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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1906.
faßt. Die beiden Fadenkreuzbilder verschmelzen im stereoskopischen Sehen
zu einem Bilde; man sieht daher ein unendlich weit entferntes Fadenkreuz M’.
Werden die Augen auf die Bilder g; und g, gerichtet, so kommen die Augenachsen in
die Lagen A; gı und A, g,, die beiden Photographien
verschmelzen zu einem räumlichen Bilde des Gegen-
standes &@/, das man an dem Schnittpunkte @ der
beiden Augenachsen sieht. Dasselbe gilt für die
Abbildungen A; und A, des Gegenstandes H; man
erblickt im Stereoskop sein räumliches Bild an
der Stelle /Y’. Daher entsteht vor den Augen des
Beschauers ein verkleinertes Modell der photo-
graphierten Landschaft, Er sieht sie in derselben
Weise, wie sie ein Riese sehen würde, dessen Kopf
so dick ist, daß sein linkes Auge in Ox;, sein rechtes
Z in O, sich befinden würde.
Dieses Modell wird mit Hilfe der wandernden
Marke auf dem Stereokomparator ausgemessen. Wie
das geschieht, soll hier nicht erklärt werden; nur so
viel sei gesagt, daß man die wandernde Marke auf
das räumliche Bild des Gegenstandes, dessen Lage
bestimmt werden soll, im Modell einstellt und dann
ihre Stellung an drei Maßstäben abliest. Aus diesen Ablesungen findet man durch
eine sehr einfache Rechnung oder durch Zeichnung drei räumliche Koordinaten,
die die Lage des zu bestimmenden Gegenstandes in bezug auf das photo-
graphierende Schiff eindeutig festlegen. Der Ursprung des rechtwinkligen
Systems, dem diese Koordinaten angehören, ist die Mitte O0; des photographischen
Objektivs der linken Kamera, seine Z-Achse ist die optische Achse dieses Objektivs,
seine X-Achse geht durch die Mitte des Objektivs der rechten Kamera, und die
Y-Achse ist nach oben gerichtet und steht senkrecht auf der durch die beiden
optischen Achsen gebildeten Ebene, Dieses System ist daher mit dem Schiffe fest
verbunden und macht alle seine Bewegungen mit. Seine Lage im Augenblick
ler Aufnahme hängt von der gleichzeitigen Stellung des Schiffes ab, Zur
Herstellung einer Karte ist dieses System, das Schiffssystem, daher nicht zu
gebrauchen. Dazu bedarf man eines Systems, dessen X-Z-Ebene horizontal
liegt. Die Neigung des Schiffssystems gegen dieses Horizontsystem läßt sich
in einfacher Weise aus der Strandlinie oder dem mitphotographierten Teile
der Wasseroberfläche bestimmen, die in hinreichender Annäherung als horizontal
angesehen werden können oder deren Abweichung von einer horizontalen Ebene
in Rechnung gezogen werden kann. Durch Hinzufügung kleiner Korrektions-
größen, die einer zweimaligen Drehung des Systems entsprechen, werden die
Koordinaten des Schiffssystems in diejenigen des Horizontsystems verwandelt.
Mit Hilfe der letzteren werden die ausgemessenen Punkte in dem gewählten
Maßstabe aufgetragen. Sie bilden dann eine Karte der photographierten
Küstenstrecke, in die man alle auf den Platten erkennbaren Einzelheiten auf-
nehmen kann, ohne überhaupt den Fuß an Land gesetzt zu haben,
In Fig. 3 sei eine solche Karte dargestellt. Die Aufnahme hat von S,,
dem ersten Schiffsorte, aus stattgefunden. Es sind die Punkte a, b,e,d...k
der Strandlinie und die Binnen-Punkte 4A, B, C, D, E, F, die durch Häuser,
Bergkuppen, Eingeborenenhütten, hervorragende Bäume oder auch durch
Baken irgendwie besonders kenntlich sind und in die Seekarte aufgenommen
werden sollen, festgelegt und aufgezeichnet worden. Dann ist von S,, dem
zweiten Schiffsorte, die in Fig. 4 dargestellte zweite Aufnahme gemacht worden,
die die erste teilweis überdeckt. Hier hat man die Strandpunkte &’, W, ’...W
und die Binnenpunkte D, E, F, G, H festgelegt. Unterdessen ist die Karte in
Fig. 3 auf Pauspapier übertragen worden und wird nun so auf Fig, 4 gelegt,
daß die in beiden Karten vorkommenden Punkte D, X, F einander decken.
Dann werden die neuen Punkte der zweiten Aufnahme G, H und J und die
Fortsetzung der Strandlinie durchgepaust und so durch Aneinanderreihung
der einzelnen Aufnahmen die Karte der ganzen aufzunehmenden Küstenstrecke