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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Meinardus, W.: Periodische‘ Schwankungen der Eistrift. bei Island. 283 
nordwärts, biegt um das Nordwestkap der Insel (Kap Nord) nach Osten um, 
die Nordküste begleitend und den ostisländischen Polarstrom an seiner Süd- 
seite flankierend oder. unter ihm‘ verschwindend. (Östlicher Zweig des 
Irminger Stromes.) Die Ostküste Islands steht dagegen in der Regel unter 
dem unmittelbaren Einfluß eines nach Süden gehenden Zweiges des Polar- 
stromes, wie auch die Karte zeigt. Nur selten macht sich auch noch bis 
hierher der Einfluß des an der Nordseite fließenden Irminger Stromes geltend. 
Auf seinem weiteren Wege wird der ostisländische Polarstrom an 
der rechten Seite vom warmen Wasser des atlantischen Stromes begrenzt. 
Die Linien gleichen Wärme-Inhalts sind über der die Wasser scheidenden Bank 
zwischen Island und Färöer so dicht zusammengedrängt, daß der Maßstab der 
Karte auf Tafel 17 und selbst der dreimal größere Maßstab der Arbeitskarte, 
in welche die einzelnen Wärmewerte eingetragen wurden, nicht ausreicht, um 
die Linien getrennt zeichnen zu können. Die Grenze zwischen den beiden 
Wasserarten verläuft in fast gerader Richtung gegen den Nordabfall der 
Färöer-Bank. Südlich von ihr ist ein schmaler Streifen erkennbar, in welchem 
eine Vermischung oder wechselseitige Durchdringung der Wasserarten statt- 
findet. Die dargestellten Ein- und Ausbuchtungen der Linien von 8° und 9° 
mittlerer Temperatur zeigen, daß an der Ostküste Islands und halbwegs 
zwischen Island und Färöer ein Vordringen arktischen Wassers nach Süden 
die Regel‘ ist, während dazwischen und westlich von Färoer das atlantische 
Wasser das Übergewicht hat. Es entpricht dies u. a. den hydrographischen 
Befunden der Ingolf- und der Michael-Sars-Expedition. ‚Daß die gezeichneten 
Krümmungen der Wärmelinien, wohl durch. das unterseeische Relief beeinflußt, 
oft an derselben Stelle auftreten, scheint sich aus einem Vergleich der Haupt- 
karte mit den Karten für Mai 1903 und mit (hier nicht wiedergegebenen) Karten 
vom August 1902 und August 1903 zu ergeben, soweit Beobachtungen in 
diesem Meeresgebiet für jene Monate vorliegen, 
. In dem Färöer-—Shetland-Kanal sieht man ebenfalls häufig eine Zunge 
kälteren Wassers (und geringeren Salzgehalts) nach Süden vordringen. Der 
Hauptast des Golfstromes hält sich dagegen mehr an der Ostseite des Kanals, 
Die hydrographischen Untersuchungen auf den schottischen Terminfahrten 
haben im Jahre 1902 und 1903 dieses entgegengesetzte Verhalten zu beiden 
Seiten dieser Meeresstraße näher beleuchtet.!) 
Die Hauptwassermasse des ostisländischen Stromes nimmt die Richtung 
auf die norwegische Küste. Ein Teil scheint, sich dem norwegischen Strom 
anschmiegend, nach Norden, also nach links, umzubiegen, wobei sich die 
zharakteristischen Eigentümlichkeiten des Stromes in den Schichten, für die 
unsere Darstellung gilt, durch Vermischung verlieren, Auch auf den Karten 
für Mai 1903 und Mai 1904 (Tafel 17) ist die typische Linksschwenkung des 
Polarstromes nordöstlich von Färöer aufs deutlichste ausgeprägt. Im einzelnen 
zeigen sich im Linienverlauf Unterschiede, die darauf hindeuten, daß das Vor- 
dringen des ostisländischen Stromes gegen die norwegische Küste im Mai 
stärker ist als im Sommer (vgl. Hauptkarte) und im Mai 1903 wiederum 
stärker war als im Mai 1904, Jenes Jahr war ein normales Eisjahr, 1904 ein eis- 
armes Jahr bei Island. Unter 65° Br. lag im Mai 1903 die Linie von 
600000 kg-cal Wärme-Inhalt um 4 Längengrade östlicher als wie durchschnittlich 
im Sommer. Der Wärme-Inhalt einer Wassersäule von 50 bis 150m war z.B. 
in 65° N-Br., 0° Lg. um mehr als 200 000 kg-cal kleiner als im Sommer, Die 
Energie der Bewegung des ostisländischen Stromes gegen die mittlere nor- 
wegische Küste im Mai 1903 scheint fast mit der des Golfstromes zu wetteifern. 
Der Hauptteil des ostisländischen Stromes muß bei dem Zusammen- 
treffen mit dem Golfstrom in die Tiefe sinken. Daß arktisches Wasser ge- 
iegentlich in der kälteren Jahreszeit den Golfstrom überflutet und gegen die 
norwegische Rinne und das Nordseeplateau vordringt, wird von Pettersson 
. 8%. Helland-Hansen, Report on_hydrographical investigations in the Faeroe Shetland 
«haunel and the northern part of North Sea in the year 1902, S. 11. North Sea Comittee Report. 
London 1905. A.J. Robertson, Report on hydroer. investigations ete. in 1903. Ebenda. 
AxN
	        
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