298 ” Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1906.
breitung der Organismen an der Meeresoberfläche wesentlich von sekundären
Einflüssen der genannten Art abhängen, so wird doch das allgemeine Strömungs-
bild nicht rein zum Ausdruck kommen, wenn sich die Darstellung an die
physikalischen Eigenschaften des Oberflächenwassers bindet. ,
Um ein getreueres kartographisches Abbild von den Strömungsvorgängen
zu erhalten, ist es notwendig, die dünne, durch Sonnenstrahlung erwärmte,
durch Winde hin und her bewegte, durch Küstenwasser angesüßte Wasser-
haut, die den spezifischen Charakter der Meeresgebiete verdeckt, zu entfernen.
Die nächstliegende Methode ist daher offenbar die, daß man die Verteilung
der hydrographischen Elemente in einer gewissen Tiefe darstellt, in welche
die genannten sekundären Einflüsse gar nicht oder wenigstens stark ab-
geschwächt hinabreichen. Die Polarströmungen, um die es sich bei unserer
Darstellung vor allem handelt, der ostgrönländische und ostisländische Strom
haben eine Mächtigkeit von etwa 150 bis 200 m. Bis zu dieser Tiefe reicht,
abgesehen von der Oberfläche, die charakteristische niedrige Temperatur von
unter 0° und der niedrige Salzgehalt von weniger als 35%. Der Atlantische
Strom und seine Ausläufer haben, solange sie Oberflächenströme sind, eine
weit erheblichere Tiefe, Man kann daher annehmen, daß die Verteilung der
hydrographischen Elemente in 100 m Tiefe einen prägnanten Ausdruck für
die Ausdehnung und Bewegungsrichtung der heterogenen Wassermassen liefert,
und daß man durch die Zeichnung von Isothermen und Isohalinen für dieses
Niveau ein charakteristischeres Strömungsbild bekommt, als für die Meeres-
oberfläche. Der Vorteil einer solchen Darstellung ist an den von Schott
gezeichneten, für verschiedene Tiefen geltenden Isothermenkarten des Atlan-
tischen und des Indischen Ozeans deutlich geworden.!) Diese Karten haben
wesentlich zur Veranschaulichung der Bewegungsverhältnisse in den oberen
und unteren Schichten des Meeres beigetragen.
Um noch schärfer die Eigentümlichkeiten der verschiedenen Strömungen
hervorzuheben, habe ich nicht die Verteilung der Temperatur in einem be-
stimmten Niveau dargestellt, sondern die horizontale Verteilung der
Wärmemengen, die in der Schicht zwischen 50 und 150 m Tiefe ent-
halten sind. Der Wärmeinhalt einer solchen Schicht von 100 m Mächtigkeit
muß noch deutlicher als die Temperatur einer einzigen Niveaufläche in dieser
Schicht den thermischen Charakter des Stromkörpers zum Ausdruck bringen.
Die Berechnung der Wärmemengen, die in einer Wassersäule von einem
Quadratmeter Querschnitt zwischen 50 und 150 m Tiefe enthalten sind, läuft
auf eine Bestimmung der mittleren Temperatur dieser Schicht hinaus. Diese
konnte aus den Temperaturwerten für die Tiefen von 50, 100 und 150 m mit hin-
reichender Genauigkeit bestimmt werden, wobei der Temperatur in 100 m
Tiefe das doppelte Gewicht gegeben wurde, Die für die Temperatur der
Schicht gefundene Zahl gibt mit 100000 multipliziert den Wärmeinhalt in
kg Cal. für eine Wassersäule von 1qm Querschnitt in der Schicht zwischen
50 und 150 m Tiefe unter der Voraussetzung an, daß man den Wärmeinhalt
einer Wassersäule von 0°C. gleich Null setzt und als spezifische Wärme des
Wassers den Wert 1 gelten läßt. Die auf der Karte (Tafel 17) gezeichneten
Linien sind daher zugleich Isothermen und Linien gleichen Wärmeinhalts,
Das Material, das zum Entwurf der Karten benutzt wurde, ist folgendes:
G. Schott. Ozeanographie u. Marit. Meteorol. Wiss. Ergebn. d. Deutschen Tiefsce-Exp.
1898/99. Jena 1902. $, 155. Normalwerte der Wärmeverteilung in der Tiefsce für die
Zebiete südl. von 60° Br. und westl. von 15° W-Lg. (»Valdivia«).
A. Mohn. Nordhavets Dybder, Temperatur og Strömninger. Den Norske Nordhavs-
Zxpedition 1876-—78. Christiania 1887. N. 44—61. Dybvandstemperaturer (» Vöringen«).
A. Hamberg. Hydrografisk-kemiska Iakttagelser under den svenska Expeditionen till
Grönland 1583, Bih. Svenska Vet. Ak. Handl. Bd. 9. No. 16. 8. 12. Temperaturserier.
Stockholm 1884. (»Sofia«).
©. Ryder.. Den östgrönlandske Expedition 1891—92., Hydrografi. Meddelelser om
Grönland. Heft 17. Kopenhagen 1895. 5. 250—278. (»Hekla«).
M. Knudsen. The Danish Ingolf-Expedition 1895—96. Vol. 1, Part I. Hydrography.
Kopenhagen 1899. ©. 62-100. (»>»Ingolf«).
!) G. Schott, Ozeanographie und Maritime Meteorologie. Wiss. Ergebn, der deutschen
Tiefsee-Expedition 1895 —1899. Jena 1902.