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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1906.
Die Forschungsreise S. M. S. „Planet“.
[T. Stereophotogrammetrische Aufnahmen.
(Hierzu Tafel 16.)
Der Gedanke, die Photogrammetrie zur Küstenvermessung zu benutzen,
ist zwar älteren Datums, doch konnte an seine erfolgreiche Umsetzung in die
Praxis erst gedacht werden, als die früher allein bekannte Form der Meßtisch-
photogrammetrie durch die Stereophotogrammetrie ergänzt worden war. Denn
wenn es auch möglich ist aus einer Anzahl aneinander anschließender Einzel-
aufnahmen von Bord aus die Karte eines Küstenstrichs zu zeichnen, so er-
fordert dies doch einen derartigen Aufwand an Zeit, Scharfsinn und genauesten
geometrischen Konstruktionen, daß ein Gewinn für die Vermessung aus der
Anwendung dieser Methode sich nicht ergeben würde. Auch würde durch den Um-
stand, daß sämtliche sichtbaren Gegenstände sich auf dem schmalen Streifen, den
eine Küstenphotographie meist bildet, zusammendrängen, die Wiedererkennung
derselben Objekte auf den von verschiedenen Standpunkten aus aufgenommenen
Platten sehr erschwert und vielfach unmöglich gemacht werden, Jedenfalls
würde dies aber eine dauernde Quelle von Verwechslungen, falschen Kom-
binationen, Wiederholungen und Verdruß geworden sein. Daher ist denn auch
eine Anwendung der Meßtisch-Photogrammetrie von Bord aus nicht bekannt
zeworden und wohl auch niemals über das Stadium des theoretischen Vor-
schlags hinausgekommen,
Bei der Stereophotogrammetrie fehlt dieser Übelstand zwar auch nicht
ganz, er spielt aber keine ausschlaggebende Rolle, weil die Stereophoto-
zrammetrie in der Lage ist, aus dem bei einer einzigen Aufnahme gewonnenen
Plattenpaare eine Karte der photographierten Gegend zu liefern, wobei infolge
der wunderbaren Feinheit des menschlichen Gesichtssinnes für die Wahr-
nehmung von Tiefenunterschieden irgendwelche Verwechslungen ausgeschlossen
sind. Erst bei der Zusammensetzung der aus aneinander anschließenden Auf-
nahmen gewonnenen Kartenteile zu einem Ganzen machen sich die Schwierig-
keiten der Erkennung derselben Objekte bemerkbar und geben zuweilen zu
Verwechslungen Veranlassung.
Die stereophotogrammetrische Küstenaufnahme ist zum ersten Male
praktisch erprobt worden im Sommer 1904 von Bord S. M.S. »Hyäne« aus.
Das Reichs-Marine-Amt hatte von der Firma Carl Zeiß in Jena zwei von
Dr. Pulfrich konstruierte Phototheodolite erworben, die, ursprünglich für
Aufnahmen auf dem festen Lande bestimmt, durch kleine Änderungen zum
Gebrauch an Bord geeignet gemacht wurden, Die Aufnahmen, die von »Hyäne«
aus mit diesen Apparaten erlangt wurden, lehrten die Anwendbarkeit der
Methode. Sie deckten aber auch eine Reihe von Mängeln auf, die darin ihren
Grund hatten, daß die Phototheodolite nicht von vornherein für den Bord-
gebrauch gebaut, sondern ihm nur angepaßt waren. Um dies zu erläutern,
sei das Aufnahmeverfahren nochmals kurz auseinandergesetzt, das in dieser
Zeitschrift!) von Herrn Dr. Schwaßmann schon einmal beschrieben worden ist.
Auf geeigneten Stativen, die sich auf $S. M. SS. »Planet« an der B-B.-
Seite befinden, werden die Apparate, je einer vorn und achtern, auf dem Deck
aufgestellt und festgeschraubt. Taf. 16, Fig. 1 zeigt das achtere, Taf. 16, Fig. 2 das
vordere Stativ, Die Entfernung der beiden Apparate voneinander bildet die Auf-
nahmebasis. Sie muß möglichst groß sein, so groß wie es die gegebene Schiffs-
länge nur irgend erlaubt. Auf S. M. S. »Planetf« konnte sie nur rund 47 m
lang gemacht werden, Die Stative sind so eingerichtet, daß die Höhe der
beiden Phototheodolite über Wasserlinie annähernd dieselbe ist (8 m bei
S, M. S. »Planet«), Die wichtigste Bedingung aber, die bei der Aufnahme er-
X »Ann. d. Hydr. usw.«, 1902, S. 347,