Die Forschungsreise S. M. S. »Planet«. II. Kohlschütter, E.: Stereophotogr. Aufnahmen, 2925
Stellschraube auf den weißen Zielring des anderen Fernrohrs eingestellt werden
kann. Dadurch werden die Absehenslinien zur Deckung gebracht. Sodann:
werden die Öberteile gedreht und die Fernrohre auf eine an Steuerbord,
möglichst weit außenbords, an einer Stange in ungefähr gleicher Höhe mit. den
Fernrohren angebrachte Justiermarke gerichtet. Taf. 16, Fig. 6 zeigt eine
provisorische Anbringung dieser Marke. Sie ist später auf einer kräftigeren
Stange befestigt worden. Durch’ die Stellschrauben der dritten Füße werden
die Apparate so gestellt, daß die Fadenkreuze genau auf diese Marke einspielen.
Dadurch, daß diese Operationen ein- oder zweimal wiederholt werden, erreicht
man, daß die beiden Ebenen, die die beiden Absehenslinien beim Drehen des
Oberteils beschreiben, zusammenfallen, da sie drei Punkte gemeinsam haben,
nämlich die Schnittpunkte der Drehachsen beider Apparate mit den ent-
sprechenden Achsen der Justierrohre und die Steuerbord-Justiermarke. Damit
werden auch die beiden Drehachsen zueinander parallel, da sie auf den Ab-
sehenslinien senkrecht stehen. Richtet man nun jedes Justierrohr auf die
Drehachse des anderen Apparates, was durch Einstellen auf den weißen Ziel-
stift oder den Zielring geschieht, so hat man auch die optischen Achsen der
Kameras parallel. gemacht und die Platten in eine Ebene gebracht. Diese
letztere Einstellung wird vor jeder einzelnen Aufnahme kontrolliert und
nötigenfalls - berichtigt, da von ihrer genauen Erfüllung die Richtigkeit der
Messungen in erster Linie abhängt! Eine nachträgliche Kontrolle dieser Ein-
stellung nach den fertigen Platten, wie sie bei den Landaufnahmen durch die
mitphotographierten trigonometrischen Punkte möglich und üblich ist, fällt
bei den Bordaufnahmen fort, da keine trigonometrischen Punkte vorhanden
sind. Die Parallelstellung der Drehachsen ist weniger wichtig und braucht
nur seltener kontrolliert zu werden. Auf diese Weise ist es Dr, Pulfrich ge-
lungen, eine einwandfreie Justierung der Apparate auch auf einer so schwan-;-
kenden Unterlage, wie sie ein Schiff darbietet, zu ermöglichen,
Eine weitere Bedingung, auf die oben flüchtig hingewiesen worden ist,
ist die völlige Gleichzeitigkeit der Exposition beider Platten. Sie ist nötig,
da die Apparate infolge des Schlingerns und Stampfens des Schiffes fort-
während in andere Lagen kommen und durch eine Zwischenzeit zwischen den
Expositionen der einen und der anderen Platte die notwendige Parallelität
der optischen Achsen vernichtet werden würde. Die Gleichzeitigkeit ist dadurch
gewährleistet, daß die Auslösung beider Verschlüsse durch denselben elektrischen
Strom erfolgt, der durch den Leiter der Aufnahmen, der auf der Brücke seinen
Platz hat, geschlossen wird. N I
Es gehört eine gewisse Übung dazu, den richtigen Moment für die
Exposition abzupassen, da die optischen Achsen währenddem keine Schwen-
kungen ausführen dürfen, weil sonst die Schärfe der Photographien leidet.
Das Schiff darf daher nicht drehen, und es muß eine kurze Pause in den
Schlingerbewegungen abgewartet werden, Stampfbewegungen schaden nichts,
da sie nur Parallelverschiebungen der optischen Achsen hervorbringen, die
auf die Schärfe der Bilder ohne Einfluß sind.
Bei den Versuchen an Bord $S. M. S. »Hyäne« hatte es sich als wünschens-
wert gezeigt, daß die photographischen Apparate möglichst hoch aufgestellt
würden, damit flache Küsten mehr von oben her eingesehen werden können,
Doch konnte bei der Kleinheit des »Planet« dieser Erkenntnis nur in sehr
geringem Maße Rechnung getragen werden, da sonst die an Deck aufgestellten
Stative zu hoch und schwer geworden wären. So konnte nicht mehr als 8 m
Höhe über der Wasserlinie erzielt werden, was ja einen kleinen Fortschritt
gegenüber der Aufstellung auf »Hyäne« mit 5m Höhe bezeichnet, aber doch
weit hinter dem wünschenswerten Maße von wenigstens 20 m zurückbleibt, Bei
der Beschränktheit der zur Verfügung stehenden Mittel mußte man sich eben
bescheiden sowohl in bezug auf die Höhe der Aufstellung als in bezug auf
die Länge der Basis, die für die gestellte Aufgabe ebenfalls etwas zu kurz
ausgefallen ist. nn a .
„Die Aufgaben; die S.M.. S. »Planet« auf photogrammetrischem Gebiete
gestellt sind, beziehen sich auf Küstenvermessung und Aufnahme von Meeres’
Ann ad. Hvör. 15 Ww.. 1906. Heft V