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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

224 Annalen der Hydrograpkie und Maritimen Meteorologie, Mai 1906. 
mittel überhaupt erreichbaren Genauigkeit tatsächlich geschehen ist. Die Platten 
werden, nachdem die Kassette in die Kamera eingesetzt und der Schieber heraus- 
gezogen ist, durch eine sinnreiche Vorrichtung gegen den abgeschliffenen An- 
legerahmen gepreßt, der genau senkrecht zur optischen Achse steht. Dieser 
Rahmen enthält die Lochmarken, die die Endpunkte der Fadenkreuzfäden 
bezeichnen, und deren auf jeder Platte nach der Aufnahme erscheinende Bilder 
zur Herstellung des unendlich fernen Fadenkreuzes dienen. Auf diese Weise 
wird erreicht, daß jede Platte in der Kamera genau diejenige Lage einnimmt, 
die zur Erfüllung der ersten der oben aufgestellten Bedingungen erforderlich ist. 
Der zweiten Bedingung muß durch die vor jeder Aufnahme erforder- 
liche Justierung der Apparate an Bord genügt werden. Zu dem Zweck sind 
die Apparate, von denen Taf. 16 in Fig. 4 u. 5 Abbildungen enthält, folgender- 
maßen eingerichtet, Ein kräftiger Dreifuß, von dem zwei Arme Stellschrauben 
enthalten, trägt eine kräftige Vertikalachse. Um diese Achse dreht sich der aus 
der photographischen Kamera und dem Justierfernrohr bestehende Oberteil. 
Er kann geklemmt und dann durch zwei in einander entgegengesetzter Richtung 
auf eine Nase wirkende Druckschrauben fein bewegt werden. In der Kamera 
ist der durch einen elektrischen Strom auszulösende Schlitzverschluß angebracht, 
der durch Anderung der Schlitzbreite und der Fallgeschwindigkeit verschiedene 
Expositionsdauern herbeizuführen gestattet. 
Das Justierfernrohr besteht aus dem Objektiv, dem Fadenkreuz und dem 
das Okular tragenden Mantel, Objektiv und Fadenkreuz berühren den Mantel 
nicht, da auf ihrer unveränderten Verbindung mit der Kamera das ganze 
Justierverfahren beruht. Infolge der getroffenen Einrichtung kann der Mantel 
durch Temperatureinflüsse, Stoß oder sonstwie kleine Lageänderungen erleiden, 
ohne daß Objektiv und Fadenkreuz und mit ihnen die Absehenslinie des Fern- 
rohrs ihre Lage zur Kamera ändern. Das Fadenkreuz sitzt fest auf. der 
Kamera, das Objektiv auf einem langen Schlitten, der in einer sehr genau 
gearbeiteten schwalbenschwanzförmigen langen Nute des Kameradaches geführt 
wird. Dadurch ist es ermöglicht, die Brennweite des Fernrohrs zu ändern, 
was zur Fokussierung auf verschieden weit entfernte Gegenstände‘ not- 
wendig ist, ohne die Richtung der Absehenslinie irgendwie zu verändern. Auf 
dem Fernrohr befindet sich genau in der Verlängerung der Drehachse ein 
weißer Zielstift, ferner ist auf die Objektivfassung ein mit dem Objektiv 
konzentrischer weißer Kreisring aufgeschraubt, der ebenfalls als Ziel dient. 
Die Anordnung der Justierrohre auf den beiden Kameras ist so getroffen, daß 
die Fernrohre aufeinander gerichtet sind, wenn die optischen Achsen der 
photographischen Kameras auf denselben unendlich fernen Punkt gerichtet 
sind. Abgesehen von der Richtung der Justierrohre sind die beiden Kameras 
vollständig gleich gebaut. Mit der größten Sorgfalt und unter Anwendung 
komplizierter und umfangreicher, zu diesem Zweck von Dr. Pulfrich besonders 
konstruierter Hilfsapparate ist es gelungen, die Justierfernrohre so einzustellen, 
daß ihre Absehenslinie durch die Drehachsen der Apparate hindurchgehen und 
senkrecht zu ihnen stehen und daß sie auch senkrecht zu den optischen 
Achsen der photographischen Objektive oder parallel zu den Plattenebenen 
sind, Da an Bord keine Hilfsmittel für diese genaue Einstellung der Justier- 
rohre vorhanden sind, so müssen sie unveränderlich fest mit den Kameras 
verbunden sein und deshalb sind die beiden die Absehenslinie bestimmenden 
Teile von dem Schutzmantel ganz unabhängig eingebaut worden, wie oben be- 
schrieben worden ist. Zur Vermeidung irgendwelcher Veränderungen der 
Apparate werden sie an Bord nicht auseinandergenommen, sondern in ihrem 
eisernen Gestell in großen, dickwandigen Schutzkästen aus Eichenholz auf- 
bewahrt und zum Gebrauch in diesem Gestell an den Stativen aufgeheißt, wie 
Taf. 16, Fig. 1 zeigt. 
Die Justierung geht folgendermaßen vor sich: Die Apparate stehen 
derart auf den Stativen, daß die Verbindungslinie des nicht mit einer Stell- 
schraube versehenen Fußes mit einem der beiden anderen Füße der Ver- 
bindungslinie beider Apparate parallel ist. Dadurch ist erreicht, daß das 
Fadenkreuz eines jeden Fernrohrs durch Drehen des Oberteils und der einen
	        
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