Herrmann, J.: Die Fahrt nach dem Ob und dem Jenissei im Jahre 1905. 215
raum oder Winterquartier für Expeditionen gebaut ist; daneben lagern 30 t
Steinkohlen.
Man kann aber auch überall in der Jugor-Straße ankern, wenn sie eis-
frei ist, da der Ankergrund selbst in der Mitte der Straße, wo die Strom-
geschwindigkeit 4!/„, Sm erreicht, gut hält. Vom Westen kommende Schiffe
ankern vielfach auch vor der Festlandsküste etwas südlich von der Straße,
dürfen jedoch dem Lande nicht zu nahe kommen. Dort ist der Strom nicht
so stark, als vor der Mitte der Straße, wo auch zuweilen auf 16 m Wasser
geankert wird.
Der Ankerplatz auf der Reede von Chabarowo ist nicht sehr zu
empfehlen, da er gegen die vom Karischen Meere wehenden Winde ganz un-
geschützt und daher auch dem Eisgange ausgesetzt ist. Der Ankergrund, der
aus Sand mit Muscheln und stellenweise aus Schlick besteht, hält gut, Bei
frischen Nordostwinden ist der Ankerplatz sehr unruhig, so daß man dann
besser tut, nach der Nordseite der Straße hinüberzugehen und dort auf 11m
Wasser zwischen den Kaps Stworny und Pestschany zu ankern.
Je näher man auf der Reede von Chabarowo am Lande ankert, desto
weniger ist man dem Strome und dem Eise ausgesetzt. Der beste Ankerplatz
ist, wie bereits bei der Durchsteuerung erwähnt, auf 8 bis 9 m Wasser. vor
Sibirjakows Schuppen. Man kann auch auf 7m Wasser ankern, muß aber
berücksichtigen, daß die Wassertiefe. von der 9m-Grenze nach dem Lande hin
schnell abnimmt. Schiffe mit weniger als 3 m Tiefgang, können auf 5m
Wasser ankern, wo sie von den großen tiefgehenden Eisschollen nichts zu
fürchten haben. Trinkwasser kann man aus einem Bache */, Sm nordwestlich
von der Kirche holen. An der gegenüberliegenden Küste bietet die Bucht
zwischen den Kaps Stworny und Pestschany einen sehr guten Ort zum Wasser-
holen. Von Lebensmitteln sind in Chabarowo stets Renntierfleisch und oft
auch Fische zu haben. Dampferverbindung‘ mehrmals im Sommer mit Ar-
changel durch die Dampfer der Murman-Gesellschaft, ;
Einen vorzüglichen Ankerplatz, besonders wenn die Jugor-Straße nicht
zugänglich ist, bietet die Ljamtschin-Bucht an der Westküste der Insel Wai-
gatsch. Sie ist nur nach Süden offen und vor dem Eise geschützt. Nur
leichtes Scholleneis treibt zuweilen hinein. Die Karten der Bucht, die auf
Vermessungen von 1903 beruhen, sollen in Länge 12’ zu weit östlich liegen:
Die Wassertiefe in der Bucht ist sehr gleichmäßig und beträgt 9 bis 11 m,
Grund Schliek. Als Landmarken dienen zwei Baken, von denen eine an der
Westseite der Einfahrt, die andere an der Nordseite der Bucht steht. Um
die beiden bei Seegang brandenden Klippen mit nur 0.6 m Wasser an der
Ostseite der Einfahrt zu meiden, muß man sich beim Einlaufen etwas näher
an der Westseite halten, darf aber nicht zu nahe an die Westeinfahrtshuk
hinangehen, da das Riff vor derselben (Strandungsstelle des D. Hampstead)
wahrscheinlich weiter seewärts reicht als die Karte zeigt. (Siehe Abbild, auf
Tafel 12). »Gladiator« ankerte auf 9 m Wasser im nordöstlichen Teile der
Bucht, »Jermak« in der Mitte der Einfahrt zwischen der Westeinfahrtshuk
und den beiden blinden Klippen auf etwa 13 bis 14 m Wasser. Am Lande
sind überall zwischen den Hügeln Frischwasserteiche, von denen einzelne
Zufluß von Quellwasser haben. Aus diesen kann man Trinkwasser holen.
Das Wasser in den übrigen ist moorig. In der Umgebung der Teiche ist
guter Torf.
Ein anderer Ankerplatz, die Reede des Dampfers Pachtussow, an der
Nordwestküste von Waigatsch, ist bereits in den »Ann. d. Hydr. usw.« 1905,
S. 487 beschrieben.
Von der Jugor-Straße nach dem Jenissel.
Wenn man, aus der Jugor-Straße kommend, kein Eis sieht, kann man
geraden Kurs nach der Weißen Insel steuern. . Trifft man aber Eis an, so
muß man dasselbe an B-B. lassen und an seiner Kante entlang steuern. In
das Eis sollte man nicht eindringen. Es ist gefährlich und meist auch zweck-
ls. Wenn im Karischen Meere vor der Jugor-Straße große Eismassen var-