216 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1906.
handen sind, ist das Forcieren derselben für gewöhnliche Dampfer aussichts-
los und wenn es sich nur um kleinere zerteilte Eisfelder handelt, steht die
Gefahr, die man im Eise auch bei vorsichtigem Navigieren immerhin läuft,
in keinem Verhältnis zu dem unbedeutenden Umwege längs der Süd- und
Ostseite des Karischen Meeres, wo man gewöhnlich auf eine fahrbare Rinne
rechnen kann. Für die Fahrt durch das Karische Meer darf man nur die
neuesten Karten benutzen, da die älteren in Längel) und auch sonst un-
zuverlässig sind. Der Jalmal-Küste wird man sich vorsichtigerweise nicht zu
sehr nähern, da in der Nähe des Landes in dem seichten Wasser gefährliche
Untiefen vorhanden sein können. Der Strom im Karischen Meer, der ge-
wöhnlich längs der Ostküste von Nowaja Semlja nach Süden, dann an der
Südseite des Karischen Meeres nach Osten und längs der Jalmal-Küste nach
Norden setzt, ist sehr vom Winde abhängig (vergl. S. 209).
Von der Weißen Insel, die von flachen Stellen weithin umlagert ist,
halte man sich 20 bis 25 Sm entfernt, besonders mit einem tiefgehenden Schiffe.
Wie die von den Kapt. Berg und Rausch aufgefundene, in den Karten nicht
verzeichnete 7,3 m-Stelle 10 Sm nördlich von dieser Insel (s. S. 203) zeigt, ist
die Annäherung an die Insel auch an der Nordseite gefährlich. Von der
Weißen Insel steuere man die ziemlich hohe gut kenntliche Dieckson-Insel an
der Nordostecke des Jenissei-Busens an. Der Wilkitzki-Insel zwischen dem
Ob- und Jenissei-Busen darf man dabei nicht näher als 10 Sm kommen. Der
allgemein benutzte und sicherste Weg zum KEinlaufen in den Jenissei-Busen
ist Östlich von der Kuskin (Sibirjakow)-Insel, doch soll man auch westlich von
dieser Insel einlaufen können.
Guten vor dem Eise geschützten Ankerplatz bietet Dickson-Hafen an
der Ostseite dieser Insel (vergl. S. 198).
Der Jenissei.
Eisverhältnisse. Da der Jenissei ebenso wie der Ob von Süden nach
Norden fließt, wird der obere Lauf bedeutend früher eisfrei und friert be-
deutend später zu als der untere. Bei Jenisseisk bricht das Eis (nach Ry-
katschew) im Mittel am 7. Mai auf, bei Dudinka in 69!/, N-Br. spätestens am
8. Juni (nach Tretjakow zwischen dem 6. und 17. Juni), bei Kasanzewo, eben
unterhalb von Lukowaja Protoka, um den 16. Juni herum, bei der Jenissei-
Mündung (nach Tretjakow) zwischen dem 24, Juni und 2. Juli, im Jenissei-
Busen in der Nähe von Goltschicha gegen den 22, Juni und in der Mündung
des Jenissei-Busens zwischen dem 2, und 13. Juli,
Der Jenissei-Busen friert zwischen dem 183, Okt. und 22, Nov. zu, die
Jenissei-Mündung (nach Tretjakow) zwischen dem 13. Okt. und 1. Nov., der
Jenissei bei Dudinka zwischen dem 7, und 17, Okt. und bei Jenisseisk (nach
Rykatschew) am 17. Nov.
Später als am 17, Sept. sollten die Brechowski-Inseln im Jenissei nicht
verlassen werden,
. Der Einfluß der Gezeiten reicht bis nach Kasanzewo, doch ist das
Wasser dort noch frisch.
Wassertiefe, Über die Wassertiefe auf der Barre vor der Jenissei-
Mündung gibt der Bericht des Kapt. Matz Aufschluß (s. S. 198). Das Fahr-
wasser des Flusses ist im unteren Laufe ebenso wie die Wassertiefe veränderlich,
Die vorhandenen Spezialkarten (russ. Atlas des Jenissei) sind daher vielfach
ungenau; so wurden z. B. in den Karten nicht verzeichnete Bänke am rechten
Ufer oberhalb von Goltschicha, vor dem Nordende der Insel gegenüber Sido-
rowski Jar und an der Westseite der Insel Turuschin gefunden. Ebenso
zeigten die Lotungen vor der Einfahrt nach Lukowaja Protoka einen be-
deutenden Unterschied gegen die Angaben der Karte (s. Bericht des Kapt. Matz,
S. 200). Im Fahrwasser des Flusses von Goltschicha bis zur Einfahrt nach
Lukowaja Protoka ist die geringste Wassertiefe etwa 7.3 m zwischen der Insel
‘) Die Brit. Adm-Kart. Nr. 2962, verbessert bis 1902, zeigt gegen die kürzlich heraus-
vyegebene Karte z. B. die Länge der Westküste der Jalmal-Halbinsel 10’ bis 20 zu weit westlich.