Pettersson, O.: Über die Wahrscheinlichkeit von periodischen Schwankungen usw. 11
um die kontinentale Küste weit über das atlantische Wasser aus; im Winter
und Frühling vertieft sich die Randfurche längs der Küste und der Saum von
Küstenwasser in der Oberfläche wird schmaler. Es existiert offenbar ein Zu-
sammenhang zwischen der jährlichen Periodizität des atlantischen Wassers
und den Veränderungen der Randfurche,
In der Küstenrinne des Barentsmeeres, vor dem Eingang des Motowsky-
fjords hat Dr. Knipowitsch als Leiter der russischen Untersuchung in allen
Monaten der Jahre 1898 bis 1901 Temperaturreihen auf einer und derselben
Stelle ausgeführt und die Existenz einer jährlichen Temperaturvariation in
allen Tiefen bis zum Boden in 250 m Tiefe konstatiert.
Das Resultat dieser schönen Untersuchung dürfte jetzt allbekannt sein
und ich kann auf das Diagramm auf S. 301 in Knipowitschs Abhandlung,
„Ann. d. Hydr. usw.« 1905, Heft VII, hinweisen, Dasselbe macht: vollkommen
den Eindruck einer jährlichen von der Oberfläche vertikal herabsteigenden
Wärmewelle, welche in der Oberfläche im August, in 100 m im Oktober und
in 200 m im November ihren Höhepunkt erreicht, Im Februar, März, April wird
aber die Temperatur in allen Schichten auffallend gleichförmig. Die Amplituden
dieser ‚jährlichen Variation sind beträchtlich: in dem Oberflächenwasser 9.5
bis 10°; in 100m 6°; in 200m 5.1°; am Boden in 250 m 4.8° C. Da »Golfstrom-
wasser« in solche Küstennähe nie eindringt und die jährliche Temperatur-
schwankung in korrespondierenden Tiefen in solchem Wasser nicht mehr als
1 bis 2°C. beträgt, bleibt es von vornherein ausgeschlossen, an eine direkte
Erwärmung des Tiefenwassers der Murmanschen Randfurche durch den
Atlantischen Strom zu denken.
Mit Einwendungen dieser Art fertigt Dr. Knipowitsch meine Ansicht
ab:- daß diese Wärmewelle im Küstenwasser nicht von oben,'‘) sondern von
außen eindringt und von dem Andrang des atlantischen Wassers verursacht
wird. Er sieht in diesen Phänomenen eine allgemeine Erscheinung, welche
man überall beobachten kann, auch dort, ‘wo von einem »Andrange von
atlantischem Wasser« keine Rede sein kann. Der Mechanismus dieses Prozesses
wird von ihm nicht berücksichtigt, er begnügt sich damit, »auf die Summe
aller derjenigen Prozesse hinzuweisen, welche die Erwärmung der ‘oberen
Schichten an die tieferen abgeben können.«
Das war auch der Standpunkt der älteren Hydrographen, welche, ohne
auf die nähere Analyse der Ursachen des Phänomens einzugehen, jährliche
Wärmewellen von oben bis zu beliebiger Tiefe eindringen ließen. In solcher
Weise wurden z.B. die jährlichen Temperaturvariationen des Bodenwassers
der tiefen skandinavischen Fjorde erklärt, bis G. Ekman und ich durch unsere
Untersuchungen im Skagerrak und in der Ostsee in 1890 bis 1893 den Beweis
brachten, daß solche Variationen weder durch konvektive Prozesse noch durch
Leitung, Verdunstung, Wellenbewegung usw., sondern durch von außen in die
Fjorde unseres Randgebietes eindringende Unterströme verursacht wurden,
Seitdem ist die Theorie von den hinabsteigenden Wärmewellen nicht mehr in
der Literatur aufgetaucht, weshalb ich mich mit dem kurzen Ausspruch in
dem Gesamtbericht begnügte um die weitere‘ Erklärung in der Abhandlung“)
„Über die Wahrscheinlichkeit von periodischen und unperiodischen Schwan-
kungen usw.« zu geben. Ich gründete diese Erklärung auf. ein neuerdings
von J. W. Sandström entdecktes Verhältnis.
In der Tat ist das Eindringen der Wärme von oben bis zu größeren
Tiefen ein dynamisches Phänomen, welches, wenigstens sofern es sich um
Wasserlagen von stabiler Schichtung handelt, durch keinen bisher bekannten
physikalischen Prozeß sich erklären läßt.
Sandström®) fand, daß, wenn der Wind das leichtere Oberflächenwasser
1) In der englischen Auflage des Generalberichts ist meine Meinung richtiger ausgedrückt
dureh die folgenden Worte: »The heat wave does not penetrate the waterlayers perpendieularly from
the surface. It is an outside impulse from the West, originating in an acceumulation of Atlantic Water.«
2) O. Pettersson. Ur Svenska hydrografisk biologiska kommissionens Skrifter. II. 1905.
1. ©. p. 22. - :
3 J. W. Sandström. ibid. Windströme im Gullmarfiord.