Herrmann, J.: Die Fahrt nach dem Ob und dem Jenissei im Jahre 1905. 219
ab. Beim Einlaufen in den Ob-Busen muß man sehr vorsichtig sein. Auf die
Lotungen in der Karte kann man sich ziemlich verlassen, doch ist das Land,
besonders an der Ostseite (Kap Tara-sol), das ja auch nicht vermessen ist,
sehr niedrig und sehr schlecht zu:erkennen. Wir sahen das Land erst, als
wir es schon querab hatten, Kap Drowjanoi, die Westeinfahrtshuk, ist ziemlich
zut zu erkennen und zeigt, wie in der Karte angegeben, einen rötlichen Ab-
hang., Die Sandbank davor ist jedoch sehr schlecht zu erkennen, sie liegt nicht
an allen Stellen über Wasser, sondern sieht wie gelbliche Hügel aus. Die Küste
von Jalmal südlich vom Kap Drowjanoi ist sehr gut auszumachen; sie. besteht
aus etwa 30 m hohem wellenförmigen Lande von dunkler Farbe mit niedrigem
Vorland. Südlich vom Flusse Tombei (engl. Shombei), dessen Einschnitt gut
zu erkennen ist, wird das Land niedrig und hellgelb, ist aber bei klarem
Wetter gut auszumachen. Auch Kap Parui, obgleich niedrig, hebt sich gut
ab, während Kap Bjely (Weißes Kap) vergeblich gesucht wurde, trotzdem man
die niedrige gelbe Küste weithin südlich gut erkennen konnte; ebenso Kap
Lebediny.
An der Ostseite des Ob-Busens ist das Land besser zu erkennen; es ist
besser, sich an dieser Seite zu halten, weil dort auch tieferes Wasser vor-
handen ist. Die Ostküste ist Steilküste ohne jedes Vorland und etwa 30 bis
90 m hoch. Nach dem Innern erstrecken sich dunkle Höhenzüge. Der erste
Einschnitt nördlich vom Kap Taran (engl. Sharan) ist gut zu erkennen, da er
zwischen zwei gut kenntlichen Hügeln liegt. Weit südlich vom Kap Taran
sind graue Küstenabhänge mit hellen Stellen und braunem Hinterland, Südlich
vom Kap Taran ist die Farbe der Küste rotbraun mit grauen Kanten. ‘Noch
weiter südlich bis Kap Naranga ist das Land rotbraun und mit Sanddünen
besetzt. Von dort bis zu dem gut kenntlichen Kap Trech-bugorny (engl.
Shrekh bugorni) ist das Land rotbraun mit grauen Stellen. Kap Krugliy ist
etwa 30 m hoch und dunkel, doch verschwindet die Küste nach Kap Parusnoi
hin; man hält sich daher an der Jalmal-Küste. Kap Kamenny. ist gut aus-
zumachen. Das Land ist dort dunkel mit grauen Kanten und wird weiterhin
hellgelb mit einzelnen Hügeln, die sehr gut zu erkennen sind. Vom Kap
Sjetnoi an tritt das hohe Land weiter zurück; das Vorland ist dorf sehr
niedrig. (Siehe Abbild. auf Tafel 12.)
Nachodka-Bucht ist sehr gut zu erkennen an drei Hügeln, von denen
der höchste in der Mitte liegt. Auch der etwa 12 m hohe Hügel südlich von
der Bucht ist gut zu erkennen.
Die Lotungen in der Karte stimmen ziemlich gut. Vom Kap Tara-sol
bis Kap Trech-bugorny, wo wir alle 10mir loteten, nahm die Wassertiefe von
16 m auf 11 m ab, Grund Schlick. ‘ Südlich vom Kap Kamenny nahmen die
Lotungen von 11m auf 7!/, m ab. Vor der Nachodka-Bucht wird das Wasser
fach, 6 bis 5m. Wir lagen zuletzt auf 4.3 m Wasser, doch ist der Grund sehr
weich, so daß Schiffe dort keinen Schaden nehmen können, Das Lot sinkt
tief ein, Das Löschen in der Nachodka-Bucht geht nicht besonders gut, da
dort, sobald etwas Wind aufkommt, kurze See steht, in der die nicht sehr
starken Leichter nicht längsseit liegen können. Wir mußten daher mehrmals
unsern Ankerplatz wechseln, tiefer in die Bucht hineinlaufen und das Schiff
auf den Schlick setzen, um nur arbeiten zu können, Es war auch deutlich
zu sehen, daß die beste Jahreszeit vorbei war, und wir etwas zu spät ge-
kommen waren. -
Auf der Rückreise, die am. 18, Sept. angetreten wurde, trafen wir auf
eine flache Stelle, die etwa 10 Sm nördlich von der Weißen Insel liegt und
sich in Nordnordwest—Südsüdostrichtung etwa 5Sm weit erstreckt. Wir
loteten plötzlich 7.3 m, drehten nordnordwestwärts und dampfiten in dieser
Richtung etwa 5 Sm, wobei die Wassertiefe beständig zunahm, von 7.3 m all-
mählich. auf- 15 m, Grund Sand. Dann wurde wieder Kurs gesteuert.