 
und in den schwersten (so 1881 und 1888) können Eismassen selbst bis an 
die Südküste und bis Reykjawik vordringen, sie werden hier allerdings unter 
dem Einfluß des warmen atlantischen Wassers stark gelockert und bald auf- 
yelöst. Daß der ostisländische Strom selbst bis an die Südküste Islands vordringt, 
+ 
!) F. Hjort, Forschungsfahrten auf nordischen Meeren. Zischr. d. Ges, f, Erdk. 1904, 5. 4544f. 
B. Helland-Hansen, Zur Ozeanographie des Nordmeeres, Publications de eireonstance No. 19. 
Kopenhagen 1904. 
2) €. Ryder, Nogle Havandersögelser over Havströmmene i Farvandene mellem Norge 
Skotland og (irönland. Nautisk Meteor. Aarb. 1901 und 1904, Kopenhagen 1902 und 1905- 
Von den zwischen 72° und 759 N-Br. und 5° bis 15° W-Lg. ausgeworfenen Flaschen sind 14 
wieder aufgefunden, und diese sämtlich nördlich von Bodö. Ryder möchte aus gewissen Indizien 
über die (feschwindigkeiten der Triften schließen, daß nördlich von 70-7 bis 717 ein Kreislauf des 
Wassers vom Osterönland-Strom nach der norwegischen Küste hinüberführt.
	        
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