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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Die Forschungsreise S. M. S. »Planet«. II. Kohlschütter, E.: Stereophotogr. Aufnahmen, 2925 
Stellschraube auf den weißen Zielring des anderen Fernrohrs eingestellt werden 
kann. Dadurch werden die Absehenslinien zur Deckung gebracht. Sodann: 
werden die Öberteile gedreht und die Fernrohre auf eine an Steuerbord, 
möglichst weit außenbords, an einer Stange in ungefähr gleicher Höhe mit. den 
Fernrohren angebrachte Justiermarke gerichtet. Taf. 16, Fig. 6 zeigt eine 
provisorische Anbringung dieser Marke. Sie ist später auf einer kräftigeren 
Stange befestigt worden. Durch’ die Stellschrauben der dritten Füße werden 
die Apparate so gestellt, daß die Fadenkreuze genau auf diese Marke einspielen. 
Dadurch, daß diese Operationen ein- oder zweimal wiederholt werden, erreicht 
man, daß die beiden Ebenen, die die beiden Absehenslinien beim Drehen des 
Oberteils beschreiben, zusammenfallen, da sie drei Punkte gemeinsam haben, 
nämlich die Schnittpunkte der Drehachsen beider Apparate mit den ent- 
sprechenden Achsen der Justierrohre und die Steuerbord-Justiermarke. Damit 
werden auch die beiden Drehachsen zueinander parallel, da sie auf den Ab- 
sehenslinien senkrecht stehen. Richtet man nun jedes Justierrohr auf die 
Drehachse des anderen Apparates, was durch Einstellen auf den weißen Ziel- 
stift oder den Zielring geschieht, so hat man auch die optischen Achsen der 
Kameras parallel. gemacht und die Platten in eine Ebene gebracht. Diese 
letztere Einstellung wird vor jeder einzelnen Aufnahme kontrolliert und 
nötigenfalls - berichtigt, da von ihrer genauen Erfüllung die Richtigkeit der 
Messungen in erster Linie abhängt! Eine nachträgliche Kontrolle dieser Ein- 
stellung nach den fertigen Platten, wie sie bei den Landaufnahmen durch die 
mitphotographierten trigonometrischen Punkte möglich und üblich ist, fällt 
bei den Bordaufnahmen fort, da keine trigonometrischen Punkte vorhanden 
sind. Die Parallelstellung der Drehachsen ist weniger wichtig und braucht 
nur seltener kontrolliert zu werden. Auf diese Weise ist es Dr, Pulfrich ge- 
lungen, eine einwandfreie Justierung der Apparate auch auf einer so schwan-;- 
kenden Unterlage, wie sie ein Schiff darbietet, zu ermöglichen, 
Eine weitere Bedingung, auf die oben flüchtig hingewiesen worden ist, 
ist die völlige Gleichzeitigkeit der Exposition beider Platten. Sie ist nötig, 
da die Apparate infolge des Schlingerns und Stampfens des Schiffes fort- 
während in andere Lagen kommen und durch eine Zwischenzeit zwischen den 
Expositionen der einen und der anderen Platte die notwendige Parallelität 
der optischen Achsen vernichtet werden würde. Die Gleichzeitigkeit ist dadurch 
gewährleistet, daß die Auslösung beider Verschlüsse durch denselben elektrischen 
Strom erfolgt, der durch den Leiter der Aufnahmen, der auf der Brücke seinen 
Platz hat, geschlossen wird. N I 
Es gehört eine gewisse Übung dazu, den richtigen Moment für die 
Exposition abzupassen, da die optischen Achsen währenddem keine Schwen- 
kungen ausführen dürfen, weil sonst die Schärfe der Photographien leidet. 
Das Schiff darf daher nicht drehen, und es muß eine kurze Pause in den 
Schlingerbewegungen abgewartet werden, Stampfbewegungen schaden nichts, 
da sie nur Parallelverschiebungen der optischen Achsen hervorbringen, die 
auf die Schärfe der Bilder ohne Einfluß sind. 
Bei den Versuchen an Bord $S. M. S. »Hyäne« hatte es sich als wünschens- 
wert gezeigt, daß die photographischen Apparate möglichst hoch aufgestellt 
würden, damit flache Küsten mehr von oben her eingesehen werden können, 
Doch konnte bei der Kleinheit des »Planet« dieser Erkenntnis nur in sehr 
geringem Maße Rechnung getragen werden, da sonst die an Deck aufgestellten 
Stative zu hoch und schwer geworden wären. So konnte nicht mehr als 8 m 
Höhe über der Wasserlinie erzielt werden, was ja einen kleinen Fortschritt 
gegenüber der Aufstellung auf »Hyäne« mit 5m Höhe bezeichnet, aber doch 
weit hinter dem wünschenswerten Maße von wenigstens 20 m zurückbleibt, Bei 
der Beschränktheit der zur Verfügung stehenden Mittel mußte man sich eben 
bescheiden sowohl in bezug auf die Höhe der Aufstellung als in bezug auf 
die Länge der Basis, die für die gestellte Aufgabe ebenfalls etwas zu kurz 
ausgefallen ist. nn a . 
„Die Aufgaben; die S.M.. S. »Planet« auf photogrammetrischem Gebiete 
gestellt sind, beziehen sich auf Küstenvermessung und Aufnahme von Meeres’ 
Ann ad. Hvör. 15 Ww.. 1906. Heft V
	        
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