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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Die Forschungsreise 5. M. 8. »Planet«. IT. Kohlschütter, E.: Stereophotogr. Aufnahmen. 227 
es infolge der Unzuverlässigkeit der früheren Schätzungen noch ‚an ’allen 
Unterlagen fehlt. Ein Beispiel, wie verderbenbringend die Unkenntnis auf 
diesem. Gebiete werden kann, liefern die . englischen Torpedobootszerstörer 
»Cobra« und »Viper«, die nach Urteilen von maßgebender Seite infolge zu 
schwacher Verbände bei zunehmendem Seegang mitten auseinander ge- 
brochen sind. 
Leider‘ hat es die Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit und die 
Ungunst der Witterung der Wintermonate, während derer S. M. S. »Planet« in 
Dienst gestellt und seine Probefahrten gemacht hat, vereitelt, die geplante aus- 
giebigere Erprobung der photogrammetrischen Apparate vor der Ausreise 
durchzuführen. Daher kann zum Schluß nur die Hoffnung ausgesprochen 
werden, daß sie trotzdem tadellos arbeiten möchten, und daß es S. M. S. »Planet« 
vergönnt sein möge, reiche Resultate damit zu ernten, 
Dr. E. Kohlschütter. 
Periodische Schwankungen der Eistrift bei Island. 
Von Dr. Wilh. Meinardus in Berlin, 
(Hierzu Tafeln 17 u. 18.) | Fortsetzung statt Schluß.) 
II. Einige. Betrachtungen über Ursachen und Folgen der. Eistrift- 
schwankungen bei Island. 
a. Die Strömungen im Nordmeer. . 
„. ., Zum Verständnis der Eistriftschwankungen bei Island ist es notwendig, 
über den normalen Verlauf der Strömungen im Nordmeer und in seiner Um- 
gebung einen Überblick zu gewinnen. Zu diesem Zwecke habe ich auf der 
Karte (Tafel 17) eine Darstellungsweise gewählt, die von der sonst üblichen 
abweicht. In der Regel pflegt man heutzutage beim Entwurf von Strömungs- 
karten gut erforschter Meeresteile die physikalischen Eigenschaften des Wassers 
an der. Meeresoberfläche, besonders seine Temperatur und seinen Salzgehalt, 
ferner den Charakter seines Planktons zugrunde zu legen, wobei Strom- 
versetzungen von Schiffen und Triften von Flaschenposten weitere Anhalts- 
punkte geben. Nun sind. aber gerade die obersten Meeresschichten in besonders 
hohem Maße vorübergehenden Einwirkungen verschiedenster Art ausgesetzt, 
die geeignet sind, den allgemeinen und durchschnittlichen Verlauf der Wasser- 
bewegung .zu verdecken. - 7 
Solche Einflüsse gehen vor allem von den nach Richtung und Stärke 
wechselnden Winden aus, diese bewirken wechselnde Triftströmungen und eine 
Vermengung der obersten Wasserschichten in vertikaler und horizontaler 
Richtung, wodurch die charakteristischen Eigenschaften der Wasser heterogenen 
Ursprungs verwischt werden, Der Einfluß der Sonnenstrahlung läßt namentlich 
in der wärmeren Jahreszeit und in höheren Breiten die thermischen Unter- 
schiede warmer und kalter Strömungen zurücktreten, da die obersten Schichten, 
auch der kalten Strömungen, erheblich erwärmt werden, Ferner bedingt in 
der Nähe der Küsten der Zufluß festländischen Süßwassers die Ausbreitung 
einer dünnen salzarmen Oberflächenschicht, so daß auch der Verlauf der 
Isohalinen mehr oder weniger lokale Störungen erleidet, die ihn ungeeignet 
machen, die Hauptströmungen zum Ausdruck: zu bringen, so z. B. bei Island 
im Sommer. . 
Wenn auch diese Erscheinungen, die sich in den obersten Schichten 
vollziehen, von der größten Bedeutung sind für die gegenseitigen Beziehungen 
zwischen der Hydrosphäre und Atmosphäre, indem z.B. im Sommer die kalten 
Strömungen durch: die infolge der Insolation erwärmte Oberflächenschicht 
ihren Einfluß auf die Atmosphäre zum Teil verlieren;!) wenn auch die Ver- 
1) Vgl. z. B. M. Knudsen, Den Ööstislandske "polarstroms Indflydelse paa Faeröernes 
Klima. Jagttagelser over Overfladevandets Temperatur, Saltholdighed og Plankton pas islandske op 
yrönlandske Skibsrouter i 1899. Kopenhagen 1900. SS. 40.
	        
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